Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #7

Feilschen, Mietmöbel, Wohnparadies und Möbelreparaturen

Ausgabe März 2001 vom 05.03.01






1. Feilschen - Die Möbelhändler schlagen zurück

2. Mietmöbel: Verona Feldbusch oder Thomas Gottschalk saßen schon drin

3. Möbelreparaturen: Spezialisten für Polsterschund

4. Neueröffnungen: Möbel Martin Kaiserslautern, Wohnparadies Egelsbach





1. Feilschen - Die Möbelhändler schlagen zurück oder wie der Möbelkäufer den Rabatt bezahlen soll


Als ich kürzlich davon hörte, wie die Möbelhändler künftig die feilschenden Möbelkäufer austricksen wollen, kam mir ein Spiel in den Sinn, das wir als Jungen austrugen, um unsere Kräfte zu messen: "Schulterdrücken" nannten wir das.

Die Kämpfer stellten sich an einer Linie so auf, dass sich Fuß, Hüfte, Arm und Schulter seitlich berührten. Die Hände wurden in die Hosentaschen gesteckt. Mit dem Startschuss begannen beide, gegeneinander zu drücken. Sieger wurde, wer es schaffte, sich über die Linie in das Feld des Gegners zu schieben. Wohlgemerkt: Er musste dort auf beiden Beinen stehen.

Ich weiß nicht mehr, wer erstmals auf den Trick verfiel. Aber bei einem der Kämpfe, als einer sich bereits als Sieger wähnte, weil er sich schon zur Hälfte über den Strich gedrückt hatte, machte der andere eine schnelle Drehung zur Seite. Der vermeintliche Sieger kippte nach vorn. Mit einem schnellen Schulterstoß in den Rücken wurde er weiter befördert, stolperte über den hingehaltenen Fuß und ... befand sich jetzt zwar im gegnerischen Feld, lag aber flach auf dem Boden. Der Trickser stellte sich mit jubelnd hochgerissenen Armen als Sieger ins andere Feld.

Von da an versuchten wir alle diesen Trick. Dabei kam es auf Flinkheit und Körperbeherrschung an. Nur wenige von uns schafften es, zumal die Gegner damit rechneten und versuchten, mit allerlei Finten dagegenzuhalten.

Kinderspiele werden oft zu Erwachsenenspielen, zumindest in den Grundzügen.

Zweifellos: Feilschen macht dem Möbelhandel (bisher gefürchteten) Druck. Experten raten deshalb, diese Energie in das eigene Spielfeld umzuleiten. Der Möbelhändler möge seinen Haggler (Feilscher) lieben, sagen sie, denn
  • er beginne das Verkaufsgespräch meistens von sich aus (was will man mehr?).
  • er sei innerlich bereits zum Kauf entschlossen (wie viel Überzeugungsarbeit das wohl erspart?).
  • er "drohe" doch gewissermaßen mit dem Auftrag.

Jetzt komme es auf geschickte Gesprächsführung an. Dazu des Möblers grundlegende Erkenntnisse:
  • Die Rabattfrage werde gestellt, weil der Käufer meint, er bezahle sonst zuviel. Bei diesem Hauptmotiv sei anzusetzen.
  • Deshalb müsse die Frage nach Preisnachlass nur als Auftakt für ein erfolgreiches Verkaufsgespräch betrachtet werden.
  • Es seien die immateriellen Werte der Möbel besonders herauszustellen: Qualität, Design, Verwendbarkeit, Einzigartigkeit.
  • Der Verkäufer bestimme die Regeln, müsse das Heft in der Hand behalten.
  • Es gehe um die Möbel, nicht um den Rabatt.
  • Kleinere Zugaben und Serviceleistungen sollten an Stelle von Rabatt angeboten werden.
  • Wenn ein Preisnachlass unausweichlich werde, müsse vorher einheitlich geregelt sein, wer was darf, wie viel und zu welchen Bedingungen.
  • Auf Preistransparenz müsse großen Wert gelegt werden, denn das schaffe langfristig Vertrauen.

Hauptsächlich aber gelte: Der Feilscher muss für den Preisnachlass bezahlen!

Damit ist nicht der Versuch gemeint, den Rabatt vorher auf den Preis draufzuschlagen. Das wird es sicher auch geben. Nein, der Möbelhändler will als Preis für den Preisnachlass Treue und Bindung.

Wie das, fragen Sie. Sicher haben Sie schon bemerkt, dass der Möbelhändler bei einem Rabattkauf viel von Ihnen wissen will. Nicht nur die obligatorische Adresse. Oft unverfänglich verpackt in kurzen Fragebögen, werden Alter, Familienstand, Zahl der Kinder, Gewohnheiten, Lebensumstände usw. abgefragt. Dann meldet er sich bald wieder bei Ihnen mit einer Kundenzeitschrift, mit Kundenkarten, paybacks usw. Er bietet kleine Geschenke, um Sie zur Teilnahme an gewissen Aktionen zu reizen. Dabei steht nicht unbedingt sein Angebot an Möbeln im Vordergrund. Das kommt später. Da setzt der Möbler auf Ihre Treue.

