Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #47

Ausgabe September 2004 vom 07.09.04
1. Möbelpreise: Auch IKEA zeigt Wirkung
2. Nachlese: Sommerschlussverkauf in den Möbelhäusern
3. Hier Höffner - da XXXLutz: Möbelgiganten im Kleinkrieg?
4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Das neue Wettbewerbsrecht
5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Krümelmonster
6. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
1. Möbelpreise: Auch IKEA zeigt Wirkung
Plötzlich kamen massenhaft Pressemeldungen: IKEA senkt ab 01.09.2004 die Preise. Bestimmte Möbel werden 20-50% billiger.
Möbelkäufer, bitte haltet mich nicht für rechthaberisch, sondern gönnt mir die kleine Freude. Ich freue mich nämlich über diese Meldung, weil sie meine Botschaft bestätigt, die da lautet: "Wir, die Verbraucher, sitzen am längeren Hebel." So hatte ich es bereits in 2003 im Vorwort zur 4. Auflage von Clever Möbel kaufen formuliert:
Unser Hebel ist unser Geld. Und das schmeißen wir dem Möbelhandel, einschließlich IKEA, nicht in den aufgerissenen Rachen, sondern hebeln damit. Zunächst machen wir auf Konsumverzicht. Anschließend machen wir den cleveren Fünf-Schritte-Möbeldeal. Das zeigt auch bei IKEA Wirkung.
Gemach, gemach. Ich will mich bremsen und emotionslos das Geschehen analysieren.
Seit Jahren wetteifern die Möbelhändler gegeneinander in kämpferischer Preisbolzerei, um den Möbelkäufer aus seiner Kaufzurückhaltung zu reißen. Dazu überziehen sie die Republik mit Rabattaktionen und Sonderverkäufen. Neuerdings auch mit dem Sommerschlussverkauf, und demnächst wohl mit dem Winterschlussverkauf von Möbeln.
IKEA stand bisher haushoch über solchem Preisgerangel. Sein Image war eh so etwas wie "Billigheimer". Allerdings mit Kultstatus. Die Leute fühlten sich angesprochen und kauften und kauften und fragten nicht nach dem Preis. Außer Sachsens Exkönig Kurt, der seinerzeit nach Rabatt fragte - doch lassen wir das ruhen. Das ist Schnee von gestern.
Warum heute plötzlich niedrigere Preise bei IKEA? Läuft das Geschäft nicht mehr so gut?
Ich verzichte auf eine Antwort. Sie wäre doch nur Blabla. Aber wie IKEA aus der Not einen Werbegag machte, nötigt mir Respekt ab. IKEA rief zu einer Wirtschaftspressekonferenz - und die Medienvertreter kamen. Sie notierten, dass die Preissenkungen ein Gesamtvolumen von 130 Mio. € ausmachen und Teil einer neuen Erfolgsstrategie seien, also keineswegs eine Reaktion auf Umsatzschwund. Und sie veröffentlichten diesen Sermon tatsächlich. Eine prächtige Publicity, die IKEA nicht viel kostete.
Mancher Grübler allerdings fragte sich: "Habe ich also bei IKEA bisher 20-50% zuviel bezahlt? Wem schenkt er denn nun die 130 Millionen?"
So ganz geheuer war die Sache auch den Medien nicht. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zum Beispiel recherchierte und fand, was verschwiegen worden war:
Der Schreibtisch "Matteus" koste nun 119 € statt 99 € vorher, das Sitzelement "Drömminge" 349 € statt 309 € vorher und die Regaleinsätze für "Billy" seien um 1 € das Stück teurer geworden. Weiterhin gebe es zudem erhebliche Preisunterschiede in einzelnen Ländern. So koste das Bettgestell "Hemnes" in österreich 149 €, in Deutschland - trotz Preissenkung - aber 199 €. Beim Bett "Alesund" betrage die Differenz 110 € und beim Regal "Gorm" 20 €.
Da durfte der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) nicht ruhen. Über dpa ließ er verbreiten, dass IKEAs Preissenkungsaktion "hart an der Verbrauchertäuschung" grenze. Der VDM könne anhand einer Liste nachweisen, dass die Preise für 115 Produkte um durchschnittlich 5,6% erhöht worden seien.
IKEA juckt eine solche Meldung wohl nicht sonderlich. Im Gegenteil. Das ist weitere kostenlose Reklame, denn auch negative Meldungen wirken. Meist sogar mehr als positive.
