Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #45

Designo Möbel, WK Wohnen, POGRI

Ausgabe Juli 2004 vom 06.07.04






1. Zwanzig Riesen

2. Der chinesische Preishammer

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Designo Möbel - neues Leben für eine Möbelmarke

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Vertrag ist Vertrag

5. Neueröffnungen: SOMIT Möbel Discount Sommerlad, Marburg




1. Zwanzig Riesen


Mit zwanzig Riesen bezeichnete der Volksmund zu DM-Zeiten die stolze Summe von 20.000 Deutsche Mark. Ob 20.000 € heute ebenso benannt werden, weiß ich nicht. Vielleicht ist mir da etwas entgangen.

Von Riesen und Geld sei trotzdem hier die Rede. Es geht um die Summen, die deutsche Möbelkäufer im Jahre 2003 den 20 Möbelriesen in die Kassen geschwemmt haben. Der Ferdinand Holzmann Verlag, Hamburg, hat das aufgelistet in seiner Hochglanzzeitschrift "möbel kultur", die gleichzeitig offizielles Organ des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM) ist. Na, dann schaun mer mal:

1. IKEA Deutschland (2.250 Mio. €)
65719 Hofheim-Wallau

33 Mal ist IKEA überall in Deutschland zu finden.


2. KarstadtQuelle AG (1.539 Mio. €)
45133 Essen

Katalog oder Internet sind die Medien, die Karstadt, Quelle und Neckermann zum Verkauf von Möbeln dienen. Nur in einem Haus, nämlich bei Karstadt in München, kann man die Möbel vor dem Kauf anfassen. Das Ganze läuft alles in allem recht rund.


3. Höffner-Walther-Kraft (1.356 Mio. €)

Höffner, 15732 Berlin (Waltersdorf)
Möbel Walther AG, 63584 Gründau-Lieblos
Möbel Kraft, 23795 Bad Segeberg

Das Gesamtunternehmen, das erst in diesem Jahr zur Dreifaltigkeit wurde, verteilt sich nunmehr auf 22 Standorte.


4. Porta Möbel Fahrenkamp & Gärtner (1.000 Mio. €)
32457 Porta Westfalica

Mehr als 20 Einrichtungshäuser führen Vollsortiment. 66 Mitnahmemärkte machen auf SB. Sie firmieren als Möbel Boss. Es sollen demnächst noch mehr werden.


5. Segmüller (740 Mio. €)
86326 Friedberg

Segmüller schafft den Umsatz in zur Zeit 14 Häusern. Auch deren Zahl soll größer werden.


6. Roller (687 Mio. €)
45891 Gelsenkirchen-Buer

Als Möbeldiscounter ist er der Größte. 69 Häuser liegen verstreut überall in der Republik.


7. Otto Versand Hamburg (560 Mio. €)
22179 Hamburg

Nach KarstadtQuelle der nächste große Versender. Das Versandgeschäft mit Möbeln funktioniert also nach wie vor. Besonders seit das Internet mit einbezogen ist.


8. Dänisches Bettenlager (511 Mio. €)
24941 Jarplund-Weding

Die Dänen kann man in Deutschland nicht mehr übersehen. Bei der Zahl von 470 Märkten liegt einer bestimmt nicht weit von Ihnen.


9. Lutz Unternehmensgruppe (450 Mio. €)
4600 Wels (Österreich)

Die Läden heißen XXXLutz, Neubert, Möma, Möbelix und Bono und sind bisher 21 an der Zahl.


10. Mann Unternehmensgruppe (400 Mio. €)
76131 Karlsruhe

Mann schafft seinen Umsatz an "nur" 6 Standorten: Dreieich, Freiburg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Mannheim und Wiesbaden.


11. Domäne Einrichtungsmärkte (300 Mio. €)
37181 Hardegsen

Domäne ist in Deutschland zur Zeit 30 Mal zu finden.


12. Schaffrath (290 Mio. €)
41238 Mönchengladbach

Das Möbelreich umfasst unter anderem 4 Einrichtungshäuser, 7 Küchenmärkte, 2 K.N.A.S.T. Mitnahmemärkte und 2 Mal "design collection", ferner 4 Häuser mit Namen Knuffmann. Und das alles liegt in Nordrhein-Westfalen.


