Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #5

Preisrebell Möbel, Mitnahmemöbel, Rabattgesetz, Feng Shui, Testkäufer im Möbelhandel

Ausgabe Januar 2001 vom 28.12.00






1. Rabattgesetz: Schutzschild wird eingestampft

2. Feng Shui - hat das was mit Möbeln zu tun?

3. Testkäufer: Der Möbelhandel testet sich selbst

4. Mitnahmemöbel bei www.byPack.de

5. Neueröffnungen: Preisrebell Kassel





1. Rabattgesetz: Schutzschild wird eingestampft


Das fast 70 Jahre alte Rabattgesetz war ein prima Schutzschild. Jetzt wird es weggerissen und eingestampft. Bald wird im Bundesgesetzblatt stehen: Das Rabattgesetz wird aufgehoben.

Wen und wovor sollte es denn schützen?

Knapp gesagt: Den Handel (hier Möbelhandel) vor allzuviel Wettbewerb. Und in letzter Zeit auch vor dem Preisschacher der Möbelkäufer.

Ja, Sie sehen das richtig. Das Rabattgesetz ist (war) im Ergebnis verbraucherfeindlich. Der Verbraucher hatte nichts davon, wenn sich die Händler, den Schutzschild hoch erhoben, argwöhnisch beäugten, ob der Mitbewerber zuviel von den Preisen nachließ oder mit unzulässigen Zugaben um sich warf.

Sofort wurde der Staat zur Hilfe gerufen, um den Konkurrenten niederzuknüppeln. Nicht nur das. Dem ahnungslosen Käufer wurde suggeriert, es sei auch für ihn strafbar, wenn er Rabatte oder Zugaben einstecke.

Vorbei sind diese Zeiten, nicht zuletzt dank Internetshopping. Ob jetzt wohl das große Feilschen der Möbelkäufer ausbricht? - Ich sage NEIN, nicht mehr als bisher. Der Rummel wird von der anderen Seite ausgehen.

Die Möbelriesen rüsten sich bereits - ohne Schutzschild - mit Bonusprogrammen, Kundenkarten, Sonderverkäufen, attraktiven Zugaben und wer weiß was noch für tollen Ideen. "Bindung" der Vielkäufer heißt das Motto. Oder leitkulturmäßig: "Bringste Umsatz, kriegste Prozente". Den zahlreichen Gelegenheitskäufern wird man den vollen Preis herausleiern, um im Gesamtergebnis die Umsatzrendite hochzuhalten.

Zweifellos wird das Kaufgeschehen in der Möbelbranche komplexer und komplizierter werden. Das Preisniveau insgesamt wird aber wohl kaum purzeln. Denn es gilt der Spruch:

Rabatt, Rabatt, das lass' Dir sagen, wird immer vorher draufgeschlagen!

Dennoch schlägt jetzt die Stunde des cleveren Möbelkäufers. Er behält den Überblick, kennt die Hintergründe der Branche und zahlreiche Tipps und Tricks, um seine Möbelausgaben weiter zu senken. Mein Buch Clever Möbel kaufen hat ihn schlau gemacht.

Es wird aber auch Verlierer geben. Wettbewerbshütern und Spezialanwälten bleibt die Klientel weg und die schöne, teure Fachliteratur wird Altpapier. Halt, daran verdienen ja auch wieder welche: Die Entsorger.




2. Feng Shui - hat das was mit Möbeln zu tun?


Artikel verschoben, bitte hier klicken: Feng Shui




3. Testkäufer: Der Möbelhandel testet sich selbst


Wussten Sie das?

"Warum brummt das Geschäft denn immer noch nicht?" fragt sich Möbelhändler Mutig. Er hatte einen Unternehmensberater engagiert, der ein tolles Konzept zur Umsatzsteigerung seines 7.000 qm Möbelhauses ablieferte:

Neugliederung des Sortiments, pfiffige Präsentation, Erlebnisaktionen für Kunden, knallige Werbung, alles war konzeptgemäß realisiert worden.

Das hatte eine Unmenge Geld gekostet. Aber der Umsatz kleckerte weiter so dahin. Mutig wurde es flau in der Magengrube. Existenzangst.

Eines Tages meldete sich bei ihm einer, der sich Testkäufer nannte. Er sei Profi im Möbelhandel mit umfassenden Produktkenntnissen aller Möbelbereiche: Küchen, Polstermöbel, Kastenmöbel usw. Ferner könne er auf langjährige Verkäuferpraxis mit hoher Abschlusssicherheit verweisen. Ob Herr Mutig nicht mal seinen Konkurrenten am Ort, der gerade einen Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe durchziehe, daraufhin testen wolle, ob dieser Waren vor- oder nachgeschoben habe.

Dann erläuterte er, wie er das durch Testkäufe herausfinden werde.

Und da kam Mutig die Idee. Nicht dem Konkurrenten bei seinem Räumungsverkauf werde er auf den Pelz rücken: Sein eigenes Verkaufspersonal werde er testen! Vielleicht liegt hier der Grund für die Umsatzschwäche.

Der Testkäufer streifte durch die durchaus ansprechende Ausstellung, verwickelte die Verkäuferinnen und Verkäufer in Gespräche, ging, kam wieder, feilschte und kaufte auch (natürlich auf Kosten des Inhabers).

Sein Bericht an Herrn Mutig war niederschmetternd. Wenig motiviert, kaum engagiert, manchmal erschreckend kenntnislos, unsicher im Abschluss. So beurteilte er das 12 Köpfe zählende Verkaufspersonal. Einziger Lichtblick: Das Personal blieb freundlich, auch wenn er hart rangegangen war.