Zunächst will er Sie an sich binden und weitere Informationen aus Ihnen herauskitzeln. So gewinnt er ein Bild vom Kaufverhalten seiner Kundschaft. Das ist unauffällige und spezielle Marktforschung. Und die ist wesentlich billiger als das Gutachten eines Marktforschungsinstituts.

Je besser also der Möbelhändler das Kaufverhalten auf seinem Markt kennt, desto gezielter kann er agieren, werben, Warenströme lenken, und was nicht sonst noch alles. Sein Geschäft brummt. Und was macht der clevere Möbelkäufer?

Er spielt das Spiel mit. Allerdings ist er nicht treu und lässt sich auch nicht binden. Er findet die angemessene Qualität zum niedrigsten Preis überall in der Möbellandschaft. Es liegt ihm eben im Blut, am Gewinn der Möbelhändler zu knabbern.

Und von wegen "Der Verkäufer bestimmt die Regeln":

Da machen wir nicht mit. Das Geld, hinter dem er her ist, haben wir. Wenn er unsere Regeln nicht akzeptiert, kriegt er's nicht und bleibt auf seinen Möbeln sitzen.




2. Mietmöbel: Verona Feldbusch oder Thomas Gottschalk saßen schon drin


Auch Sie werden sich wohl schon gewundert haben, wenn Sie mal zu einem Großevent gegangen sind, sei es zur Internationalen Automobil Ausstellung, Expo 2000, zu speziellen Kongressen in Frankfurt, Berlin oder Leipzig, Fernsehshows, Events großer Firmen usw.:

Da stehen tolle Möbel, hochwertige Designer-Produktionen überall herum. Die Feldbuschs, Gottschalks oder andere VIPs, die der Veranstaltung den Pfiff geben sollen, räkeln sich darin.

Die Veranstalter haben diese Ansammlungen von Edelmarken (Cor, Rolf Benz, Walter Knoll, Wasa, Thonet, Interlübke, Vitra, Wilkahn, Werther Classic, um nur einige zu nennen) keineswegs gekauft. Die Hochwertmöbel sind gemietet und gehen nach Ende des Events wieder zurück.

Wohin zurück?

Früher haben die Hersteller selbst ihre Creationen angeliefert und wieder abgeholt. Jetzt haben Händler einen Markt für Mietmöbel entdeckt, z.B. die Klingenberg Logistik, Hannover.

Dort skizzieren Event-Veranstalter ihre Vorstellungen und werden prompt mit dem edlen Mietmöbel bedient, einschließlich Rückholung desselben. Die Firma ist inzwischen so gewachsen, dass sie eine Vielzahl von Edelmöbeln auf Lager hat.

Die kaum benutzten Mietmöbel sind durchweg noch wie neu. Der zarte Po Veronas hat dem Sessel, auf dem sie posierte, wohl nichts angetan. Ob Tommys Stiefel an der Couch Spuren hinterlassen haben, muss nachgeprüft werden.

Auf jeden Fall dürfen wir jetzt ran. Viele Stücke stehen nun zum Erwerb für jedermann bereit. Fragen Sie nach bei


Büro Concept Klingenberg
Weidendamm 28
30167 Hannover

oder

Klingenberg & Schlüter
Podbielskistr. 141
30177 Hannover

oder

vitra point Klingenberg & Schlüter
Günther-Wagner-Allee 7
30177 Hannover


Das dürfte lustig werden, wenn wir unseren Besuchern zu Hause warnend zurufen: "Vorsicht! Auf diesem Stuhl hat schon Verona Feldbusch ihre schönen Beine übereinander geschlagen und an ihrem kurzen Rock gezupft."

Aber bitte, Ihr lieben Möbelkäufer, clever sein und vor dem Kauf die Qualität testen. Natürlich nicht die von Verona.




3. Möbelreparaturen: Spezialisten für Polsterschund


Neulich schüttete mir einer sein Herz aus. Als er seine teure Leder-Polstergarnitur kaufte, habe er unbesehen darauf vertraut, dass der namhafte Markenhersteller auch einwandfreie Spitzenqualität liefere. Aber nein, Schund habe man ihm ins Haus gebracht.

Sicher hat er mit dieser Wortwahl übertrieben, denn er berichtete mir weiter, dass sehr schnell eine Spezialfirma kam und die aufgerissene Naht reparierte. Nichts sei mehr zu sehen. Sein Ärger aber sei geblieben.