13. Ostermann (290 Mio. €)
58453 Witten-Annen

Ostermann machts im Ruhrpott, und zwar in Witten und Bottrop. Halt, stimmt nicht ganz. Ein Haus liegt in Haan/Rheinland.


14. Zurbrüggen (283 Mio. €)
59423 Unna

Nicht nur mit dem Ursprungsnamen, sondern auch mit Z2 und Osca (als Discounter) orientiert sich dieser Möbelriese mehr nach Norddeutschland.


15. Möbel Martin (265 Mio. €)
66130 Saarbrücken

Mit 8 Häusern an der Saar und in der Pfalz macht dieser Preisbrecher es den Nebenbuhlern schwer. Und den Möbelkäufern leicht? Mitnichten. Nur, wenn man clever Möbel kauft.


16. Poco Einrichtungsmärkte (241 Mio. €)
59192 Bergkamen

In 16 Europa-Möbel-Häusern von Ahlen bei Hamm Richtung Westen bis Krefeld und ein Mal in Hannover schreibt Poco diesen Umsatz.


17. Dodenhof (235 Mio. €)
28866 Posthausen

Nach dem Besuch in den Häusern bei Bremen und bei Hamburg lassen die Hansestädter Möbelkäufer durchaus eine beachtliche Menge Geld zurück.


18. Möbel Finke (230 Mio. €)
33104 Paderborn

Westfalen und Hessen ist das Spielfeld für die insgesamt 12 Finke-Häuser, die sich auch je nach Vertriebskonzept Mega-In-Markt, Preisrebell und Xara nennen.


19. Kröger - Möbelstadt Rück (230 Mio. €)

Möbel Kröger, 45127 Essen
Möbelstadt Rück, 46047 Oberhausen

Familienbande umschlingen diese beiden und machen sie so zum Riesen. Ferner hat sich anscheinend gelohnt, dass die Gruppe frühzeitig nach Osten aufgebrochen ist (Schwerin und Neubrandenburg).


20. Hiendl Wunderland des Wohnens (210 Mio. €)
94036 Passau

Ein Werbegag-Volltreffer hat Hiendl fast überall in der Bundesrepublik bekannt gemacht. Trotzdem fährt aus diesem Grunde keiner zum Beispiel von Flensburg nach Augsburg, Neuötting, Passau, Regensburg oder Rosenheim. Dennoch: Die Millionen bringen auch die Bayern.


So, das wärs. Wem 20 Riesen noch nicht genug sind, dem seien noch die Möbler im "Umsatzkorridor" 100 - 200 Mio. €, gewissermaßen die kleinen Riesen, aufgezählt:

Möbel Rieger (190 Mio. €)
73037 Göppingen

Inhofer (190 Mio. €)
89250 Senden

Braun MC (160 Mio. €)
72770 Reutlingen

Sommerlad (120 Mio. €)
35390 Gießen

Hardeck (110 Mio. €)
44803 Bochum

Tejo Möbel (100 Mio. €)
38640 Goslar

Biller (100 Mio. €)
08523 Plauen

Rösrather Möbelzentrum (100 Mio. €)
51503 Rösrath


Vielleicht will noch jemand wissen, wie der Umsatz der 20 Riesen einzuordnen ist in den Gesamtbetrag aller Möbelkäufe im Jahre 2003: Die Deutschen zahlten für ihre Möbel 29,37 Milliarden €. Die Riesen nahmen sich davon einen Anteil von 41%.

Ausführlichere Infos, Links und Adressen zu diesen und weiteren Möbelhändlern finden Sie auf der Übersichtsseite Möbelhäuser.




2. Der chinesische Preishammer


Der Preishammer ist ein Werkzeug der Werbetexter. Sie malen damit ein Bild, auf dem der Preis wie mit einem Hammer kurz und klein geschlagen wird.

Der chinesische Preishammer aber ist anders. Wenn der niedersaust, schnellt der Preis in die Höhe - wie der Lukas auf einer Kirmes beim Spiel "Hau den Lukas".

