Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #79

Katz Flechtmöbel, Bezahlen beim Möbelkauf im Internet, Küchenkauf

Ausgabe Juni 2007 vom 05.06.07






1. Möbelkauf im Internet: Bezahlen per Lastschrift

2. Entscheidung zum Möbelkauf: Nicht ohne umfassende Informationen

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Flechtmöbel - Flechtmanufaktur Katz

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Küchenkauf mit Kopfschütteln

5. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft




1. Möbelkauf im Internet: Bezahlen per Lastschrift


Um einen Möbelkauf vorzubereiten und sich über den Möbelhandel und seine Angebote zu informieren (Siehe Kapitel 8 in Clever Möbel kaufen), ist das Internet schon lange gut und wird stark genutzt. Inzwischen zieht auch der Direktkauf von Möbeln im Internet mächtig an. Internethändler und Anbieterportale freuen sich. Sie melden steigende Umsätze.

Ich möchte mir die Mühe ersparen, nach Statistiken oder Prognosen zu suchen, die diesen Trend belegen. Es genügt mir, dass ich von meiner Leserschaft immer öfter auf das Thema Onlinekauf angesprochen werde.

Ich fühle mich bestätigt. Erinnere ich mich doch nur zu gut an viele Möbelhändler, die mich vor Jahren in Beratungsgesprächen abblitzen ließen, wenn ich sie zum Möbelvertrieb über das Internet anregen wollte. Ihr Argument: Möbel sind dafür nicht geeignet. Der Kunde will die Möbel sehen, befühlen und drin oder drauf sitzen. Das hatte ich damals nicht bestritten und bestreite es auch heute nicht. Der stationäre Möbelhandel wird keineswegs an Bedeutung verlieren. Dennoch wird der virtuelle Möbelkauf wachsen und wachsen.

Übrigens: Möge der Möbelkäufer das Möbelstück seiner Wahl im Möbelhaus auch befühlt und beschnuppert haben - geliefert wird ihm nicht dieses, sondern ein anderes, neu produziertes. Und das weicht nicht selten vom Ausstellungsstück enorm ab - vom Käufer meistens nicht bemerkt.

Zurück zum Thema.

Wenn sich immer mehr Möbelkäufer zum Onlinekauf entscheiden, wird auch die Frage immer drängender: Was ist, wenn die Möbel Murks sind oder falsche geliefert wurden?

Keine Sorge: Nicht nur bei Mängeln, sondern ganz generell kann ich die online gekaufte Möbellieferung innerhalb von 14 Tagen retour gehen lassen. Dieses Recht verschafft mir das Fernabsatzgesetz. Ich habe also ausreichend Zeit, die Möbel gründlich anzuschauen und zu testen. Besser sogar, als ich das beim Ausstellungsstück im Möbelladen kann. Insofern hat der virtuelle Kauf gegenüber dem stationären Kauf sogar Vorteile.

Soweit, so gut. Und was ist mit meinem Geld?

Es kommt darauf an, wie bezahlt wurde. Die am Häufigsten angebotenen Zahlungsmethoden der Onlinehändler sind die Vorkasse per Überweisung und die Nachnahme bei Lieferung. Auch die Zahlung per Kreditkarte (Tipp am Rande: Unnötige Jahresgebühren kann man sich sparen. Besuchen Sie dazu einmal die Seite Online Kreditkarten Vergleich) findet sich immer öfter. Manche Händlerportale kreieren verfeinerte Methoden, bei denen der Verkäufer erst sein Geld erhält, wenn er die Lieferung auf den Weg gebracht hat. Aber allen Methoden ist gemeinsam, dass der Käufer sein Geld hergibt, ohne die Ware gesehen zu haben. Sie heben den Zeigefinger und sagen: "Sie haben die Zahlungsmethode Lastschrift vergessen."