Den cleveren Möbelkäufer juckt das Ganze ebenfalls nicht. Sollte er Lust auf IKEA-Möbel haben, weiß er, wie er da ran geht. Oje, habe ich mit diesem Artikel etwa auch kostenlose Werbung für IKEA gemacht?
2. Nachlese: Sommerschlussverkauf in den Möbelhäusern
Alle halbe Jahre wieder zur Zeit der Schlussverkäufe fragten bisher die Zeitungen beim Handel nach, wie die Aktionen denn so gelaufen waren. Die Befragten ließen mehr oder weniger deftige Sprüche ab. In diesem Jahr auch. Zum Beispiel: "Die Kür war zwar nicht berauschend, aber unter dem Strich erfolgreich." So der O-Ton von Günter Groß, Hauptgeschäftsführer des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels.
Die Aufmerksamkeit der Medien war diesmal etwas größer als sonst, weil es der erste nicht gesetzlich verordnete Sommerschlussverkauf (SSV) war. Und es durften erstmals z.B. auch Möbel, Waschmaschinen und Unterhaltungselektronik verramscht werden. Also baten die Presseleute auch Vertreter des Möbelhandels um ein Wort.
Jubel war das nicht, was da laut wurde. Man habe nicht an den positiven Trend in diesem Jahr anschließen können. Daran sei das Wetter schuld. O-Ton des Sprechers der Fachgruppe Möbel im Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV), Günther Böhme: "Gutes Wetter ist für den Möbelhandel immer schlecht."
Und weiter: Neben den großen Möbelhäusern habe sich rund ein Viertel der kleineren Möbelhändler am Schlussverkauf beteiligt und probeweise einzelne Sortimente reduziert. Nach der offiziellen Abschaffung des SSV im Juni sei die Zeit aber zu knapp gewesen, um größere Schlussverkaufsaktionen zu organisieren.
Die Aussage im letzten Satz hat es mir angetan. Heißt das doch im Klartext: Es konnten nicht schnell genug Prozentmöbel herangeschafft werden. Die Lieferzeiten waren zu lang!
Jetzt haben die Möbler also selbst das schlucken müssen, was den Möbelkäufern schon lange sauer aufstößt: Es dauert ewig, bis die gekauften Möbel kommen. Ob die Prozentmöbel für den Winterschlussverkauf wohl heute schon geordert wurden?
Übrigens: Was Prozentmöbel sind, erfahren Sie unter Ziffer 9 in Clever Möbel kaufen.
Zum Schluss: Meine Ausführungen stützen sich auf die Pressemeldungen von "Süddeutsche.de" vom 06.08.04, "Rheinische Post" vom 06.08.04 und "Rheinpfalz.de" vom 06.08.04.
3. Hier Höffner - da XXXLutz: Möbelgiganten im Kleinkrieg?
Höffner/Krieger und XXXLutz zählen zu den ganz Großen der Branche (Siehe Händlerranking in Ausgabe 45 vom 06.07.04).
In Berlin lieferten sie sich eine heftige Schlacht um das Areal "Alte Rennbahn", um darauf einen Möbelpalast zu bauen. Krieger gewann.
Einer meiner Leser sandte mir einen Bericht des Fachjournals "Möbelmarkt" und forderte: "Zum Kugeln. Das MUSS einfach in Ihren Newsletter." Na dann zitiere ich ihn ...
"12.08.2004 Nürnberg/Fürth: XXXLutz blockiert Höffner-Zufahrt - Konter für Berlin?
Der Kampf der Möbelgiganten Lutz und Höffner nimmt immer skurrilere Formen an. Dies zeigt sich derzeit am Standort Nürnberg/Fürth, wo Lutz kürzlich Richtfest in seinem neuen 50.000 qm-Palast feierte und Höffner wenige Kilometer entfernt ein knapp 40.000 qm großes Möbelhaus bauen will.