Der Lukas in unserem Bild ist der Rohstoff Stahl. Stahl ist beim Möbelbau heute fast unverzichtbar. Man denke nur an die Beschläge. Das sind diejenigen Kleinteile, welche die Möbel überhaupt erst zusammenhalten. Auch das Innenleben von Polstermöbeln und Matratzen ist vielfach aus Stahl (Federkerne). Ferner ist Stahl oft ein Gestaltungselement, zum Beispiel bei Gartenmöbeln oder Couchtischen. Besonders häufig verwendet man Stahlkonstruktionen bei Büromöbeln.

Die Büromöbel-Hersteller sind es auch, die gegenwärtig laut schreien. Weil Stahlpreise inzwischen nur tageweise gelten, korrigieren die Zulieferer ihre Preise ständig nach oben. An den Endverbraucher lässt sich das aber so ohne Weiteres nicht durchreichen. Ein Preishammer der besonderen Art also.

Und warum ist dieser Preishammer chinesisch?

Weil Chinas Volkswirtschaft in allen Bereichen enorm wächst und dabei viel Stahl braucht - mehr als derzeit weltweit produziert werden kann. Die deutschen Stahlkocher profitieren. Die deutschen Stahlverarbeiter, die auch Stahl kaufen müssen, stöhnen. Auch die Zulieferer der Möbelindustrie gehören dazu.

Der Witz dabei ist: China ist das Lieblingsland der deutschen Möbelexporteure. Die Chinesen kaufen also nicht nur Stahl, sondern auch deutsche Hochwertmöbel en masse. Und das wiederum füllt Möbelherstellern und Zulieferern die Kassen.

Wir können demnach ruhig abwarten, ob der chinesische Preishammer solch einen langen Stiel bekommt, dass er auch uns Möbelkäufer trifft. Mit unserer Strategie des Fünf-Schritte-Möbeldeals (s. Clever Möbel kaufen) schwingen wir sowieso den Gegenhammer. Der ist weder chinesisch noch deutsch. Er ist einfach nur clever.




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Designo Möbel - neues Leben für eine Möbelmarke


Designo Einrichtungen
Im Gefierth 9 a
63303 Dreieich
Designo Möbel


Designo Möbel gibt es bereits seit 1970. Der Name nistete sich ein in das Bewusstsein der Möbelkäufer als exklusive Möbelmarke, die nur für teures Geld in Designerläden zu haben ist: Moderne Polstermöbel, Betten, Kastenmöbel in gekonnter Aufmachung und von hoher Qualität.

Ungefähr 20 Jahre dauerte solche Herrlichkeit. Dann aber kreiste plötzlich der Pleitegeier. Rettung kam von einer anderen bekannten Möbelmarke, vom ebenfalls exklusiven Modellverband WK Wohnen. Doch unter deren Herrschaft kam Designo Möbel nicht richtig auf die Füße. Der Bekanntheitsgrad als Möbelmarke blieb zwar hoch, der Umsatz allerdings nicht. Vielleicht lag es daran, dass es auch WK Wohnen immer schlechter ging.

In den Jahren 2001/2002 wurde der Abwärtsstrudel so stark, dass der WK Verband schon das Aus vor sich sah und die Vertragshändler starr vor Schreck wurden.

Wieder kam ein Retter: Die Verbundgruppe MHK (Marketing Handel Kooperation) in 63303 Dreieich, die damals vorwiegend in Küchen machte. Musterhausküchen ist das Vorzeigeobjekt.

MHK brachte zuerst WK auf Vordermann. Jetzt ist Designo dran. Der immer noch bekannten Marke wird neues Leben eingehaucht. Dazu braucht man zuerst neue tolle Möbelmodelle. Die sind inzwischen da. Sie werden gebaut zum Beispiel von Machalke (Polster), Ruf (Polsterbetten) und Nolte Germersheim (Kastenmöbel).

Dann braucht man ein Vertriebskonzept, das die Marke in den Umsatzhimmel schießt. Es müssen exklusive Handelspartner her, die man zu Preisdisziplin verdonnern kann.