Nein, habe ich nicht. Ich bringe sie nur deshalb zuletzt, weil es die Zahlungsmethode unserer Wahl sein sollte. Dabei machen wir uns zu Nutze, dass eine Lastschrift innerhalb von 6 Wochen nach der Buchung wieder zurückgebucht werden kann.

Mein Rat also ist: Beim Onlinekauf von Möbeln immer per Lastschrift zahlen. Wenn die Lieferung Macken hat, sofort die Rückbuchung veranlassen.

Brenzlig kann es bei dieser Zahlungsmethode dennoch werden. Und zwar dann, wenn der Onlinehändler die Lastschrift sofort beim Kauf realisiert - was de facto eine für uns inakzeptable Vorkasse wäre. Die Lieferzeiten bei Möbeln ziehen sich nämlich auch beim Onlinehandel oft sehr lange hin. Da gehen sechs Wochen sehr schnell ins Land, ohne dass sich was tut und unsere Rückbuchungsfrist ist verstrichen.

Mein weiterer Rat demnach ist: Der Onlinemöbler muss sich verpflichten, die Lastschrift erst dann bei der Bank vorzulegen, wenn er die Lieferung auf den Weg gebracht und dies per E-Mail bestätigt hat. Jede Lastschrift, die ohne diese Lieferankündigung geschieht, wird sofort storniert.

Ohne all diese Verrenkungen würde man auskommen, wenn der Onlinemöbler auf Rechnung liefert. Es wird überwiesen, wenn die Ware da ist. Aber ich kann hier die Onlinemöbler verstehen, wenn sie sich darauf nicht einlassen wollen. Durch Betrug ist hier vielen schon immenser Schaden entstanden.




2. Entscheidung zum Möbelkauf: Nicht ohne umfassende Informationen


Es geschieht täglich irgendwo in der deutschen Möbellandschaft: Da steht der Kunde nachdenklich vor dem ausgewählten Möbelstück und würde es gerne kaufen. Eigentlich ist alles klar. Die Qualitätstests (Siehe Kapitel 2 in Clever Möbel kaufen und Kapitel 7 in Clever Küchen kaufen) sind durchweg positiv verlaufen. Nach zähen Verhandlungen stimmt auch der Preis.

Dennoch zögert er. Er weiß nämlich nichts über die verarbeiteten Materialien. Selbst checken kann er das nicht. Er hat nachgefragt. Aber keiner im Möbelhaus hat seine Fragen beantwortet: Man wollte es nicht oder man konnte es nicht. Ich nenne einige Beispiele solcher Fragen.

Polstermöbel: Was ist mit dem Schaumstoff in der Polsterung? Wo kommt der her? Welches Raumgewicht hat er? Das zu wissen ist wichtig zum einen wegen der Schadstofffreiheit, zum anderen wegen des Rückstellvermögens (Sitzkuhle bei längerem Gebrauch).

Gartenmöbeln: Ist das wirklich Teakholz oder nur teakähnliches Tropenholz? Inwiefern wird der Regenwald geschont? Plantagenholz? Wo genau liegen denn die Plantagen?

Küchen: Aus welchen Schichtmaterialien besteht die Küchenfront? Harz? Melamin? Kraftpapier? Und wie wurde beschichtet? Mit Lösemitteln? Auf Wasserbasis? Das zu wissen ist wichtig im Hinblick darauf, ob das Oberflächenmaterial die Schwaden im Nass- und Kochbereich auf Dauer aushält und sich nicht alsbald löst.


Noch mag es so sein, dass derartige Fragen den Möbler nerven. Das ändert aber nichts daran, dass ich als Kunde über alles Bescheid wissen möchte, was mich bewegt, bevor ich mein gutes Geld ausgebe. Und siehe da, mir kommt in dieser Situation die Europäische Union (EU) zur Hilfe. In einer neuen Richtlinie werden die Unternehmen dazu verdonnert, Verbrauchern alle Auskünfte für eine "informierte Kaufentscheidung" zur Verfügung zu stellen. Ich zitiere aus der Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken:

Artikel 7: Irreführende Unterlassungen

(1) Eine Geschäftspraxis gilt als irreführend, wenn sie im konkreten Fall unter Berücksichtigung aller tatsächlichen Umstände und der Beschränkungen des Kommunikationsmediums wesentliche Informationen vorenthält, die der durchschnittliche Verbraucher je nach den Umständen benötigt, um eine informierte geschäftliche Entscheidung zu treffen, und die somit einen Durchschnittsverbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung veranlasst oder zu veranlassen geeignet ist, die er sonst nicht getroffen hätte.