Wie die 'Nürnberg Zeitung' heute meldet, hat XXXLutz über einen Strohmann in Fürth ein knapp 7.000 qm großes Grundstück erworben. Und zwar genau dort, wo eine für die Höffner-Ansiedlung unabdingbare Autobahnausfahrt hätte entstehen sollen. Der Anschluss an die A73 war eine Voraussetzung für die Zustimmung der Stadt Fürth zum Bauantrag von Höffner-Inhaber Kurt Krieger. Die 'Nürnberger Zeitung' schreibt:
'Um das Fürther Rathaus positiv zu stimmen, wollte man (Höffner, Anm. d. Red.) der Stadt die Autobahnausfahrt schenken. Der Kauf der dafür erforderlichen Grundstücke wurde, wer auch immer dafür zuständig war, aber offenbar vergessen.' Weiter heißt es dort:
'Höchstwahrscheinlich wird es wegen des Sperrgrundstücks nun zu erheblichen Verzögerungen beim Höffner-Projekt kommen. Nach Meinung von Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller würde ein eventuell notwendiges Enteignungsverfahren einen Aufschub von einem Jahr und mehr bewirken. Ohnehin kritisiert Müller, laut 'Nürnberger Zeitung', das schleppende Genehmigungsverfahren der obersten Baubehörde, das eine Realisierung des Höffner-Projekts erst in zwei bis drei Jahren realistisch erscheinen lasse.
Vielleicht ist der jüngste Lutz-Coup der Konter gegen das verlorene Duell gegen Kurt Krieger, als es um die geplante Ansiedlung von Möbel Neubert in Berlin ging. Im Sommer dieses Jahres erhielt bekanntlich Krieger für den Erwerb des entsprechenden Grundstücks den Zuschlag, obwohl es bereits einen unterschriebenen Kaufvertrag mit Möbel Neubert gegeben haben soll."
Vielen Dank, lieber Leser. Und vielen Dank "Möbelmarkt", dass ich zitieren darf.
4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Das neue Wettbewerbsrecht
An dieser Stelle werfe ich sonst immer Schlaglichter auf Unternehmen der Möbelbranche. Heute mache ich es ausnahmsweise anders. Ich richte mein Spotlight auf das rechtliche Umfeld der Branche, auf das neue Wettbewerbsrecht. Seit dem 08.07.04 ist nämlich vieles anders. "Freiheit" steht nunmehr ganz groß auf der Wettbewerbsfahne. Europa will das so. Ich übrigens auch. Hier die wichtigsten Änderungen:
- Schlussverkäufe (SSV und WSV) gibt es im Gesetz nicht mehr. Wenn der Handel SSV und WSV machen will, darf er das ohne irgendwelche Reglements. Wie es dieser Sommer zeigte, behielten die Händler die alten Gewohnheiten bei. Die Möbler sprangen mit ins Boot - teilweise.
- Sonderveranstaltungen (Räumungsverkäufe, Jubiläumsverkäufe und andere) gibt es im Gesetz auch nicht mehr. Egal, was der Handel veranstaltet, er darf es. Außer täuschen oder irreführen. Das wird bestraft - hoffentlich.
- Mondpreise sind verboten. Wenn ein (meistens durchgestrichener) "Früher"-Preis einem "Heute"-Preis gegenüber gestellt wird, muss der alte Preis tatsächlich eine angemessene Zeit berechnet worden sein. Wer prüft das?
Neulich wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Interviews, das ein Möbelournalist mit einem Rechtsanwalt eines Möbelverbandes über die neue Rechtslage führte:
Journalist: "Wenn jetzt die alten deutschen Wettbewerbszöpfe abgeschnitten worden sind, worüber wird man sich künftig hauptsächlich streiten?"
Anwalt: "Der Wirtschaft und gerade dem Handel werden durch den nationalen und den EU-Gesetzgeber immer mehr Informationspflichten dem Verbraucher gegenüber aufgebürdet. Wer nicht informiert, begeht Rechtsbruch nach §4 Ziffer 11 des neuen Gesetzes gegen der unlauteren Wettbewerb. Darüber, ob und wie man den Verbraucher im Verkaufsgespräch oder durch entsprechende Produktinfos aufklärt, darüber wird es bald viel zu streiten geben."
"Donnerwetter", dachte ich, "wie wahr!" Wenn die Möbelhändler beispielsweise noch länger verheimlichen, wer der Hersteller ihrer Möbel ist, werden die cleveren Möbelkäufer bald richtig Zoff machen.
5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Krümelmonster
Lesen Sie mal, was mir ein Unbekannter schrieb, der sich "Pimmi" nannte:
Betreff: Krümelmonster
Sehr geehrte Damen und Herren, in schwierigen Fragen des Lebens soll man sich gleich an den Fachmann wenden. So lautet ein alter Grundsatz meiner Großmutter. Was war geschehen?
Vor etwa 8 Monaten habe ich mir eine komplette Küche der mittleren Preisklasse gekauft. Leider reichte mein Geldbeutel nicht für eine Luxusküche, denn noch enger kann und will ich meinen Gürtel nicht schnallen. Doch nun habe ich ein eigenartiges Problem feststellen müssen: In der Besteckschublade befinden sich ständig Krümel und sonstiges Gedönse.
