Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #6

Möbelkauf und Euro, Möbel Zurbrüggen, Ledergarnituren, Verbrauchertypen

Ausgabe Februar 2001 vom 30.01.01






1. Bevor der Euro kommt - schnell noch Möbel kaufen?

2. Wer sagte da "Vagabundierender Möbelkonsument"?

3. Werden Ledergarnituren zu teuren Raritäten?

4. Groß gegen Klein: Wer siegt?

5. Neueröffnungen: Zurbrüggen Bielefeld, Opti Wohnwelt Schweinfurt





1. Bevor der Euro kommt - schnell noch Möbel kaufen?


Soll ich den für später geplanten Möbelkauf vorverlegen, weil ab 01.01.2002 der Euro kommt?

Warum denn?

Ja, weil ich einerseits ab 2002 für die Möbel mehr hinblättern muss als zu DM-Zeiten. Andererseits gebe ich lieber meine gute alte D-Mark noch für etwas Wertvolles aus, anstatt beim Geldumtausch zu verlieren. Oder?

Wer sagt denn, dass Sie beim Umtausch DM gegen € verlieren? Der Bundeskanzler sagt was anderes. Dem glauben Sie nicht? Und der Preisanstieg beim Euro-Start? "Keineswegs!", schwören die Politiker. Aber Sie glauben ihnen ja nicht.

Der Möbelhandel rechnet durchaus damit, dass im Laufe dieses Jahres viele Möbelbeschaffungen aus Angst vor dem Euro vorgezogen werden. Die Flucht in den "Sachwert Möbel" also. Vielleicht sind dann die Möbler tatsächlich so dreist, an der Preisschraube zu drehen.

Aber glauben Sie mir doch jetzt einmal:

Wenn sich viele Möbelkäufer entschließen, schnell noch dieses Jahr für DM zu kaufen, sind Möbelanschaffungen im Jahre 2002 für sie erledigt. Die Möbelhändler werden im Euro-Startjahr händeringend nach Kunden Ausschau halten. Und das ist eine zusätzliche Chance für den cleveren Möbelkäufer (er wird auch schon mal "Vagabundierender Konsument" genannt, siehe unten).

Mein Stossseufzer: Ich hätte nicht gedacht, dass Möbelkauf soviel mit Glauben zu tun hat!




2. Wer sagte da "Vagabundierender Möbelkonsument"?


"Ja, ich war das!", meldet sich Prof.Dr. H. Diller von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er hat in Zusammenarbeit mit der GfK (Gesellschaft für Konsumentenforschung) in Nürnberg die deutschen Verbraucher typisiert.

Obenan stellt er die Aussage:

"Wir befinden uns auf dem Weg zur single society, was weitreichende Folgen für das Marketing hat. Der soziale Druck der Familie zu konformem und stetigem Verhalten in der Konsumgesellschaft sinkt, was hybrides (zwitterhaftes) Verhalten erleichtert."

Und dann geht's los:

Neuer Konsument: Seine typische Eigenschaft ist Individualität. Er ist sprunghaft, launisch und freut sich über seine Unberechenbarkeit. Erst kauft er preisbewusst, später verschwenderisch.

Vagabundierender Konsument: Er ist sprunghaft und bewusst irrational. Er pendelt zwischen Luxus und Bescheidenheit. Meistens sind es Leute mit überdurchschnittlichem Einkommen.

Multidimensionaler Konsument: Für ihn ist Freizeit wichtigster Lebensinhalt. Er konsumiert, weil er erleben will, nicht besitzen. Bei Gütern des täglichen Bedarfs ist er sehr preisbewusst, ansonsten guckt er nicht aufs Geld.

Multioptionaler Konsument: Er sucht das Exotische - den orientalischen Händler, das Designer-Outlet, den urigen Wochenmarkt, Shopping-Wochenende in New York.

Smart Shopper: Er ist jung und sehr preisbewusst und immer auf der Suche nach dem günstigsten Angebot.


Na also. Aber: Diese 5 Verbrauchertypen umfassen nur 15% aller Verbraucher. Die anderen bleiben bei den althergebrachten Kaufgewohnheiten: Keine Experimente, Freude am Status "Stammkunde", Bevorzugung der mittleren Preislagen.

Ob Prof. Diller wohl bald den neuen Typus "Cleverer Möbelkäufer" entdeckt? Der ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Smart Shopper!




