Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #62
Ausgabe Januar 2006 vom 03.01.06
1. Freude beim Möbelkauf - aber Ärger danach: Was ist bei Lieferverzug oder Mängeln?
2. Freude über die neue Küche - aber Sorge danach: Wie werde ich die Elektroaltgeräte los?
3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Verwirrspiel mit Markenmöbel-Rabatt
4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Preise für Stühle gerechtfertigt?
5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
1. Freude beim Möbelkauf - aber Ärger danach: Was ist bei Lieferverzug oder Mängeln?
Ein Möbelkauf kann richtig Freude machen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man gerade ein schönes Möbelstück erworben hat, nach dem man schon lange suchte.
"Erworben hat" heißt jedoch bei Möbeln lediglich, einen Kaufvertrag unterschrieben zu haben. In der Wohnung steht das Möbel nämlich noch lange nicht. Denn meistens dauert und dauert die Lieferung. Mag solche Dauer bei dem einen oder anderen vielleicht sogar die Vorfreude steigern, gewissermaßen so eine Art Advent sein. Doch jeder Advent bzw. jede Lieferzeit muss ein Ende haben. Wenn nicht, keimt Ärger auf.
Ärger bedeutet Stress. Und wenn der zu groß wird, muss er irgendwie abgebaut werden, wenn er nicht zum Kollaps führen soll. Psychoberuhigung einschließlich Autosuggestion wären Möglichkeiten. Aber so etwas kann ich hier nicht empfehlen. Ich ziehe Handfestes vor.
Bevor ich solches biete, muss ich leider noch einen weiteren Ärgerbereich einbeziehen, welcher allzu oft der Kauffreude folgt: Die endlich gelieferten Möbel haben mehr oder weniger Macken. Reklamation heißt dann das Wort zum Ärgern.
Reklamationen kosten. Die Möbler merken das deutlich in ihren Kostenrechnungen. Wie ich höre, hat ein ganz Großer der Branche unumwunden zugegeben, dass er keine Branche kenne, in der die Reklamationsanzahl noch höher sei als in unserer. Wenn Sie wissen wollen, wer das gesagt hat, verrate ich es Ihnen auf Anfrage.
Ich will nicht verhehlen, dass viele Insider der Branche sich anstrengen, die Reklamationsquote dort zu senken, wo die Macken entstehen: Bei der Produktion, beim Transport, an der Rampe, im Lager und so weiter. Aber ebenso versuchen sie, die Reklamationskosten dadurch zu senken, dass sie dem Käufer die Macken klein reden und als normal darstellen. Das müsse er hinnehmen, sagt man dem Kunden.
Muss er nicht. Der Möbelkäufer muss auch nicht auf den Kosten sitzen bleiben, die ihm in der Reklamationszeit entstehen. Ich nenne einige Stichworte: Zeitaufwand, unnötiger Urlaubsverbrauch, Nutzungsausfall. Das ist Schaden, den der Möbler auszugleichen hat. Das sage ich frech weg und denke dabei nicht daran, zur Durchsetzung einen Rechtsanwalt oder ein Gericht zu brauchen. Auch kein autogenes Training und keinen Psychotherapeuten.
Meine oben versprochene handfeste Antwort habe ich auf insgesamt 39 Seiten meines Ratgebers Clever Möbel kaufen festgehalten. Sie werden verstehen, dass ich die Seiten aus dem Buch hier nicht kopieren kann. Aus Platzgründen kann ich auch nur eine Hauptregel nennen: Verlassen Sie sich nicht auf Mündliches. Reklamieren Sie schriftlich. Und setzen Sie Termine.
2. Freude über die neue Küche - aber Sorge danach: Wie werde ich die Elektroaltgeräte los?
Artikel über Elektroaltgeräte verschoben - zum Nachlesen bitte hier klicken: Küchen Altgeräte
3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Verwirrspiel mit Markenmöbel-Rabatt
In der vorletzten Newsletter-Ausgabe vom 01.11.05 hatte ich unter "Und ewig klingelt Rabatt" ausgeführt:
"Und was ist, wenn auch Markenmöbel (Hülsta, Rolf Benz, Brinkmann und andere), wie es da und dort angekündigt wird, der Rabattitis anheim fallen?
Da kennt man doch die Vorherpreise. Da kann man doch keine Rabatte einrechnen. Und die Qualität ist auch anerkannt.
Schon richtig. Diese Möbel gibt man halt unter Wert ab. Es sind nämlich nur wenige Stücke, gemessen an der Vielzahl der Aktionsware. Der Reibach insgesamt stimmt also immer noch."
Das stimmt nicht, schrieb man mir: Markenmöbel werden bei Rabatt-Aktionen keineswegs unter Wert abgegeben. Ob ich da wohl zu blauäugig hingeschaut hatte? Ich musste das nachprüfen.
Ich besuchte mehrfach große Möbelhäuser, die mit "Rabatt auf Alles" warben und konzentrierte mich dabei auf die Möbelmarken Rolf Benz, Hülsta und Laauser. Zuvor hatte ich bei kleineren Händlern in der Region die Preise für die gleichen Stücke abgefragt. Und siehe da: Die großen Rabattmöbler hatten die ursprünglichen Preise hochgerechnet.
In einem Möbelhaus entdeckte ich einen kleinen Aufkleber "Rabattaktion Hülsta 25%". Als ich rechnete, war der jetzt ausgewiesene Preis nahezu so hoch wie derjenige vor der Aktion.
