Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #60

Möbel Hesse, Rabatt, HTL International, MAM Limited, Aktionsmöbel, Polstermöbel

Ausgabe November 2005 vom 01.11.05






1. Und ewig klingelt Rabatt

2. Und immer wieder Asien in Deutschlands Wohnungen

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nochmal Aktionsmöbel, diesmal edel

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke:
4.1. Erschreckend: Globalisierung
4.2. Schockierend: Polstermöbelkauf

5. Neueröffnungen: Möbel Hesse Walsrode




1. Und ewig klingelt Rabatt


Es geht endlos weiter. Wohin der Möbelkäufer auch schauen mag in der Möbelbranche, überall springt ihm das Wort Rabatt entgegen. Es scheint so, als verlange der Möbler gar kein Geld mehr für seine Möbel, sondern verkaufe sie ausschließlich gegen Prozente. Prozente statt € - wird das etwa eine neue Währungseinheit? Schauen wir uns einmal an, was da abgeht.

Die Möbler bezeichnen das Rabattgeklingel als Verkaufsaktion. Basis solcher Aktionen ist nicht das standardmäßige Warensortiment. Nein, es ist die so genannte Aktionsware. Sie wird per Container meistens aus Asien und Osteuropa heran gekarrt.

Inzwischen sprechen die Marketingleute von einer speziellen Vermarktungsebene. Es tummeln sich da auf Händlerseite sowohl die Möbelriesen, als auch Spezialisten für Möbelsonderposten, Zweite-Wahl-Möbel, Überproduktionen oder wie auch immer sie es nennen mögen.

Auf Lieferantenseite sind es Billigproduzenten, spezielle Vertriebsgesellschaften und Importeure. Oft steuern namhafte Hersteller in Deutschland den Weg der Möbel vom Ausland ins Inland. Sogar eine Messe gibt es bereits: Die IAW - Internationale Aktionswaren Messe in Hannover. Die nächste findet statt Ende März 2006.

Für die Akteure auf der Aktionswarenebene stimmt der Reibach. Warum? Weil für "Appel und Ei" eingekauft und für viele Euro verkauft wird. Mit Rabatt und Prozent. Denn die sind bereits einkalkuliert.

Da kann es doch mit der Qualität nicht weit her sein, werden Sie sagen. Das ist in der Tat die Frage. Allerdings weniger für den cleveren Möbelkäufer. Denn der weiß, wie man Möbelqualität testet. Bei Polstermöbeln zum Beispiel mit dem Profi-5-Schritte-Qualitätstest, siehe Clever Möbel kaufen, Seiten 30 ff.

Und was ist, wenn auch Markenmöbel (Hülsta, Rolf Benz, Brinkmann und andere), wie es da und dort angekündigt wird, der Rabattitis anheim fallen?

Da kennt man doch die Vorherpreise. Da kann man doch keine Rabatte einrechnen. Und die Qualität ist auch anerkannt.

Schon richtig. Diese Möbel gibt man halt unter Wert ab. Es sind nämlich nur wenige Stücke, gemessen an der Vielzahl der Aktionsware. Der Reibach insgesamt stimmt also immer noch.




2. Und immer wieder Asien in Deutschlands Wohnungen


Mein Artikel über China-Möbel im letzten Newsletter hat mir einen bitterbösen Kommentar beschert. Ich weiß nicht, ob es ein Chinese war, der mir mailte, dass ich schlichtweg dumm sei, wenn ich glauben würde, in China würden nur Billigmöbel hergestellt, und ob ich denn nicht wisse, dass es HTL gäbe, der sogar Musterring mit Polstermöbeln beliefere.

HTL ist mir durchaus bekannt. Ich weiß auch, wo er residiert, nämlich in Singapur. Also nicht in China.

HTL Manufacturing Pte Ltd.
11 Gul Circle
Singapore 629567 / Singapur
Htl International



Aber ich will nicht pingelig sein und China und Asien als Synonym gelten lassen. In Deutschland ist HTL schon lange vertreten:

HTL International
Dubelohstr. 226 A
33104 Paderborn


HTL ist unter den Polsterherstellern als preisaggressiver Spezialist für Lederpolster bekannt. Er schaffte es tatsächlich zum Partner für Musterring. Doch nicht nur das. Auch Einkaufsverbände ordern bei ihm freie Modelle.

