Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #59

China-Möbel, Bierstorfer XXXL, Miele, Designermöbel aus Italien

Ausgabe Oktober 2005 vom 11.10.05






1. China-Möbel und der Fünf-Schritte-Möbel-Deal

2. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Entschlackung bei Miele

3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Designermöbel aus Italien

4. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel




1. China-Möbel und der Fünf-Schritte-Möbel-Deal


Es wurde die Frage laut, ob der Fünf-Schritte-Möbel-Deal auch bei China-Möbeln funktioniert. Mit China-Möbel meine ich Möbel, die in China produziert werden. Soweit so klar. Oder? Dazu einige Fakten:

China wird im Jahr 2005 wahrscheinlich Möbel im Wert von 700 Mio. € nach Deutschland einführen. Hauptsächlich Polstermöbel. Insgesamt ist das eine Steigerung von etwa 40% gegenüber dem Vorjahr - und dabei hat der Anstieg erst begonnen. Inzwischen ist China bereits drittstärkster Möbelexporteur nach Polen und Italien.

Der VDM-Verband der Deutschen Möbelindustrie e.V., Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef, sieht darin einen Anlass zur Besorgnis. Mich würde nicht wundern, wenn der Gedanke aufkäme, Sonderzölle für Möbel aus China zu erheben. War da nicht schon so etwas ähnliches in einer anderen Branche? Ach ja, natürlich: Importstopp bei Klamotten.

Und jetzt zum Fünf-Schritte-Möbeldeal. So bezeichne ich die Kaufstrategie des cleveren Möbelkäufers und beschreibe sie ausführlich in meinem "Möbelbüchle", wie man den Ratgeber Clever Möbel kaufen inzwischen in Süddeutschland fast liebevoll nennt.

In diesem Zusammenhang stellen China-Möbel kein besonderes Problem dar. China-Möbel sind meistens so genannte Aktionsware. So nennt man branchenintern die Möbel für Prozentaktionen, die da angekündigt werden mit beispielsweise

"Discounttage - sparen Sie bis zu 48%"
"Nur 14 Tage - Sonderposten bis zu 70% reduziert"
"Aktionswoche mit seriösen Rabatten"

Der clevere Möbelkäufer findet heraus, wer die gleichen, mit den mächtigen Nachlässen angepriesenen Möbel auch noch anbietet. Und er kauft sie bei dem, der einen noch besseren Preis macht. Prozente zählen da nicht. Denn mehr Prozente bedeuten keineswegs immer gleich billiger.




2. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Entschlackung bei Miele


Miele & Cie. KG
Carl-Miele-Str. 29
33332 Gütersloh

Früher oder später kommt für jedes Unternehmen der Zeitpunkt, an dem es sich entschlacken muss, wenn es denn gesund bleiben will. So auch beim Familienunternehmen Miele.

Ein Blick auf die Gesellschaftsstruktur der Miele KG zeigt, dass zwei Kapitalgesellschaften haften: Die Miele VerwaltungsGmbH und die Zinkann VerwaltungsGmbH. Für diese Gesellschaften handeln die Geschäftsführer Dr. Reto Bazzi, Dr. Markus Miele, Dr. Eduard Sailer, Horst Schübel und Dr. Reinhard Zinkann. Und die entschlacken jetzt.

Meistens fängt eine Entschlackung beim Personal an - kaum beim oberen, aber immer beim unteren. So auch bei Miele. Mindestens 1.000 Jobs werden gestrichen. Wie es heißt, ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Dann geht es ran an die einzelnen Unternehmenssparten. Bei Miele ist es Imperial, die besondere Elektrogerätemarke. In 1990 hatte Miele die Imperialwerke von Kessing & Thiele übernommen. Damals hieß es euphorisch: Ab sofort repräsentiert Imperial die Welt der Kochkunst im Portfolio der großen Mutter Miele. Die Mutter macht jetzt den Deckel zu. Imperial verschwindet. Ferner geht es ran an

Miele - Die Küche
Mielestr. 1
48231 Warendorf

Für mich erschien es schon immer eigenartig, dass Geräte-Hersteller eigene Küchen bauen. So viele Geräteschränke kann ein relativ kleines Küchenwerk doch gar nicht erstellen, um die riesige Hauptproduktion des Unternehmens, die Geräte, darin unterzubringen. Und der Küchenhandel wird die Geräte schmähen, weil die Preise nicht mehr stimmen. Das wird es wohl gewesen sein, weshalb man sich aus der Küchensparte verabschieden wollte.

Ein Schweizer glaubt allerdings, mit der Miele-Küche nach wie vor Geschäfte machen zu können. Es ist der Direktvermarkter AFG Arbonia Forster AG. Er beschreibt sich selbst als der führende Bauausrüster in Europa mit den Gliederungen Heiztechnik, Küchen, Fenster und Türen sowie Stahltechnik. Mit den Miele-Küchen will er seine Küchensparte ganz nach oben pushen.