Ich fragte einen Verkäufer. Er antwortete mir sinngemäß: "Die Rabattaktionen beziehen sich immer auf den Listenpreis, nicht auf die vorherigen Hauspreise. Das mag für die Käufer etwas verwirrend sein. Aber wir müssen das auch so machen wie die anderen Möbelgeschäfte, denn bei weniger Rabatt würde der Kunde bei uns nicht kaufen".
Rabattaktionen als Verwirrspiel. Viele Möbler gehen offensichtlich davon aus, dass sich die Mehrzahl der Verbraucher noch lange verwirren lässt und rabattieren ihre vorher hinauf gerechneten Preise lustig weiter.
Clevere Möbelkäufer aber interessieren sich nicht für Rabatte. Mit der Strategie des Fünf-Schritte-Möbel-Deals kommen sie bei Markenmöbeln trotzdem zum besten Preis.
4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Preise für Stühle gerechtfertigt?
Aus der Vielzahl der täglich eingehenden E-Mails greife ich heute folgende heraus:
Durch einen Kollegen bin ich auf Ihr Buch aufmerksam gemacht worden (welches er mir freundlicherweise ausgeliehen hat). Um es vorweg zu sagen: Ich gehöre nicht der "Geiz-ist-geil-Generation" an, sondern akzeptiere, dass für eine gute (in unserer Volkswirtschaft erbrachte) Leistung bzw. ein gutes Produkt eine adäquate Honorierung verbunden ist. Der Teufel steckt im Detail: Was ist eine angemessene Honorierung?
Bei meiner Suche nach sechs Küchenstühlen werde ich auf die Kollektion der im Schwarzwald ansässigen Firma W. aufmerksam, begebe mich in eine Filiale der Möbelkette M., "ersitze" die dort ausgestellten Exemplare der Serie "Saarburg" und halte sie qualitativ für sehr gut. Da ein Tisch bereits vorhanden ist, fragte ich, ob es auch möglich sei, die Exemplare ohne Beize/Lackierung zu erhalten, wenn die Firma den benötigten Farbton nicht anbieten kann. Antwort der Verkäuferin: "Wir fragen einmal nach, ob das möglich ist. Machen Sie sich aber auf einen deutlich höheren Preis gefasst..."
Und plötzlich kostet der Stuhl 258,00 €, nun wirklich nicht gerade im Niedrigpreissegment einzuordnen. Vorräte waren natürlich auch nicht vorhanden, sondern die benötigten Stühle konnten nur auf Bestellung bei der Firma (Lieferzeit mindesten 4 Wochen) geordert werden. Da habe ich natürlich erst einmal Abstand genommen. Wie Sie auf Ihrer Web-Seite angeben, kennen Sie den Möbelmarkt schon sehr lange und genau. Daher meine zwei Fragen:
1. Ist ein höherer Preis für unfertige Stühle überhaupt gerechtfertigt?
2. Was schätzen Sie, in welcher Ebene liegt der tatsächliche Einkaufspreis?
Vielen Dank für Ihre Meinung und Stellungnahme!
Ich antwortete:
"Hallo Herr Dr. Kawo, auf Ihre erste Frage kann ich nur philosophisch antworten: Aus der Sicht eines Händlers bzw. Unternehmers ist in der freien Marktwirtschaft jeder Preis gerechtfertigt, der sich am Markt realisieren lässt. Aus der Sicht des Verbrauchers gibt es keinen gerechtfertigten Preis, sondern nur einen Zielpreis. Das ist der Preis, den er erzielen möchte, nachdem er sich eine Marktübersicht verschafft hat.
Zu Ihrer zweiten Frage: Wenn ich Möbelhändler wäre, würde ich den Stuhl wahrscheinlich für 100 € netto einkaufen - wenn nicht gar für weniger."
Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.
5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
5.1. Kommen (Neueröffnungen)
Möbelhaus Hülsbusch
Ehrlichtweg 3-9
01689 Weinböhla
Vor kurzem erst befreite man die 8.000 qm Verkaufsfläche per Räumungsverkauf vom klassischen Möbel-Vollsortiment. Demnächst soll die Fläche wieder gefüllt werden. Diesmal mit speziellen Mitnahmemöbeln.
Fend & Faust Einrichtungshaus
Grünberger Str. 107
36304 Alsfeld
Derzeit räumt man die 7.700 qm Verkaufsfläche ab. Nach kurzer Schließpause wird dort ebenfalls - so hört man - ein Discounter seine Billigmöbel feilbieten.
5.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)
Küchenwelt Klingeberg
Lange Str. 91-97
27305 Bruchhausen-Vilsen
Klingenberg, ein großer Möbler in der Hansestadt Bremen, hat dort sein Möbelhaus an die Hajo Tessner Gruppe (Möbeldiscounter Roller) verkauft. Klingenbergs Küchenwelt hier in Bruchhausen-Vilsen gehörte nicht zu dem Deal. Aber sie bleibt dennoch nicht bestehen. Man munkelt, sie solle geschlossen werden.
Möbel-Central-Vertrieb
Lange Str. 117
27580 Bremerhaven (Lehe)
Möbelmarkt Leherheide
Mecklenburger Weg 128
27578 Bremerhaven
Bremerhavens Möbelmarkt bereinigt sich also mächtig. Doch nicht nur dort, es geht wohl überall in der Republik gleichermaßen zu:
Möbel Berndt
29690 Schwarmstedt
Möbel Zaß
Schulstr. 3
40764 Langenfeld
Möbel Strohmeier
Dorfstr. 44 und Tassilostr. 2
94486 Osterhofen, Niederbayern
Link zum Thema:
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