Deutschland bedeutete also für HTL bisher immer Expansion. Jüngst konnte er noch einen drauf setzen: Er kaufte die bekannte Handelskette Domicil.

Domicil Verwaltungs-/Marketing-Zentrale Deutschland
Domicil Möbel
88129 Lindau am Bodensee
http://www.domicil.de


Domicil-Häuser findet man an 23 Standorten in Deutschland. Man kann demnach davon ausgehen, dass künftig der Handel mit Asienpolstern mächtig gepowert wird.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nochmal Aktionsmöbel, diesmal edel


mam-limited mam AG
Steinbeisstr. 10
72202 Nagold
http://www.mam-limited.de


Was mam-limited in 36 Filialen südlich der Mainlinie (außer Filiale Köln) an Polster- und Wohnmöbel bietet, möchte ich ebenfalls als Aktionsware bezeichnen. Allerdings stammt sie überwiegend von Markenherstellern. Daher die in meinen Augen recht hohen Preise, wenn mam-limited sie auch als extrem günstig deklariert.

Bereitwillig erläutert mam, wie man zu den Möbeln kommt. Man kauft ein bei Markenherstellern

- Ausstellungsstücke aus den Werksausstellungen
- Falschproduktionen aufgrund von Irrtümern
- Einführungsmodelle neuer Hersteller
- Einzelstücke, mit denen der Markt getestet werden soll
- Messemodelle
- Reklamationsstücke (1B Ware)
- Stornorücknahmen der Hersteller


Stolz verkündet man aber auch, dass man selbst designt und exklusive Modelle produzieren lässt, die es nur bei mam-limited gibt.

Begonnen hatte das alles 1975 mit einem Möbel-Abhol-Markt (MAM). Später kam die Idee auf, nicht nur auf das Angebot von Serienmöbeln zu setzen, sondern auf limitierte Stücke. Das hat funktioniert und so wurde aus MAM in 1996 mam-limited.

Auch die Edelaktionsware stellt wohl inzwischen eine erfolgreiche Vermarktungsebene dar. Denn es agieren hier immer mehr spezielle Möbler. Auch groß gewordene, wie zum Beispiel Who's Perfect.

Aber schon, wenn man diesen Markt laienhaft hinterfragt drängt sich der Gedanke auf, woher denn diese Massen unter anderem an Fehlproduktionen und Stornoware wohl kommen. Bauen die Markenhersteller tatsächlich soviel Falsches und Überschüssiges?

Der clevere Möbelkäufer setzt deshalb auch bei mam-limited auf die Strategie des Fünf-Schritte-Möbel-Deals.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke


4.1. Erschreckend: Globalisierung

Schrecklich ist der falsche Ausdruck, erschreckend trifft es wohl eher. Sie dürfen es gern veröffentlichen. Viele Grüße S.V.


Ich hatte vorher angefragt:

"Hallo Herr S.V., vielen Dank für Ihr Statement. Ihre Sicht über die Globalisierung ist schrecklich - aber leider ganz nahe an der Realität. Darf ich Ihre Mail veröffentlichen?"


Denn es war folgende Mail eingegangen:

Hallo, zu dem China-Boom sei noch angemerkt: Wer solche Billigmöbel kauft, sollte auch sein Anspruchsdenken herunterschrauben, was die Qualität angeht. Der darf sich auch nicht wundern, wenn ihm die Kiste eines Tages zusammenkracht.

Wir haben uns so ein Ding gekauft und auch einmal untersucht, nachdem es relativ schnell seinen Geist aufgegeben hat. Die Materialien sind absolut minderwertig, was aber bei dem Preis auch kein Wunder ist. Sicherlich subbillig, meiner Meinung nach sind die Transportkosten höher als der eigentliche Materialwert. Der Globalisierung sei Dank. Frage mich nur ob das noch verantwortbar ist.

Warum gehen die Rohstoffkosten in die Höhe und warum funktioniert auf diesem Gebiet Geiz-ist-geil nicht? Warum florieren Schiffbau, Transportwesen und Ölindustrie? Alles logische Folgen der Globalisierung, der damit verbundenen massiv steigenden Transporte und der stetig steigenden Umweltbelastung. Irgendwann zahlen wir alle dafür die Zeche - so viel ist gewiss. Der Planet Erde wird die Geiz-ist-geil-Menschheit mal mit einem Mega-Tsunami von der Erdoberfläche pusten. Der Globalisierung sei Dank. Freundliche Grüße S.V.




