Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #95

Direkt-Verkauf, Online-Shops für Designermöbel, Holtkamp Möbel

Ausgabe Februar 2009 vom 03.02.09






1. Preispoker mit "Direkt", "Vertikal" und "Selektiv"

2. Online-Shops für Designermöbel-Klassiker

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Holtkamp Möbel

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke
1. Taugen Wohnmöbel auch im Büro?
2. Küchenabzug

5. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft: XXXLutz übernimmt Emslander




1. Preispoker mit "Direkt", "Vertikal" und "Selektiv"


Bisher ist der Rabatt ein probates Mittel, den Möbelpreis in für den Möbelhändler angenehmen Höhen zu halten. "Wie das?", fragen Sie vielleicht, "Rabatt soll den Preis hoch halten? Ein Rabatt senkt doch den Preis."

Ja, aber welchen Preis? Immer mehr Möbelkäufern wird klar: Da schraubt doch einer die Preise auf dem Papier in orbitante Höhen, um sie anschließend im Verkaufsgespräch wieder runterrechnen zu können, ohne dabei etwas von seinem Gewinn abgeben zu müssen. Weil diese Masche vielleicht nicht mehr lange funktionieren wird, verabschieden sich die Händler langsam vom Rabatt. Zumal es bereits neue Wege gibt, um ein hohes Preisniveau zu halten.

Und da kommt die Möbelindustrie (also die Möbelhersteller) ins Spiel. Dort ist man es leid, wie der Möbelhandel einerseits gutes Geld vom Kunden holt und andererseits die Einkaufspreise immer stärker zu drücken versucht. So verkündigte denn auch kürzlich der VDM - Verband der Deutschen Möbelindustrie - Bad Honnef (verkürzt formuliert):

"Die Vermarktung von Möbeln muss stärker von der Herstellerseite gesteuert werden. Denn der Handel kommuniziert mit dem Verbraucher fast nur über den Preis, anstatt die Begehrlichkeiten für Möbel und Wohnen zu wecken."


Für mich heißt das im Klartext: Einen Preisvergleich darf es - bitte schön - nicht mehr geben. Wie man das machen will?

Ich erkenne drei Methoden, mit denen das bewerkstelligt werden könnte und die ich bezeichnen möchte mit "Direkt", "Vertikal" und "Selektiv".

Mit "Direkt" meine ich nicht den "Verkauf direkt ab Fabrik" nach dem Credo: Weil kein Händler dazwischen ist, sind wir billiger. Das mag es vereinzelt noch lange geben. Nein. Bei diesem "Direkt" kooperieren Hersteller mit Händlern oder kaufen sie gar auf. Beispiele sind: HTL, Singapur, der sich die Filialkette Domicil einverleibt hat, oder der schwedische Küchenkoloss Nobia, dem sich die Küchenfilialisten Plana, Marquardt und andere hingegeben haben. Diese Händler sind gebunden an die Produkte, die ihnen ihre Hersteller bieten. Auch der Preis für den Kunden wird vorgegeben.

Mit "Vertikal" bezeichne ich es, wenn den Kunden Möbelkollektionen unter klangvollen Fantasienamen mit dem Zusatz "exclusiv" präsentiert werden. So geschieht das beispielsweise derzeit in großen Möbelhäusern unter dem Logo "Exklusiv bei uns: Manzini die möbel-kollektion".

Sollte ein Kunde im Internet nach dem Hersteller Manzini suchen, findet er nichts, weil es einen solchen nicht gibt. Die Ware produziert ein etablierter Hersteller, der verdeckt bleibt, oder sie kommt von einer Vertriebsgesellschaft, die vielleicht aus China importiert. Aber das Ziel scheint erreicht: Die Vermarktungslinie dieser Kollektion ist vertikal festgezurrt. Der Preis ist überall gleich. Preiswettbewerb findet nicht mehr statt.

Die dritte, von mir als "Selektiv" bezeichnete Methode funktioniert hauptsächlich bei Möbelmarken (Brands). Der vom Publikum anerkannte Markenstatus hat dem Hersteller eine gewisse Marktmacht verliehen. Sie erlaubt es ihm, sich seine Händler auszusuchen und sie auf Preisdisziplin zu verpflichten. Wer ausschert, wird nicht mehr beliefert. Beispiele sind die Hersteller Ekornes (Stressless), Paidi oder Moll. Auch Hülsta liegt auf dieser Linie.