Die EU-Richtlinie soll im Juni 2007 in nationales Recht umgesetzt sein. Davon allerdings habe ich bis jetzt nichts gehört.

Indes bleibt es uns Möbelkäufern unbenommen, die Kaufentscheidung so lange aufzuschieben, bis man uns über die Möbel alles gesagt hat, was wir wissen möchten.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Flechtmöbel - Flechtmanufaktur Katz


Flechtmanufaktur Katz
Industriepark Wolfsberg, Hoher-Baum-Weg 13
72202 Nagold
Katz Flechtmöbel


Schon seit Urzeiten flechtet man, was sich flechten lässt: Weiden, Schilf, Bambus, Rattan. Die Aufzählung könnte noch lange fortgesetzt werden. Zuerst entstanden aus den Flechtmaterialien Behältnisse, zum Beispiel Körbe. Dann flechtete man Möbel, die manchmal noch heute sinnigerweise Korbmöbel genannt werden.

Heute ist die Flechtmöbel-Produktion ein eigenständiger Industriezweig. Als Ausgangsmaterialien werden nicht mehr nur natürlich gewachsene Materialien herangezogen, sondern auch künstliche. Loom zum Beispiel. Das ist papierumwickelter Draht. Oder sonstige Kunstgebilde aus der chemischen Industrie.

Wenn ich nach Flechtmöbeln gefragt wurde, wies ich meistens auf das Flechtatelier Schütz in Lichtenfels hin, seinerzeit einer der größten Produzenten auf diesem Gebiet. Inzwischen gibt es den nicht mehr. Dadurch ist zwangsläufig Katz in das Blickfeld geraten. Siegfried Katz gründete seine Flechtmanufaktur 1979 und hat sie bis heute. Es folgt Originalton Katz:

"In die Spitze der deutschen Flechtmöbelproduzenten geführt und trotzdem seine handwerklichen Wurzeln nicht vergessen. Eine Tugend, die die Kunden der Flechtmanufaktur besonders zu schätzen wissen. Denn Flechtmöbel sind Lebenspartner. Und so manches gute Stück findet nach vielen Jahren wieder den Weg in die Nagolder Werkstatt, um hier liebevoll und mit größter handwerklicher Präzision restauriert zu werden."

Nachzutragen bleibt, dass Katz meines Wissens fast nur mit Rattan und seinen Abspaltungen (Peddigrohr, Boondoot) produziert, nicht mit den oben erwähnten künstlichen Materialien.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Küchenkauf mit Kopfschütteln


Ich erhielt einen Erfahrungsbericht, der mich zu einem Kompliment veranlasste.

Vor einiger Zeit hatten meine Frau und ich Ihren Möbel- sowie Ihren Küchenratgeber gekauft.

Kurz zuvor hatten wir Polstermöbel der Marke Himolla unseres Erachtens viel zu teuer eingekauft. Damals handelten wir einen Einkaufsgutschein von 100,00 € als Rabatt aus. Wenn wir daran zurück denken, ärgern wir uns noch heute. Das sollte uns nach der Studie Ihrer Bücher nicht mehr passieren!

Da wir nun eine Küche kaufen wollten, verinnerlichten wir Ihre Ratschläge. So geschah es, dass uns in einem großen Möbelhaus zunächst ein Preis von 21.450,00 € für eine frei geplante Alno Küche gemacht wurde. Da seien bereits 50% Rabatt abgezogen, sagte der Verkäufer und wollte dies durch Einsicht in die Preisliste des Herstellers beweisen.