4.2. Schockierend: Polstermöbelkauf

Ich greife eine weitere Mail heraus:

Ich habe Ärger beim Kauf von Polstermöbeln. Die Fakten im Telegrammstil:

Februar 2004 Schlafsofa und zwei passende Sessel des Herstellers F. im Möbelhaus X. in Hamburg bestellt (Sessel je ca. 600 €, Sofa ca. 1.200 €). Lieferung Ostern 2004. Die Polster kommen, der Bezug ist wellig - insbesondere an Vorderkante der Sitzfläche sowie an den Armlehnen der Sessel, also an sehr präsenten Stellen. Ganze Lieferung zurückgehen lassen. Lieferanten zur Nachbesserung aufgefordert.

Dieser lehnt ab - die Möbel seien in Ordnung. Ein vor dem Kauf besichtigter Sessel ist an den fraglichen Stellen völlig faltenfrei. Darauf hingewiesen, dass es auch faltenfrei ginge, sagt der Angestellte: 'Da haben wir von F. schon ganz anderes gesehen'. Zuvor wurde F. allerdings als handwerklich orientierte deutsche Qualitätsfirma bezeichnet.

Rechtsanwalt eingeschaltet - nochmals zur Nachbesserung aufgefordert. Erneute Ablehnung - Rücktritt vom Kauf - Möbler klagt auf Abnahme. Vom Gericht bestellter Sachverständiger stellt schließlich fest: Die Falten seien material- und fertigungsbedingt und lägen deutlich unterhalb der Toleranz. Die Möbel entsprechen 'der mittleren Art und Güte'.

Ein schockierendes Ergebnis: Möbel aus dem gehobenen Preissegment werden trotz deutlich schlechten Gesamteindrucks buchhalterisch Falte für Falte vermessen und als 'tolerierbar' erklärt! Fällt Ihnen dazu etwas ein? Gibt es auf dem Möbelsektor Institutionen, die über solche Kriterien wachen, und die ich dazu kontaktieren könnte?



Mir blieb die Spucke weg und ich schrieb spontan:

"Hallo, dazu fällt mir gar nichts mehr ein. Es gibt allerdings eine Institution, die sich diesbezüglich eine Wächterfunktion verordnet hat. Schauen Sie mal nach unter
http://www.dgm-moebel.de

Meiner Meinung nach kann die Ihnen aber nicht helfen, da Ihr Fall bereits rechtshängig ist. Was ich machen würde?

Ich würde die 2.400 € plus Gerichtskosten leider als zum Fenster hinaus geworfen betrachten und mir eine neue Garnitur nach der Strategie des Fünf-Schritte-Möbel-Deals beschaffen. Da hätte ich wenigstens eine ganz neue Freude, weil ich selbst die Qualität profimäßig geprüft und anschließend einen tollen Preis erzielt habe."


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel


5.1. Kommen (Neueröffnungen)


Möbel Hesse
Quintusstr. 10-14
29664 Walsrode
Möbel Hesse

Hesse residiert in 30827 Garbsen bei Hannover. Die Walsroder Filiale mit immerhin 4.500 qm Verkaufsfläche wurde im Frühsommer 2005 dicht gemacht und es hieß, sie werde gänzlich aufgegeben. Nun soll es doch weiter gehen. Wahrscheinlich spezialisiert auf Polstermöbel.



5.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)


Möbel Stahringer
Wuhrstr. 33
73441 Bopfingen

Ein kleines, familiär geführtes Global Möbelhaus schließt nach vielen Jahrzehnten seine Pforten. Der Total-Ausverkauf läuft bereits.


Führen-Jagdfeld
Wirichsbongardstr. 18
52062 Aachen

Das Geschäft mit hochwertigen Möbeln, zum Beispiel von ligne roset, hört auf.


Möbel Frank
Anton-Bruckner-Str. 1
83024 Rosenheim

Auch hier ist Schluss und aus.


Möbel Settele
Karlstr. 8
86150 Augsburg

Der Küchenspezialist mit 1.000 qm Verkaufsfläche räumt ab.




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