3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Designermöbel aus Italien


Ich erhielt einen ausführlichen Erfahrungsbericht von Dr. A. Seitz (Name geändert). Er hatte sich unter anderem nach Designer-Stühlen der berühmten Bauhaus-Klassiker umgesehen. Es war ihm klar, dass er sich nur Nachbauten leisten konnte und erzählte über italienische Reproduzenten:

... Doch nun zu meinen persönlichen Erfahrungen mit den "Italo-Repros": Ich hatte mir den Händler C. rausgesucht. Der Preis war neben zwei Konkurrenten der günstigste. Die Webseite und die AGB machten einen guten Eindruck.

Daneben gibt es bei der Firma auch noch Mengenrabatte. So Ende letzten Jahres, als der Brno-Stuhl bei der Abnahme von mindestens 6 Stück statt je 349 € 20% weniger kosten sollte. Leider hatte ich diese Sonderaktion verpasst und weitere gab es nicht mehr.

Und so beschloss ich, selbst aktiv zu werden. Mit Ihrem Möbelratgeber unter meinem "geistigen" Arm schrieb ich per Email an C.

Ich machte darauf aufmerksam, dass seit langer Zeit der von mir favorisierte Brno-Stuhl nicht mehr bei den Sonderangeboten berücksichtigt wurde und ich somit einen eigenen Vorschlag unterbreiten wolle. Ich würde 8 Stühle für je 270 € abnehmen. Ferner schloss ich noch einige Fragen im Hinblick auf die Zuverlässigkeit der Spedition und die Art der Lieferung an.

Aus der schönen Toskana meldete sich (noch) recht freundlich ein Herr B. von der Firma C., der mir als "persönliches Angebot" den regulären Preis bei der Abnahme von 6 Stühlen nannte und auch alle anderen Fragen hinreichend beantwortete.

Ich schrieb zurück, dass ich bei 8 Stühlen - also zwei mehr - ein etwas günstigeres Angebot erwarten würde. Die Antwort kam schon entschieden weniger freundlich: Seine Kunden seien lauter Anwälte, Ärzte und Architekten etc. und mit seiner Firma zufrieden: "Wir können am Preis nichts machen und wie Ihnen bereits geschrieben, möchten wir unsere Qualität nicht vermindern!" (Im Original mit drei Ausrufezeichen).

Sollte das etwa heißen, dass ich persönlich mit meinen unverschämten Forderungen verantwortlich sei für die Qualitätseinbrüche in der italienischen Möbelindustrie? Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.

So schrieb ich sinngemäß, dass man doch eigentlich uns Deutschen die Unfähigkeit oder den Unwillen zum Handeln nachsagen würde. Und wenn das bisschen Rabatt für die Mehrabnahme von zwei Stühlen gleich zu einer "Qualitätsminderung" führe, ob das Sonderangebot der Brno-Stühle Ende letzten Jahres folglich auch eine minderwertige Qualität beinhaltete.

Da hatte ich nun wohl den Italiener bis aufs Blut gereizt: "Sehr geehrter Herr Dr. Seitz" (immerhin noch eine normale Anrede), "können oder wollen Sie mich nicht verstehen?" Es folgte nun eine Erklärung, die ich gar nicht erwartet hatte. Die Aussage "Qualität" bezog sich aus Sicht von Herrn B. nicht auf die Möbelqualität, sondern auf die Qualität des Transports bzw. der Spedition und auf die für den Kunden kostenfreie Rückgabemöglichkeit (auch bei Nichtgefallen). Letzteres käme aber (zum Glück) nur sehr selten vor. Ich solle froh sein, wenn ich nicht an schwarze Schafe geraten würde, die es nicht so genau wie ihre Firma nehmen würden.

Eine weitere Diskussion habe ich mir verkniffen. Ich hatte ja auch schon in meinem vorangegangenen Schreiben abschließend erwähnt, dass man sich unter diesen Bedingungen mit meiner Bestellung noch etwas gedulden müsse. Denn ich weiß, das nächste Angebot kommt bestimmt. Aber:

Was geht da eigentlich ab oder was habe ich falsch gemacht? Bin ich hier auf die unehelichen Söhne aus dem letzten Italienbesuch von Mies van der Rohe gestoßen? Habe ich die Hauptdesignschmiede Italiens angebaggert? Oder haben sich die Löhne in der italienischen Möbelindustrie aufgrund der EU in Schwindel erregende Höhen entwickelt? Das waren nun meine aktuellen Erfahrungen mit der Möbelbranche. Vielleicht war ja auch für Sie das eine oder andere Interessante dabei. Ich würde mich freuen.



