Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #66

Stressless Sofa, Angebote, steigende Preise, Nobilia Küchen

Ausgabe Mai 2006 vom 02.05.06






1. Wie Möbelhändler neuerdings ihre Preise sichern

2. Rabatt oder nicht: Warum die Möbelpreise steigen

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nobilia Küchen auf dem Weg zur Spitze

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Stressless Sofa faktisch preisgebunden?

5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel




1. Wie Möbelhändler neuerdings ihre Preise sichern


Immer mehr Möbelkäufer erleben Wundersames. Paul und Paula zum Beispiel:

Beim Bummel durch die Geschäfte in der nahe gelegenen Großstadt entdecken sie in einem feinen Möbelhaus eine tolle Polstergarnitur. Ein hochwertiges Modell von einem bekannten Hersteller. Sie setzen sich hinein und mit glänzenden Augen nicken sie sich zu. Das muss ein pfiffiger Verkäufer wohl bemerkt haben, denn er eilt herbei und lobt das Stück in den höchsten Tönen.

Als man auf den Preis zu sprechen kommt, der Paul und Paula ganz und gar nicht gefällt, rückt der Verkäufer nicht von der Zahl ab, die auf dem Preisschild steht. Nach einigem Hin und Her bietet er einen ganz kleinen Nachlass. Paul und Paula schütteln den Kopf und wollen sich verabschieden. Da sagt der Verkäufer: "Vielleicht ergibt sich in den nächsten Tagen eine bessere Möglichkeit. Ich würde Sie dann anrufen. Darf ich Ihre Telefonnummer erfahren?"

Wie das bei solchen Fragen ganz nebenbei geschieht, nennen sie nicht nur ihre Telefonnummer, sondern auch ihren Namen und die Adresse.

Tatsächlich, nach drei Tagen ruft der Verkäufer an. Einen niedrigeren Preis bietet er allerdings nicht. In der Zwischenzeit hatte Paula von einem Möbelhaus in der Nachbarstadt ein Angebot erhalten, das 100 € niedriger liegt. An ihren Wunschpreis kommt das zwar noch lange nicht heran. Aber die Polstergarnitur hat es ihnen angetan und langsam gewöhnen sie sich an den Gedanken, mehr Geld locker machen zu müssen als ursprünglich vorgesehen.

Sie unternehmen vorher noch einen dritten Anlauf bei einem anderen Möbler - so wie es sich für clevere Möbelkäufer gehört. Und siehe da, dieser nennt einen Preis, der auf halbem Wege zum Wunschpreis liegt. Dann sagt er: "Ich kann zu diesem Preis aber nur verkaufen, wenn Sie beim Hersteller noch nicht registriert sind. Sind Sie das?"

Wie sollten wir, denken Paul und Paula, was haben wir mit dem Hersteller zu tun? Sie verneinen. "Bitte verzeihen Sie, ich muss das nachprüfen", sagt er und verschwindet. Als er wiederkommt, bedauert er: "Tut mir leid, Sie sind registriert. Aber nach etwa 2 Monaten löscht der Hersteller die Registrierung. Dann könnten wir das Geschäft machen."

Das feine Möbelhaus in der nahe gelegenen Großstadt ließ also beim Hersteller registrieren, dass mit Paul und Paula Verkaufsgespräche über dessen Polstergarnitur geführt wurden. Als so genannte Registrierte sind Paul und Paula die Freude am Kauf vergangen und sie wenden sich mit Grausen.


Sven und Svenja, die aus beruflichen Gründen vom hohen Norden nach Süddeutschland gezogen waren, erleben das Wundersame beim Kauf einer hochwertigen Schrankwand, die ein Kastenmöbler baut, der Markenstatus für sich in Anspruch nimmt.

Nachdem sie in einem kleineren Möbelhaus in der Nähe ihrer neuen Wohnung bereits einige Möbelstücke erstanden hatten, sehen sie die schöne Anbauwand in einem großen Möbelhaus am anderen Ende der Stadt. Sie lassen sich beraten. Sie kaufen aber noch nicht und sagen offen, dass sie noch einen Vergleich einholen wollen. Sie denken sich nichts dabei, als die Einrichtungsberaterin sie bittet, Namen, Anschrift und Telefonnummer notieren zu dürfen.

Klar, dass Sven und Svenja das kleine Möbelhaus aufsuchen, mit dem sie bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Als sie dem Möbler sagen, was sie bei dem großen Kollegen vor der Stadt gesehen und besprochen hatten, ist das kein Problem. Auch der Kleine kann das Modell liefern. Man berät über die Zusammenstellung. Es kommt sogar eine bessere Gestaltung als bisher heraus. Der Preis ist niedriger. Also wird der Kauf hier perfekt gemacht.

