Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #71

Möbelpreise, Mobi Polster, Polstermöbel, Mondo Küchen, Couchgarnitur

Ausgabe Oktober 2006 vom 03.10.06






1. Erster Durchblick: Polstermöbel und Pappe

2. Zweiter Durchblick: Preistreiberei perfekt kaschiert

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Meine Couchgarnitur - ein Unikat?

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Verwirrung um Mondo Küchen

5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel




1. Erster Durchblick: Polstermöbel und Pappe


Nicht alles, woraus eine Polstergarnitur besteht, kommt vom Hersteller selbst. Eine Vielzahl von Materialien stammt von Zulieferern. Sie stellen einen speziellen Industriezweig dar, dessen volkswirtschaftliche Wertschöpfung enorm ist. Ich gebe wieder, was mir ein solcher Zulieferer anvertraute:

"Seit fast 100 Jahren beliefern wir die Möbelindustrie mit Pappen für die Stabilisierung der Gestelle. In der Regel wird die Pappe in 1,5 bzw. 2,0 mm oder in manchen seltenen Fällen auch stärker aufgeschossen, um einen Unterbau für den Schaum und Stabilität im Gestell zu haben, was den Möbelnutzer beim Hinsetzen bequem abfängt.

Nicht von uns, aber von anderen - speziell von den osteuropäischen Gestellbauern - wird in der letzten Zeit dünnere Pappe eingesetzt. Zum Teil ist diese um 30% dünner als es bisher Usus war. Hatten sich in den Jahrzehnten über Versuch und Irrtum gewisse Qualitäten als Mindeststandard herauskristallisiert, so wird heute alles über den Haufen geworfen.

Von uns Zulieferern hat in den ganzen Jahren niemand gewagt, auch nur ein Zehntel schwächer zu liefern, um keine Reklamation herauszufordern. Schließlich gewähren einzelne Hersteller bis zu sieben Jahre(!) Garantie. Denen wollten wir nicht in den Rücken fallen. Doch die Hersteller selbst sind es, die dünnere Pappen akzeptieren. Ja und, werden Sie sagen, was folgt daraus?

Die dünnere Pappe wird in kürzester Zeit zuerst an den Schussrändern einreißen und schließlich die Form aufgeben. Sprich, die Pappe wird instabil und die Rücken- und Seitenteile werden in sich zusammenfallen.

Jedenfalls würden die derzeit zum Teil eingesetzten Pappenqualitäten unserer Qualitätsprüfung nicht Stand halten. Würden Sie sich auf eine Pappe setzen, die Sie locker mit dem Finger durchstechen können?

Polsterhersteller, die sich solchen Zulieferern anvertrauen, werden mit Reklamationen ohne Ende konfrontiert werden. Die wenigen Cent, die der Hersteller hier einspart, werden sich wohl bitter rächen."


Das hört sich ja direkt bedrohlich an. Für uns heißt es deshalb umso mehr, beim Polstermöbel-Kauf stets den 5-Schritte-Profi-Qualitätstest aus dem Ratgeber Clever Möbel kaufen anzuwenden. An die Pappe im Inneren kommen wir zwar leider nicht heran, jedoch lassen die Tests von Außen durchaus erkennen, ob die Garnitur was taugt oder nicht.




2. Zweiter Durchblick: Preistreiberei perfekt kaschiert


Selbst auf die Gefahr hin, dass es Sie langweilt, weil ich es in der letzten Ausgabe schon mal brachte, drängt es mich, nochmals einen Blick - besser Durchblick - auf die Möbelpreise zu werfen. Denn es ist deutlicher geworden, was im laufenden Jahr geschah und was Anfang 2007 geschehen wird.

Die Medien trommeln es inzwischen laut hinaus, dass im Lande richtige Kauflust herrsche. Vielleicht ist das tatsächlich so. Vielleicht verspüren auch Sie persönlich so etwas. Vielleicht haben Sie sich dem Kaufdrang bereits hingegeben. Vielleicht wurden Sie dabei geschubst mit dem Argument: Mit der Mehrwertsteuererhöhung wird alles teuerer - nur noch jetzt könne man sparen.

Genau das war das Kalkül der Möbler und es ging auf. Auf die Hamstermentalität der Verbraucher ist halt Verlass. So treibt es in diesen Tagen immer mehr Kunden in die Möbelhäuser.

Dass bereits im Frühsommer dieses Jahres die Möbelpreise hochgeschraubt wurden, hat kaum einer bemerkt. Rabattaktionen haben alles schön verschleiert. Ich schätze, dass die Möbelpreise netto seit Jahresanfang 2006 im Schnitt um 5% hoch gepusht wurden.

Und jetzt kommt die Möbelindustrie, das sind die Hersteller und Zulieferer. Sie möchten auch etwas abbekommen von dem, was die Möbelkäufer so alles bezahlen. Ihre Forderung: Der Handel möge das Mehrgeld bitte weiterreichen. Und sie haben gute Argumente. Sie verweisen auf den teilweise ernormen Preisanstieg bei den Ausgangsmaterialien, wie Rohöl, Holz, Stahl und Glas.

Die Hersteller von Kastenmöbeln zum Beispiel wollen 8% mehr, die Polsterer verlangen 5% Aufschlag, die Küchenmöbel-Produzenten ebenso.