Hin und wieder fragen mich Leser: "Ja gibt es denn schon wieder Preisbindung?" Für clevere Möbelkäufer ist das eine Herausforderung. Sie wissen aber aus Clever Möbel kaufen, wie sie da ran gehen müssen, um diese neue Nuss zu knacken.




2. Online-Shops für Designermöbel-Klassiker


Nachgebaute Designermöbel-Klassiker aus der Bauhauszeit sind in Italien billiger als hier in Deutschland. Denn in Bella Italia lasten auf solchen Produktionen keine Lizenzgebühren mehr. Was wunder, dass massenhaft Interessenten nördlich der Alpen intensiv nach diesen Stücken trachten und sie kaufen. Kaufmedium ist das Internet.

Man sollte meinen, das ist das Geschäft der Italiener. Denn die bauen diese Repros doch. Aber nein, da hauen auch andere rein. Wie die das tun, hat Dr. M. H. Mayer an einem Beispiel unter die Lupe genommen. Ich danke ihm herzlich, dass ich seine mühsamen Recherchen hier - etwas redigiert - veröffentlichen darf:

"Im Internet findet man sehr häufig die Anbieter

HSI 24 - www.hsi24.com
DSI 24 - www.dsi24.com
CLASSICOmobile Italia - www.classicomobile.com

die angeblich im Wettbewerb zueinander stehen und auch unterschiedliche Preise und Konditionen veröffentlichen. Sie gehören nach eigenen Angaben zu ein und derselben Firma:

HK Design Group Ltd.
69 Great Hampton Street
Birmingham B18 6EW
www.hk-design-group.com

Eine HK Design Group Ltd. ist allerdings in GB offenbar nicht registriert, es findet sich lediglich eine HK Design Ltd. mit derselben Adresse.

Die Great Hampton Street in Birmingham ist der Sitz einer Vielzahl von Limiteds. Unter anderem sitzt dort auch die Fa. Go Ahead Services Limited, die vor allem in Deutschland Dienstleistungen für die Gründung von britischen Ltd.-Firmen anbietet. Bei der Hausnummer 69 handelt es sich um ein großes Gebäude, so dass dort offenbar durchaus mehrere hundert Firmen ihren Sitz haben können.

Wählt man die Telefonnummern der HK Design, so ertönt jeweils die Durchsage: "Kein Anschluss unter dieser Nummer". Die Fax-Nummer von CLASSICOmobile Italia ist nicht erreichbar. Telefonisch landet man stets bei einem Anruf-Aufzeichnungssystem. E-Mails an CLASSICOmobile kommen zwar nicht zurück, werden jedoch auch nicht beantwortet. HSI 24 ist weder per Fax noch per Telefon zu erreichen: "Kein Anschluss unter dieser Nummer". Dasselbe passiert beim Versuch, DSI 24 unter den im Internet genannten Hotline-Nummern zu erreichen.

Die Internet-Publikation Design Report - designreport.net - deren Redaktion ihren Sitz in Gibraltar hat, veröffentlicht einen Test, bei dem HSI 24, CLASSICOmobile Italia und DSI 24 die ersten drei Plätze belegen. Das Testdatum ist nicht angegeben.

Weitere Informationen (alle aus öffentlich zugänglichen Quellen, insbesondere dem britischen Companies House, wo alle Limited-Gesellschaften in GB registriert und publikationspflichtig sind):

Director der HK Design Limited ist Herr Hans Kaiser, vormals wohnhaft in München, jetzt in 7 Triq Andre Maurois, St Julians, Malta, STJ 1573. Secretary ist die oben bereits erwähnte Go Ahead Service Limited, 69 Great Hampton Street, Birmingham, B18 6EW, GB, die in sehr großem Maßstab Limiteds gründet und berät, vor allem für Kunden aus Deutschland.