Ich bedankte mich und teilte Herrn Dr. Seitz mit, dass er aus meiner Sicht alles richtig gemacht habe. Insbesondere bekräftigte ich seine Erkenntnis: Das nächste, günstigere Angebot kommt bestimmt.

Ferner bedankte ich mich für die Überlassung weiterer Internetadressen von Italo-Repros, die ich hier gerne wiedergebe:

www.bauhaus-moebel.com
www.classic-design24.com
www.bauhaus-style24.com
www.copiaclassica.com



Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




4. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel


4.1. Kommen (Neueröffnungen)


Polsterwerk
Stahnsdorfer Greenpark
14532 Stahnsdorf

Auf diesen 5.000 qm Verkaufsfläche war schon mal was mit Möbeln. Und zwar McMöbel. Diesen brandenburgischen Schotten findet man ansonsten in 14778 Jesering und in 14712 Rathenow. Jetzt ist er nach Stahnsdorf zurück gekehrt und nennt sich Polsterwerk. Es soll wohl so nach Fabrikverkauf aussehen.


VIP-Küchen Partner Szielenski e.K.
Hamburger Str. 1
41540 Dormagen

Der in das Handelsregister eingetragene Kaufmann S. ist ein so genannter Pilot: Er fliegt als erster Lizenznehmer über die deutsche Küchenlandschaft für die VIP Einbauküchen Marketing- und Vertriebsgesellschaft mbH, Oldenburg. VIP hat den Ehrgeiz, in den kommenden Jahren mindestens 30 Küchenfachmärkte in der Republik einzupflanzen. Nolte-Küchen, die Elektrolux-Gruppe und Blanco sind die Lieferanten.



4.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)


Möbel Hedderich
Rheinallee 130
55120 Mainz-Mombach

Inhaber Norbert Hedderich betont, dass er keinesfalls insolvent sei. Aber wegen der Möbelgiganten sehe er für seinen Möbelhandel auf 4.500 qm Verkaufsfläche keine Chance mehr.


Küchenstudio Hansch & Röhse
Nahering 12 A
55218 Ingelheim am Rhein

Möbelhaus Koch
Im Lotzbeckhof 8
77933 Lahr

Die Begründung für die Räumungsverkäufe beider Möbler ist die gleiche wie bei Hedderich: Geschäftsaufgabe wegen übermächtiger Konkurrenz.


Einrichtungshaus Gessmann
Europa-Möbel Krahn OHG
Ludwigstr. 68
63263 Neu-Isenburg

Eine 100-jährige Möblertradition verabschiedet sich. Die Inhaber sind in die Jahre gekommen und Nachfolger nicht in Sicht. Also wird das 2.000 qm Haus, das auch mit WK-Lieferanten glänzte, geräumt. Markenmöbel-Schnäppchen sind also angesagt.


Möbel Frank
Anton-Bruckner-Str. 1
83024 Rosenheim

Auch dieses traditionsreiche Möbelhaus mit 3.500 qm Verkaufsfläche verabschiedet sich zum Jahresende vom Markt.



4.3. Bleiben(?)


Interio Zentrale Deutschland
Hirschstr. 24
70173 Stuttgart

Interio Wohngalerie
Rotebühlplatz 23
70178 Stuttgart

Interio Wohnboutique
Große Bockenheimer Str. 50
60313 Frankfurt am Main

Interio Wohnboutique
Tilsiter Str. 15
71065 Sindelfingen

Interio
Heinkelstr. 1
71634 Ludwigsburg

Interio gehört zur Schweizer Migros-Gruppe und verkauft Designermöbel in zahlreichen Filialen in der Schweiz und in Österreich. In Deutschland unterhielt es zuletzt vier Standorte. Und weil es in diesen Häusern nicht so läuft, wie man es gerne möchte, soll sich ein anderer darin versuchen. Dieses Wagnis unternimmt nun das Filialunternehmen

Das Depot - Gries Deco Company
Industriestr. 3
63825 Schöllkrippen

Die Familie Gries will es wissen und stellt sich als Expansionsziel so etwa 200 Filialen vor.


Bierstorfer Möbel Center
Neckargartacher Str. 120
74080 Heilbronn
Möbel Bierstorfer XXXL

Möbel Bierstorfer hat sich an die österreichische Lutz-Gruppe verkauft. Da geht also bei Lutz nach wie vor mächtig die Post ab. Ist es doch gerade erst ein paar Wochen her, dass sich Mann Moblia, Karlsruhe, in das Lutz-Möbelreich begeben hatte. Jetzt wird bald wohl der der Name Bierstorfer XXXL am 40.000 qm Möbelpalast stehen. Aber die Geschäftspolitik bestimmt jetzt XXXLutz.




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