Die Lieferzeit verstreicht und jetzt kommt der Schreck: Der kleine Möbler teilt mit, dass er dem Großen die Gewinnmarge zahlen müsse. Denn der habe beim Hersteller den angebahnten Kauf zum "Projektschutz" angemeldet.


Was aus der Sache geworden ist, kann ich leider nicht berichten. Denn Sven und Svenja haben mir den Stand der Dinge nur bis hierher mitgeteilt. Ich nehme an, sie haben sich mit dem Händler zusammengetan, um gegen den Projektschutz anzustinken. Ich hoffe, sie werden sich wieder melden.


An und für sich ist "Registrierung" und "Projektschutz" ein alter Hut. Im Bereich B2B (business to business), also bei Geschäftsleuten unter sich, sind schon lange Infosysteme eingerichtet, die denjenigen schützen sollen, der ein Geschäft als Erster in Gang gesetzt hat.

Im Bereich B2C (business to costumer), also dort, wo Geschäftsleute auf das Geld von Endverbrauchern aus sind, erscheint mir das als neue Masche.

Ob sich die Markenmöbler mit Projektschutz und Registrierung nicht ins eigene Fleisch schneiden? Denn schon hört man Rufe nach Regulierung: Datenschutz, Wettbewerbsverstoß. Und wenn man an den armen Kleinen denkt, der dem Großen den Gewinn abtreten soll - das könnte man ja sogar als direkte Händlerzerfleischung bezeichnen.

Aber dies alles ist nicht mein Ding. Mein Ding ist der clevere Möbelkauf. Als Möbelkäufer wüsste ich den Weg:

Sobald irgendein Möbler meine persönlichen Daten wissen will, sehe ich ihn lange huldvoll an. Dann, urplötzlich und direkt rede ich vom Kauf: Er kann meine Daten hier und jetzt sogar in einen Kaufvertrag schreiben, wenn darin als Preis mein Wunschpreis steht.

Wie Sie Ihren realistischen Wunschpreis errechnen, können Sie nachlesen in Clever Möbel kaufen.




2. Rabatt oder nicht: Warum die Möbelpreise steigen


Wenn ich ein argloser Möbelkäufer wäre, würde ich daran glauben, dass Rabatt die Möbel billiger macht. Immer und überall Prozente runterrechnen: Das muss doch insgesamt zu einem niedrigeren Preisniveau führen.

Mitnichten. Das Statistische Bundesamt hat errechnet, dass in den vergangenen 12 Monaten der Preisindex für Möbel um 1,8% angestiegen ist.

Na so was. Wenn zudem noch bekannt wird, dass viele Möbler, wenn sie unter sich sind, von guten Margen sprechen, ist schnell klar, dass Prozent übersetzt von Hundert heißt. Aber von welchen Hundert? Von solchen ganz oben, vom Mond?

Doch selbst, wenn es Preissteigerungsvernebelungen per Rabatt gar nicht gäbe, treiben in diesen Tagen andere Faktoren die Preise hoch. Das sind die Kosten. Zuerst wirken sie bei den Zulieferern der Möbelindustrie: Energie und chemische Produkte wurden heftig teurer und damit zwangsläufig fast alle Materialien, aus denen man Möbel baut.

Und dann kommt der Holzmarkt. Wenn ich daran denke, wie viele Holzscheite ich im Winter in unseren Kachelofen geworfen habe und wie viele Leute des teuren Öls und Gases wegen total auf Holz zum Heizen ausgewichen sind, ist zumindest ein Holzengpass entstanden, der die Preise hat steigen lassen. Das trifft auch das Holz für den Möbelbau. Was beim Zulieferer beginnt, setzt sich über kurz oder lang in der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Verbraucher fort.

Aber das war immer schon so und gehört zum freien Markt. Der freie Markt gibt mir jedoch auch die Freiheit und die Chance, für mich selbst die Mehrbelastungen beim Möbelkauf mit der cleveren Fünf-Schritte-Strategie aus Clever Möbel kaufen möglichst flach zu halten.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nobilia Küchen auf dem Weg zur Spitze


Nobilia-Werke J. Stickling
Waldstraße 53-57
33415 Verl
http://www.nobilia.de


Wäre ich von der Branche völlig unbeleckt und sollte ich in irgendeinem Quiz die Namen von 3 Küchenherstellern nennen, wäre Nobilia wahrscheinlich nicht dabei: Nobilia ist nicht vielen bekannt.

Dabei hatten die Brüder Stickling bereits 1945 begonnen, Möbel zu produzieren: Nähmaschinenschränke und Kleinmöbel. Ab 1947 bauten sie die kompakten Küchenbuffets, wie ich eines davon heute noch vor meinem inneren Auge in der Küche meiner Eltern stehen sehe.

1967 begann das Unternehmen mit der Fertigung von Einbauküchen moderner Prägung, die seitdem von den Verbrauchern gewissermaßen anonym in Massen gekauft zu werden.