Haben Sie dafür eine Erklärung und wie kann ich dieses Problem beseitigen? Mit freundlichem Gruß Pimmi
Unter Lachtränen schrieb ich zurück:
"Hallo Pimmi, meine fachmännische Erklärung und gleichzeitig mein Rat zur Abhilfe: Sie krümeln zu viel. Lassen Sie das."
Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.
6. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
6.1. Kommen (Neueröffnungen)
Clever-Polster-kaufen
Braunschweiger Str. 38
38518 Gifhorn
Na so was. Klingt ja fast wie der Titel meiner Ratgeber. Doch hier geht es um die Immobilie. Früher war da das Möbelhaus Schlifski mit 10.000 qm Verkaufsfläche. Die Hälfte davon haben Jungunternehmer gemietet, die clever Polstermöbel verkaufen wollen. Möge es ihnen auch dann gelingen, wenn clevere Polsterkäufer kommen.
6.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)
Wasa Massivholzmöbel
factory outlet store
Poinger Str. 2
85551 Heimstetten b. München
Hochwertige Massivholzmöbel ab Fabrik direkt zum Endkunden. Und das in München. Das müsste doch ein Geschäft werden, hatte man sich damals bei Wasa in 67714 Waldfischbach-Burgalben gedacht. War wohl nix. Seit dem 01.08.04 ist der Store zu.
6.3. Bleiben(?)
A. + Co. Anderle Möbel Handelsgesellschaft mbH
Anton-Limbach-Str. 3
53567 Asbach
Die Meldung meines Informanten ist kurz: Anderle gibt auf. Ohne näher nachzufragen, denke ich an die nahe gelegene Kölner Bucht, in der sich Möbeldickschiffe massenweise drängen. Was will da ein "le" ausrichten?
Interform-Möbel Zimmermann
Lorsbacher Str. 66
65719 Hofheim am Taunus
Auch pleite. Alle Möbel, die auf den 5.000 qm Verkaufsfläche stehen, werden abverkauft.
Gulde Küchen
Max-Eyth-Str. 5
71088 Holzgerlingen
Kein Kommentar.
Mobilia living
Richard-Wagner-Platz 1
90443 Nürnberg
Pleite. Die Nürnberger Zeitung berichtete am 28.07.04: "Nach einer Inventur werden die Banken in den nächsten Tagen prüfen, ob eine Finanzierung noch möglich ist. Sollte dies nicht der Fall sein, folgt der Räumungsverkauf." Ob das so gekommen ist, konnte ich in der Kürze leider nicht in Erfahrung bringen.
Wohnwelt 2000
Himmelkronstr. 1
95445 Bayreuth
Die 18.000 qm Verkaufsfläche, schön dekoriert mit Möbeln, einfach so zu verlassen, dürfte dem Inhaber Heribert Dumler wohl nicht leicht fallen. Aber was sein muss, muss sein.
Link zum Thema:
- Ihre neuen Möbel günstig? Infos und Adressen hier.
Weitere Ausgaben Jahr 2004:
- #39 - Polster Richter, Yellow Möbel, Gütesiegel, Betten, Massivholzmöbel
- #40 - eBay, Domicil, Krieger/Höffner übernimmt Kraft, Messeküchen
- #41 - Küchenkauf, Chalet Möbel, Maxx, Räumungsverkauf, Couchgarnitur
- #42 - ÖkoControl, FSC, Küchenverbände, Boss, Möbel Kraft, Küchenplan
- #43 - Möbelprüfung, WECO Polstermöbel, Multiplex, Möbelbestellung
- #44 - Preis-Leistungs-Verhältnis, Alcantara Polstergarnituren, Elekrogeräte
- #45 - Möbelriesen 2003, Designo Möbel, WK Wohnen, POGRI, Vertrag
- #46 - Hukla-Insolvenz, Küchen-Fachmärkte, 18°Süd, African Teak
- #47 - SSV, IKEA, Möbel Höffner, XXXLutz, Möbelpreise, Wettbewerbsrecht
- #48 - IKEA, Hängeschränke, Flötotto, Küchenanbieter, Möbel Schwaab
- #49 - Möbelkauf im Internet, WK Wohnen, Möbel Kabs, Versandhandel
- #50 - Massivmöbel, Möbellieferungen, Möbelpreise, Möbelhändler, eBay