3. Werden Ledergarnituren zu teuren Raritäten?


Besitzer von Ledergarnituren könnten bald den Neid der Nichtbesitzenden auf sich ziehen.

"Was laberst Du denn da", sagte man zu mir am Stammtisch. "Schau doch nur das riesige Angebot an Ledergarnituren an! Die Preise sind zwar etwas gestiegen, aber es gibt neue tolle Lederkreationen. Vorige Woche auf der Kölner Möbelmesse konnte man nur staunen. Denk doch an das herrliche 'Saddle'-Leder, ein Dickleder aus Bullenhaut."

"Ich sage nur: BSE."

"Was???"

"Man muss weiter und in 'Netzen und Verzweigungen' denken", sagte ich. "Wenn jetzt die FAO (Food and Agriculture Organisation) in Wien die BSE-Erkrankungen bei Rindern nicht mehr nur als eine auf Europa beschränkte Erscheinung, sondern als ein weltweites Problem ansieht, wird BSE bald auch in Nord- und Südamerika, Australien usw. auftauchen. Wenn es nicht bereits schon geschehen ist?! Der Mensch wird zwangsläufig die Weltpopulation Rind auf ein gesundes Minimum reduzieren müssen. Der Hauptlieferant des Rohstoffs Leder ist dann 'weg vom Fenster'!"

Da ich hier nur für die Kategorie "Polstermöbel aus Leder" zuständig bin, kann ich den Horror für den Bereich Ernährung von mir wegschieben. Wäre ich froh, wenn das nur Stammtischgefasel wäre!




4. Groß gegen Klein: Wer siegt?


Der Glanz blendet. Die Möbelpaläste in Deutschland saugen die Möbel-Schaulustigen zwar in sich ein, doch wenn sie die Besucher wieder ausspucken, sind die meisten keineswegs zu Käufern geworden.

Nach wie vor fließen 84 Prozent der privaten Möbelausgaben in die Kassen der kleinen und mittleren Möbelhändler (lt. EHI-Institut Köln).

Ja, ich weiß. Möbelkauf ist Vertrauenssache, meinen immer noch so um die 90 Prozent der Möbelkäufer. Sie geben sich einfach so den mittelständischen Fachhändlern hin. Wenn da nur nicht die vielen Fehlkäufe wären: Schlampige Qualität, viel zu hoher Preis. Das Vertrauen schwindet.

Das trifft große und kleine Möbler gleichermaßen.

Immer mehr hört man die Seufzer: Sagt mir denn keiner, wie ich die Möbelqualität selbst beurteilen kann, wie ich den niedrigsten Preis heraushole, was im Kaufvertrag stehen muss, damit ich nicht der Dumme bin? Und der knallbunte Möbelprospekt, der aus der Zeitung auf meinen Frühstückstisch fiel? Sind die Sonderangebote (jede Menge Prozente) wirklich so tolle Schnäppchen?

Das nenne ich erwachendes Problembewusstsein. Unsere großen und kleinen Möbler tragen (unbewusst?) dazu bei.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben


5.1. Neueröffnungen


Opti Wohnwelt
Schweinfurt
Gewerbegebiet Hafen Ost

20.000 qm Verkaufsfläche, Vollsortiment und SB-Mitnahme. Das Familienunternehmen wirbt mit "Das freundliche Möbelhaus - planen Sie ein Lächeln mit ein!" Das Verkaufspersonal ist auf Grinsen getrimmt. Mal sehen, was aus dem Lächeln wird, wenn der clevere Möbelkäufer auftaucht und vom Gewinn was abzwackt!


Zurbrüggen
Bielefeld
Herforder Str. 306

6.000 qm Verkaufsfläche "Junges Wohnen". Zurbrüggen liegt im Ranking der Möbelriesen auf Platz 14 (Umsatz 1999: 500 Mio. DM) und zielt mit seinem Angebot jetzt auf die Smart Shopper.



5.2. Geschäftsaufgabe


Hütter's Welt
Berlin-Neukölln
Grenzallee 34

17.000 qm Verkaufsfläche, Markenmöbel: u.a. Hülsta, Brinkmann, Rolf Benz, Natuzzi. Hütter's ist pleite. Man wird eine Auffanggesellschaft gründen. Bis dahin oder auch noch danach kann der clevere Möbelkäufer sicher das eine oder andere Marken-Möbelstück schnappen.




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