Wenn Sie den Testkäufer bei seinen Aktionen begleitet hätten, wären Sie sicher zu einem beglückenden Kauferlebnis gekommen: Beste Ware für weniger Geld. Und Sie hätten nichts anderes getan, als mit dem Hintergrundwissen des Brancheninsiders die Tipps und Tricks aus meinem Buch Clever Möbel kaufen anzuwenden. Denn mehr hatte auch der Testprofi nicht drauf.

Übrigens: Aus der Sicht des cleveren Möbelkäufers ist es unerheblich, wie gut oder wie schlecht das Verkaufspersonal ist. Er kommt so oder so zu seinem Teil.

Sie wollen jetzt sicher noch wissen, was aus unserem Möbelhändler Mutig wurde. Drei Verkäufer und eine Verkäuferin ersetzte er durch Neueinstellungen. Durch einen Verkaufstrainer ließ er im Hause die gesamte Mannschaft schulen. Er selbst erläuterte den Mitarbeitern seine neu ausgerichtete Geschäftspolitik und band sie durch ein Bonussystem in den erwarteten Erfolg ein. Dieser ließ nicht lange auf sich warten. Das Betriebsergebnis schnellte innerhalb sechs Monaten von einer "schwarzen Null" in beachtliche Höhen.

Doch wohl nicht auf Kosten von cleveren Möbelkäufern?




4. Möbler online: Mitnahmemöbel bei www.byPack.de


Mitnahmemöbel sind etwas für Bastler, die bei der Montage zu Hause auch gerne fluchen. Schauen Sie mal rein bei www.byPack.de!

Wenn Sie dann irgendwo kaufen wollen, nehmen Sie zuerst ein real montiertes Muster genau unter die Lupe. Gibt es solch ein Musterstück nicht, ist Vorsicht geboten. Der Pack allein, wenn auch billig, könnte Ärger bereiten und am Ende sogar teuer werden: Wenn Sie beispielsweise 5 Stunden an einem "byPackten" Kleiderschrank herummontieren, brauchen Sie nur an Ihren eigenen Stundensatz für berufliche Leistungen zu denken.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben


5.1. Neueröffnungen


Rheinmöve AG
56218 Mülheim-Kärlich

18.000 qm über 3 Geschosse werden im ehemaligen Möbel Unger Haus mit einem Vollsortiment an Möbeln bestückt. Der Eröffnungsrummel soll Ende Februar 2001 losgehen.


Haus des Wohnens
Am Schirmberg 11
35708 Haiger

Das ehemalige Franz Einrichtungszentrum mit 15.000 qm Verkaufsfläche wird wiederbelebt. Jetzt aber mit rund 15 einzelnen shop-in-shops. Ob die wohl untereinander konkurrieren? Auf jeden Fall muss erst einmal die recht hohe Miete wieder hereinkommen. Wehe, wenn nur clevere Möbelkäufer von Tür zu Tür gehen sollten!


Correcta (ehemals Möbel-Lehmann) wieder neu in
Kurfürstenstr. 145
10785 Berlin (Schöneberg)

Wie so oft nach einem Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe (siehe Möbel-Tipps #3 ), haften einer Möbelhaus-Immobilie weiterhin die Möbel an. Auch das schicke Möbelhaus in der Kurfürstenstr. in Berlin-Schöneberg lockt die Möbelkäufer wieder in seine Mauern. "Sensationeller Möbelverkauf mit Preissenkungen bis 70%" heißt es nun. Naja, der clevere Möbelkäufer kauft keine Prozente.


Preisrebell Möbel-Discount-Markt
Falderbaumstr. 10
34123 Kassel

Auch am ehemaligen Unger-Möbelhaus kleben die Möbel. Ende Januar 2001 startet dort der Preisrebell. Ich weiß aber nicht, ob Sie Liebhaber von Mitnahmemöbeln zum Selbstmontieren sind. Was haben Sie für einen Stundenlohn? 50 Mark? An einem Schlafzimmer z.B. bauen Sie wahrscheinlich 8 Stunden. Dann muss aber die Montageanleitung gut sein. Auf den rebellischen Preis sind also von vornherein 400 Mark draufzuschlagen.


PFIFF Möbelmarkt
Schwertfegerstr. 30
23556 Lübeck

Und noch eine ehemalige Unger-Immobilie, die von den Möbeln nicht los kommt. Die 9.000 qm Verkaufsfläche wird wieder mit denselben vollgepackt. Ab 22.12.2000 sollen die Kunden ins Haus strömen, hoffen die neuen Eigentümer.



5.2. Geschäftsaufgaben


Intecta-Möbel Einrichtungshaus

Intecta mit seinen Filialen ist pleite. Im Januar 2001 wird der in solchem Falle übliche Abverkaufsrummel aufgezogen:

Altmarkt 25
01067 Dresden (mit Orientteppichmarkt)

Naulitzer Str. 21
07546 Gera (hier Regent Möbel-Paradies genannt)

Rostocker Str.
01587 Riesa

Alte Saale 7
07407 Kirchhasel bei Rudolstadt

und weitere Filialen in Elsterwerda und Hoyerswerda.


Möbel Koch
Apoldaer Str. 1
99091 Erfurt

Das schöne große Möbelhaus der seit Herbst 1999 insolventen Koch-Gruppe fällt der Sanierung zum Opfer, wie vorher schon die Filialen in Paderborn, Burg und Vellmar. Im Januar/Februar 2001 gibt es Sonderaktionen zum Abverkauf der Ausstellungsstücke. Doch trotzdem Vorsicht bei Räumungsverkäufen: Beachten Sie unbedingt, was ich in Clever Möbel kaufen darüber geschrieben habe!




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