Es gibt sie tatsächlich immer öfter, die eigenständigen Spezialisten für Möbelreparaturen. Manche nehmen auch den Möbelhändlern bei Mängeln die Gewährleistungspflichten ab und geben Ihrerseits Garantie. Das sind schon Könner (im Fehler kaschieren?).

Unter diesen Reparatur-Spezialisten, die unter Polsterservice, Leather care oder ähnlich firmieren, kursiert eine Liste häufiger Mängel (von ihnen Leistungspaket genannt), die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
  • Oberflächenschäden an Stoff oder Leder (z.B. Nagellack, Kulistriche)
  • Gerissene Nähte
  • Durchgesessene Schaumpolsterung
  • Aufgerissene Federungen
  • Gebrochene verdeckte Gestelle
  • Beschädigte Sichtholzgestelle

Eine europaweit agierende Firma, an die Sie sich im Bedarfsfall wenden können, ist die

Polstermöbel Spezial Service
Mühlenpfad 2
53547 Hausen-Solscheid
http://www.polsterservice.de


Wie gut, dass der clevere Möbelkäufer bereits vor dem Kauf die Qualität mit dem Profi-5-Schritte-Test selbst beurteilt. Um Schundmöbel macht er einen großen Bogen.




4. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben


4.1. Neueröffnungen


Wohnparadies
Egelsbach/Hessen (bei Darmstadt)
Kurt-Schumacher-Ring 14

Das 15.000 qm Haus von ehemals Möbel Unger wird wiederbelebt. Wohnparadies schafft damit für sich Ersatz für die Geschäftsaufgabe in Kaiserslautern. Die Möbel werden hin und her geschoben. Clevere Möbelkäufer, bitte besonders aufpassen.


Möbelhaus Renner
Sömmerda
Weissenseer Str. 1

Hier wurde ein Haus mit 10.000 qm Vollsortiment hochgezogen. In speziellen Abteilungen findet man Badmöbel, italienische Kleinmöbel und Möbel für Junges Wohnen.



4.2. Geschäftsaufgaben


Möbel Schubert
Kaiserslautern
Denisstr. 9

ca. 6.500 qm Verkaufsfläche


Wohnparadies
Kaiserslautern
Fabrikstr. 47

ca. 16.000 qm Verkaufsfläche

Möbel auf 22.500 qm Verkaufsfläche werden demnächst also in Kaiserslautern verschwunden sein. Die Schuld daran wird dem neu in die Stadt gekommenen Möbelriesen Martin zugeschoben (28.000 qm Verkaufsfläche). Zumindest der Filialist "Wohnparadies" flieht vor ihm. Dennoch wird er seinen Räumungsverkauf gelassen angehen. Verschleudern braucht er seine Möbel nicht, kann er sie doch notfalls nach Egelsbach karren, wo er eine neue Filiale eröffnet (siehe oben). Demnächst wird ein weiteres Martin-Opfer hinzukommen:


VEPOMA Polstermöbelfabrik und Möbelhandelsgesellschaft mbH
Haberdell 7 (Mohrlautern)

Kaiserslautern ist also in den kommenden 4-6 Wochen das Paradies für Schnäppchenjäger. Aber bitte: Seien Sie nicht nur Schnäppchenjäger, sondern ein cleverer Möbelkäufer. Das sind höhere Weihen. Der so Geadelte geht erst zu Möbel Martin, dann zu den Räumungsverkäufen, gegebenenfalls noch mal zu Möbel Martin. Dann weiß er, wo sein echt reduziertes Möbelstück steht. Aber auch der reduzierte Preis gefällt ihm noch nicht. Jetzt entfaltet er sein ganzes Können.


Möbelhaus Dilger
Schramberg/Schwarzwald
Bruckstr. 18-22 (Waldmössingen)

Der Räumungsverkauf auf 1.700 qm Verkaufsfläche geht in die letzten Tage. Die Schätzchen aus dem Altbestand des Möbelsortiments sind sicher noch da.


Möbel-Bauer
Untergriesbach/Niederbayern
In dem kleinen Ort nicht zu verfehlen!

Auch dieser Räumungsverkauf auf 1.500 qm Verkaufsfläche liegt in den letzten Zuckungen. Zocken wir mal mit.


TAURO Möbel Küche und Bad
Magdeburg
August-Bebel-Damm 4

Das 7.000 qm Küchenhaus macht dicht. Küchenkäufer, guckt mal hin. Die brauchen dringend Geld, um die Insolvenzmasse aufzustocken. Für eine schöne Küche kann man ihnen ja ein paar Mark bringen. Und noch mal


TAURO Möbel
Gelsenkirchen
Emscherstr. 24
www.elan-wohnspass.de

Hier werden 8.000 qm geräumt. Der Laden ist noch gut bestückt. Da ein Rechtsanwalt (Insolvenzverwalter) sich als "Räumer" versucht, sollte es mit rechten Dingen (echt reduzierten Preisen) zugehen.




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