Die HK Design Limited, also der Eigentümer von HSI 24, DSI 24 und CLASSICOmobile Italia, hat ein Stammkapital von 100 Britischen Pfund. Der Termin für den ersten Buchhaltungsabschluss der am 28.09.2007 gegründeten HK Design Limited wurde vom 30.09.2008 auf den 31.12.2008 verschoben. Per 21.10.2008 hat Herr Director Hans Kaiser seinen Wohnsitz von München nach Malta verlegt (s. o.)."


Bleibt mir persönlich nur der Hinweis, dass ich schon gehört habe, dass jemandem mit rechtlichen Maßnahmen gedroht wurde, wenn er sich blauäugig ein Repro der Bauhausklassiker ins Haus liefern ließ. Man sollte beim Kauf besser nach der Strategie vorgehen, wie ich sie in Clever Möbel kaufen beschrieben habe.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Holtkamp Möbel


Holtkamp Möbelwerk
Betonstr. 19
49324 Melle, Oldendorf
www.holtkamp-wohnideen.de

Ich nenne sie mit allem Respekt "Schweber". Denn egal, wer bei diesem Familienunternehmen von Kastenmöbelbauern gerade dran ist (Opa, Vater oder Kind), sie schweben in Visionen und entwickeln daraus gar oft Konzepte. Heute ist es mal wieder so weit. Das Konzept, gewachsen aus einer Vision lautet:

Wir haben die besten Modelle aufgekauft vom verblichenen edlen Kastenmöbler BHD Brinkmann Home Collection. Uns ist zugetan und schwimmt auf unserer Welle der Bademeister (Badmöbelhersteller)

Pelipal, Industriestraße 2, 33189 Schlangen

der seinerseits verbandelt ist mit dem Glasmeister

Leonardo glaskoch B. Koch jr., 33003 Bad Driburg.

Weil zudem ein starker Küchenbaumeister dabei sein will, nämlich

Häcker Küchen, Werkstraße 3, 32289 Rödinghausen,

rufen wir ins Leben die

HMS Holtkamp Marken & Select

welche ein ganzheitliches, glasbetontes Wohnbild mit Möbeln und Accessoirs kreiert. Wir werden es nicht nur dem Handel, sondern mehr noch dem Endkunden verklickern. Der wird hoffentlich kaufen ohne danach zu fragen, wer die Einzelstücke wo produziert.


Ist doch prima, wie die Schweber schweben. Wir als Möbelkäufer haben es gut, wenn Kreative am Werk sind. Was wir dafür zahlen, darauf passen wir schon selber auf. Und auch die Qualität werden wir testen. Das Handwerkszeug dafür haben wir.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke


4.1. Taugen Wohnmöbel auch im Büro?


Dazu kam folgende Anfrage:

Betreff: Unterschied von Möbeln für private oder gewerbliche Nutzung

Als langjähriger Leser Ihres Newsletters und Ihres Buches wäre ich Ihnen für einen kurzen Tipp sehr verbunden, der bislang nicht in Ihren Publikationen auftauchte.

Lassen sich (von der Qualität und Stabilität aus betrachtet) Möbel für private Nutzung auch in einem gewerblichen Umfeld nutzen? Oder anders herum gefragt: Sind z.B. Sitzmöbel (Stühle, Tische, Polstermöbel) von Herstellern für gewerbliches Mobiliar nach anderen Kriterien gefertigt?

Für eine Erleuchtung wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit den besten Grüßen R.S.


Ich antwortete:

Hallo, für mich gibt es da keinen Unterschied, Außer dem einen: Bisher konnte die Büromöbelbranche ihren Kunden (Unternehmer) die Produkte mit viel Gewinn viel leichter unterjubeln. Vielleicht sollte ich den Ratgeber 'Clever Büromöbel kaufen' schreiben. Aber warum sollte ich Unternehmer schlau machen?




4.2. Küchenabzug


Dann wurde mir von einem komplizierten bautechnischen Küchenproblem detailliert berichtet. Vielleicht kann der eine oder andere gerade von diesen Details profitieren:

Vor gut einem Jahr haben wir eine Küche gekauft. Ohne Ihren Ratgeber Clever Küchen kaufen hätten wir bestimmt mehr ausgegeben bzw. weniger für unser Geld bekommen - vielen Dank!