In dem Moment, in dem sich der Handel diesem Verlangen nicht mehr entziehen kann, wird eine neue Preiswelle in Richtung Verbraucherstrand gespült. Mit perfektem Timing, nämlich zum Jahreswechsel 2006/2007. "Teilweise Weitergabe der Steuererhöhung", "Anhebung der Herstellerpreise", so wird es tönen, damit der Möbelkäufer realisiert, warum er nass werden muss.

Es wird aber auch pfiffige Möbler geben, welche die Situation anders nutzen. Sie werden sich als die Guten darstellen, die nur das Beste des Möbelkäufers im Sinne haben - was in gewisser Hinsicht ja auch stimmt, denn das Beste, das Geld, haben wir. Sie werden mit Sprüchen werben wie: "Unser Preis bleibt gleich. Die höheren Steuern übernehmen wir. Kommen Sie und kaufen Sie zum Preis von 2006."

Und hinter vorgehaltener Hand flüstern sie sich zu: "Lass gut sein, die Marge reicht erst einmal. Sonst müssen wir zuviel Steuern nachzahlen."

Liebe Möbelkäufer, wenn wir auch zuerst einmal nass werden sollten, wir werden uns wieder abtrocknen. Und zwar mit der cleveren Strategie des 5-Schritte-Möbel-Deals.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Meine Couchgarnitur - ein Unikat?


Wenn ich mich abends erschöpft in meine Couchgarnitur sinken lasse, weil alles für den Tag erledigt ist - oder verdammt nochmal auch nicht - dann ruhe ich auf industriell hergestellter Massenware. Das ist mir klar.

Wenn dann im Fernsehen "Wetten dass?" läuft, ist mir als Möbelmenschen auch klar, dass es die Couch, auf die Thomas Gottschalk seine Gäste setzt, wahrscheinlich nur einmal gibt. Sie ist speziell für diese Bühne gefertigt. Das Möbelstück ist ein Unikat.

Und ich persönlich soll jetzt plötzlich in der Lage sein, in meinem kleinen Heim auch solch ein Unikat aufzustellen? Produziert ganz nach meinem Gusto? Und das auch noch bezahlbar?

Diesen Floh hat mir mein Freund Alexander ins Ohr gesetzt. Er schrieb mir per Mail:

"Ich möchte Dir eine Firma empfehlen, die Sitzmöbel nach Wunsch baut. Du kannst Maße, Design und Bezug selbst bestimmen, eine Skizze reicht aus. Gefertigt werden diese Möbel qualitativ hochwertig in Deutschland und sind erschwinglich, da diese direkt beim Hersteller

Mobi Polster & Design
Bunsenstr. 17
34466 Wolfhagen

erworben werden können. Jedes Möbel ist ein echtes Unikat. Die Firma besitzt 50 Jahre Erfahrungswerte und fertigte schon für Werften, Hotelketten und Prominente. Schau mal nach unter http:/www.mobi-polster.de. Grüße Dein Alexander"


Psss, psss, Freund Alexander, Du klingst ja wie ein Werbeprofi. Wirst Du gesponsert?

Egal, ich habe nachgeschaut. Was Mobi Polster bietet, sieht in der Tat verlockend aus. Doch wenn ich ordern sollte, mache ich ein Ding nicht mit, das per Geschäftsbedingung gefordert wird: 50% Anzahlung oder manchmal gar alles im Voraus. Außer: Der Preis geht mächtig runter und es wird eine Bankbürgschaft gestellt.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Verwirrung um Mondo Küchen


Artikel über die Mondo Küchen verschoben - zum Nachlesen bitte hier klicken: Mondo Küchen




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel


5.1. Kommen (Neueröffnungen)


Möbel Letz
Gielsdorfer Str. 23
06918 Elster

Mutig ist der Mario Letz mit der Eröffnung der 1.500 qm Möbelfläche. Offensichtlich versteht er aber etwas davon, wie man Kunden bindet.



5.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)


CV Möbel Mitnahme Markt
Wittekindstr. 26
32758 Detmold

Hier ist es eine Verkaufsfläche von fast 5.000 qm, die kaum noch Geld bringt. Claus Vollmer hört deshalb zum Jahresende auf.


Möbel Salomon
Leipziger Str. 205
34123 Kassel

Wilhelm Salomon fegt derzeit seine 4.000 qm Verkaufsfläche leer.


Möbel Nies
Werner-von-Siemens-Str. 8
51674 Wiehl

Auf etwa 16.500 qm Verkaufsfläche spielte sich in langen vergangenen Jahren das Möblerleben dieses Vollsortimenters ab. In den letzten Jahren floss zuwenig Geld in die Kasse. Aufhören, war deshalb der Entschluss. Der laufende Räumungsverkauf allerdings spült offensichtlich wieder die Moneten ins Haus. Die letzten für Nies? Muss wohl. Denn Roller will da rein.


Helberger Einrichtungshaus
http://www.helberger.de

Große Friedberger Str. 23
60313 Frankfurt am Main

Luisenstr. 18
65185 Wiesbaden

In Frankfurt sind es 3.500 qm und in Wiesbaden 600 qm, auf denen zurzeit noch Möbel international bekannter Marken stehen. Wie man hört, will der bekannte WK-Möbler Anfang nächsten Jahres schließen.



5.3. Bleiben(?)


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