Bei dem oben erwähnten Quiz hätte ich wahrscheinlich Alno genannt. Alno ist in der Tat der zurzeit größte Küchenproduzent Deutschlands. Das drückt sich aus in 650 Mio. € Umsatz in 2005. Aber dann, wenn auch noch mit Abstand, erscheint als Zweiter Nobilia auf der Umsatztafel: 528 Mio. € in 2005.

Der Erfolg liegt wohl auch darin, dass die meisten Küchenkäufer in Deutschland für Ihre Einbauküche so um die 5.000 € ausgeben können oder wollen. Genau diese Preisklasse bedient Nobila.

Wie Sie Ihre Küche perfekt planen und zum Schnäppchenpreis einkaufen, lesen Sie in Clever Küchen kaufen.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Stressless Sofa faktisch preisgebunden?


In das Leitthema dieses Newsletters "Wie die Möbler ihre Preise sichern" passt haargenau auch die Sache mit der Vertriebsautonomie. Schon mal davon gehört?

Ich möchte dieses Phänomen einmal aufhängen an einer E-Mail, die mich kürzlich erreichte. D. R. schrieb kurz und knapp:

Betreff: Stressless faktisch preisgebunden?

Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich jedes Mal über die News und habe aus dem Buch "Clever Möbel kaufen" viel gelernt.

Jetzt möchte ich mir ein Stressless-Sofa kaufen. Im Internet habe ich keine günstigen Angebote gefunden (außer gebraucht bei Ebay). Klappt bei Ekornes noch eine verordnete, illegale Preisbindung? Selbst bei den 10%-Tagen vom hiesigen Berliner Möbelriesen ist Stressless ausgenommen. Wäre das nicht mal einen Bericht wert? Grüße D. R.



Preisbindung ist ein harter Vorwurf. Ich teile die Auffassung, dass sie außerhalb der Legalität liegt. Denn sie wurde schon lange abgeschafft - außer bei Büchern.

Was Markenmöbel-Hersteller mit ihren Möbelhandelspartnern anstellen, wirkt in der Tat wie eine Preisbindung. Die Markenhersteller locken und belohnen. Und wenn es sein muss, drücken sie. Mal sanft, mal hart. Das geht bis zum Rauswurf aus der Lieferliste. Einen Namen hat dieses ausgefeilte System von Maßregelungen auch: Vertriebsautonomie.

Der Kindermöbel-Hersteller Paidi hat sie praktiziert und ist dabei aber an die Falschen geraten. Drei Möbelhändler ließen sich den Rauswurf aus der Belieferung nicht gefallen und bemühten das Bundeskartellamt. Das gab ihnen Recht und bewertete das Verhalten von Paidi als Verstoß gegen den Grundsatz der Preisbildung im freien Wettbewerb. Trotz großer Anstrengungen konnte Paidi diese Auffassung der Wettbewerbshüter nicht kippen. Im Gegenteil: Paidi muss ein erkleckliches Bußgeld zahlen. Der Beschluss ist meines Wissens inzwischen rechtskräftig.

Für die Markenmöbler ist das ein Attentat auf die Vertriebsautonomie. Ekornes, Hülsta und Co. fürchten nun vermehrt, dass ihnen die Preisdisziplin der Möbelhandelspartner weggesprengt werden könnte. Ich habe meinem Leser noch nicht antworten können, werde es aber wohl wie folgt tun:

Wenn Sie keinen Ekornes-Händler finden, der aus der Preisfront ausbricht, brechen Sie doch Ihrerseits aus Ihrem Kaufverlangen aus. Andere Mütter haben auch schöne Töchter - oder Söhne. Im Fall von Ekornes zum Beispiel Hjellegjerde oder Himolla.


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel


5.1. Kommen (Neueröffnungen)


Keine Meldung.



5.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)


Möbel von Döhlen
Neufelder Weg
27619 Schiffdorf (bei Bremerhaven)

Die Inhaber haben den endgültigen Abgang beschlossen. Ein Räumungsverkauf auf 10.000 qm Fläche soll ihn versüßen.


A.H. Wohnmöbel und WarenhandelsGmbH
Daimlerstr. 15
32791 Lage

Auf der 2.000 qm großen Verkaufsfläche wurde bisher Postenware verschachert: Überproduktionen, Rückgaben, Messemöbel usw. Es hat wohl nicht richtig geklappt.


Möbel Göbbels
Süchtelner Str. 30
41066 Mönchengladbach

Möbel Stock oHG - Wohnen mit Stil
Niehler Str. 272
50735 Köln

Das Aus der beiden Häuser lässt sich kaum kommentieren. Flurbereinigung, würde ein Agrarpolitiker sagen.



5.3. Bleiben(?)


Keine Meldung.




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