Insgesamt sind wir mit der Küche zufrieden, einen Mangel hat sie dennoch: Der Dunstabzug führt durch die Wand unseres Niedrigenergiehauses nach außen und besteht nur aus einem dünnen Kunststoffrohr mit einer Lamellenabdeckung aus Kunststoff an der Außenwand. Bei geringen Außentemperaturen wird dieses nicht isolierte Rohr sehr kalt. Nachts bildete sich um das Rohr so viel Kondenswasser, dass nach einigen Wochen ein Regalbrett bzw. die Abdeckung aufquoll. Dies meldete ich dem Küchenbauer, der eine neue Abdeckung bestellte und beteuerte, so etwas noch nie gehabt zu haben. Für die neuen Abdeckungen (zwei Holzbrettchen) wollte er noch 25 € haben, die ich nach einem Streitgespräch nicht bezahlt habe. Der Verkäufer nannte als mögliche Ursache ein leichtes Gefälle der Bohrung durch die Wand (was eine andere Firma zu verantworten hat). Ich halte es allerdings für einen Konstruktionsfehler des Küchenplaners, in ein Niedrigenergiehaus eine solche Kältebrücke einzubauen.

Der Küchenbauer sieht als Lösung nur eine wärmegedämmte, elektrisch öffnende Abluftklappe, die mit Einbau aber mehrere hundert Euro kosten würde. Im Laufe des Gespräches wurde er unverschämt und warf mir vor, dass ich ja nichts bezahlen wollte (die Küche kostete schlussendlich 12.500,00 €!), als ich ihn fragte, warum er diese Lösung nicht gleich eingeplant hatte, wenn es doch technisch möglich und notwendig sei. In der Tat sehe ich nicht ein, die Nachrüstung zu bezahlen, zumindest nicht den vollen Preis.

Was halten Sie von dem Fall? Können Sie mir einen Tipp geben? Mit freundlichen Grüßen F. H.


Da ist dem Grunde nach ein amtlich zugelassener Gutachter gefragt und vielleicht auch ein Jurist. Beides bin ich nicht, aber ich habe eine Meinung zu diesem Problem:

Meiner Meinung nach sind in Niedrigenergiehäusern die handelsüblichen Mauerkästen für Abluft bei Dunsthauben nach wie vor tückische Kältebrücken. Das Problem ist meines Wissens technisch noch nicht gelöst. Auch bei einer wärmegedämmten Abluftklappe bin ich skeptisch, selbst wenn das Öffnen und Schließen mit dem Ein- und Abschalten des Abzugs gekoppelt ist. Ich persönlich würde das Ding zumachen und auf Umluft umschalten. Falls es dennoch die wärmegedämmte Klappe geben soll, würde ich lediglich eine Kostenbeteiligung anbieten und ansonsten hart bleiben.


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft


Möbelstadt Emslander
Siemensstr. 9
84030 Landshut

Das 44.000 qm große Einrichtungshaus in Niederbayern hat sich jetzt einverleibt der Österreicher

XXXLutz
Römerstraße 39
A-4600 Wels

Stolz tönt es in der Pressemitteilung von Lutz: "Die XXXLutz-Gruppe betreibt ab sofort unter den Marken XXXLutz, Möbelix, Mömax, Neubert, Hiendl und Mann Mobilia 136 Standorte in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ungarn und ist damit zweitgrößter Möbelhändler der Welt."


Küchen Mega Markt
Donauwörther Str. 2
09114 Chemnitz

Sachsens Küchenfilialist mit vier Standorten (zwei in Dresden, eine in Zwickau und eine in Chemnitz) gibt auf.


MEZ Möbelzentrum
Mainzer Str. 160
65187 Wiesbaden

Hier wird auf 9.000 qm Verkaufsfläche nunmehr ein klassischer Räumungsverkauf abgezogen. Künftig wird es wohl in diesem Laden Möbel nicht mehr geben.


Pfeuffer Küchenfachmarkt
Meininger Str. 19-23
97616 Bad Neustadt / Saale

Endgültig aus und vorbei? Die Antwort weiß vielleicht der Insolvenzverwalter.




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