Wir schüttelten den Kopf. Dann bot er einen Einkaufsgutschein in Höhe von 1.000,00 € an. Wieder unser Kopfschütteln. Danach gab er weitere 450,00 € nach. Als wir immer noch nicht zufrieden nickten, nannte er uns nach Rücksprache mit dem Abteilungsleiter sein absolutes Limit: 19.500,00 €. Wir schüttelten mit dem Kopf, wussten wir doch dank Ihres Ratgebers ziemlich genau, was möglich ist. Dann fragte er uns, wie denn unsere Vorstellung sei. Wir nannten ihm selbstbewusst den Betrag von 17.000,00 €.

Nun schüttelte er den Kopf. Nach einem Telefonat mit dem Abteilungsleiter sagte er uns, das könne er auf gar keinen Fall machen. Also stellten wir fest, dass da anscheinend noch Welten zwischen unseren Vorstellungen lagen und verabschiedeten uns. Der Verkäufer sagte dabei noch: "Auf Wiedersehen, bis nächste Woche."

Auf unsere Frage nach dem Grund erwiderte er, bei seinem unschlagbaren Angebot würden wir in ein paar Tagen sowieso wieder bei ihm auftauchen. Na ja, selbstbewusst war er ja, was unter Umständen wiederum viele Kunden beeindruckt hätte, nicht jedoch uns.

Um es kurz zu machen: Heute haben wir in einem Küchenstudio die gleiche Küche für 17.300,00 € bestellt. Keine andere, sondern dieselbe wie im großen Möbelhaus.

Mit freundlichen Grüßen, W. und C. B. und Kinder, die sich jetzt auf einen schönen Urlaub von dem ersparten Geld freuen können.


Ich antwortete:

Hallo, ist ja toll, wie Sie das gemacht haben. Man muss einfach so selbstsicher sein, um Tschüss zu sagen. Kann ich Ihre Erfolgsstory in meinen Veröffentlichungen verwenden? Herzlichen Gruß


Die Rückmeldung kam sofort:

Danke für das Kompliment, das ich gerne an Sie zurückgebe, dass Sie den Mut haben, die teilweise unseriöse Preisgestaltung der Möbelindustrie aufzudecken. Mir geht es auch nicht um Feilschen um jeden Preis, das ist nicht meine Art. Aber ich denke, wenn Möbelhändler und Kunde ein gutes Gefühl nach dem Kaufabschluss haben, dann erst ist der Kauf ein gutes Geschäft. Selbstverständlich dürfen Sie unseren Erfahrungsbericht veröffentlichen. Mit freundlichen Grüßen W.B.


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft


Möbelcity Wesner
Kurmainzer Str. 18-38
65929 Frankfurt / Höchst
http://www.moebelcity-wesner.de

Das ist ein 101 Jahre altes und recht groß gewordenes Möbelhaus mit 24.000 qm Verkaufsfläche. Am 10.05.2007 stand - ich zitiere kommentarlos - auf der Website: "Totaler Räumungsverkauf - Sehr geehrte Kunden, wir schließen demnächst unser Möbelhaus, daher sind alle Artikel bis zu 70% reduziert."


Möbel Hölzle
Sebastian-Kneipp-Str. 32-46
78048 Villingen-Schwenningen

Hölzle will mit seinem Haupthaus nicht mehr da sein, wenn XXXLutz kommt. Der Mitnahmemarkt Happy Hölzle und das Küchenstudio Hölzle dagegen sollen bleiben.


Möbel Westphal
Pferdemarkt 39
18273 Güstrow

Putz Küchenwelt
Industriestraße 2
84364 Bad Birnbach

Beide melden sich mit einem Räumungsverkauf. Ebenso die

KKM MöbelhandelsGmbH
Black-und-Decker-Straße 17
65510 Idstein

und die

Möbel Kleymann
Im Sande 1
49751 Sögel




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