Etwa 150 solcher Möbler sollen inzwischen unter Vertrag sein. Man hört, dass auch Riesen dazu zählen, wie Segmüller, Möbel Martin, Inhofer, Hardeck und Zurbrüggen. Natürlich machen zahlreiche WK Häuser mit. Die Handelspartner erhalten Gebietsschutz, das heißt in ihrer Region wird niemand anders mit Designo Möbel beliefert. Sie dürfen aber auch keine Preiszugeständnisse an die Möbelkäufer machen. Rabatt verboten.

Der Verkauf soll am 01. September 2004 starten. Ganz exklusiv und extravagant. Mit orbitanten Preisen, die unbedingt im Orbit bleiben sollen. Um das zu erreichen, hat man vielleicht sogar eine Strategie entwickelt, wie man den cleveren Möbelkäufern begegnet, die ja den Deal auf besondere Weise anpacken. Wie die das machen, ist kein Geheimnis. Denn das kann man nachlesen im 7. Kapitel des Ratgebers Clever Möbel kaufen.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Vertrag ist Vertrag


Es erreichen mich immer wieder viele Zuschriften, die an eine Kernfrage rühren, die der Volksmund bezeichnet mit "Vertrag ist Vertrag". Ich wähle mal eine Mail nach dem Zufallsprinzip aus. Es schreibt Rita Gabriel (Name geändert):

Betreff: Kann ich den Computerschrank zurückgeben?

Ihr Buch habe ich bereits gekauft. Trotzdem eine Frage: Wir haben uns im Möbelhaus einen Computerschrank gekauft (Wir konnten das gute Stück allerdings nur im Katalog anschauen). Nun wurde es geliefert und wir sind über die "wahrhaftige" Größe und auch das Design sehr enttäuscht. Das schlimmste aber ist, es passt nicht in unser Wohnzimmer. Es nimmt viel zu viel Raum ein.

Welche Möglichkeiten haben wir, dieses Möbel zurückzugeben und uns evtl. einen anderen Computerschrank auszusuchen? Im Übrigen war er sehr teuer (600 €, Ahorn Furnier). Wichtig ist vielleicht noch der Hinweis, dass wir ihn schon vor ca. 4 Wochen erhalten haben, er aber ungenutzt und abgedeckt im Wohnzimmer steht, da wir seit dieser Zeit die gesamte Wohnung renovieren und uns komplett neu einrichten möchten. Für eine Antwort danke ich Ihnen im voraus.



Meine Antwort konnte nur kurz sein:

"Hallo Frau Gabriel, ein Rückgaberecht besteht meines Erachtens wohl nicht. Ich würde aber beim Möbler vorsprechen und über einen Umtausch aus Kulanz verhandeln. Wenn Sie dabei auf Ihre bevorstehenden weiteren Möbelkäufe hinweisen, müsste das klappen."


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel


5.1. Kommen (Neueröffnungen)


SOMIT Möbel Discount Sommerlad
Am Bahndamm 1
35041 Marburg-Wehrda

Mit diesem 5.000 qm großen SB-Laden verstärkt Sommerlad (24. beim Möblerranking 2003) seine Discount-Aktivitäten. Alles was Möbel ist, ist da und ist (angeblich) billig. Billig ist sowieso die Masche der Läden im Kaufpark Marburg-Wehrda: Von Aldi über Obi, Deichmann, Hammer bis Mega Optik sind die "Billigheimer" fast aller Branchen da.



5.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)


POGRI Polstermöbel
Parkstr. 2
01558 Großenhain (Sachsen)
POGRI Polstermöbel

mit den Verkaufsstellen

Polsterhimmel Elsterwerda
Burgstr. 1
04910 Elsterwerda

Polsterhimmel Oschatz
Nossener Str. 5
04758 Oschatz

Polsterhimmel Lauchhammer Ost
Freifrau-von-Löwenthal-Str. 2
01979 Lauchhammer

POGRI
Lützener Str. 45-47
04177 Leipzig

POGRI
Bergmannstr. 52 A
01309 Dresden

Der Verkauf ab Fabrik dieses sächsischen Polstermöbel-Herstellers ließ sich anfangs gut an. Nun aber ist wohl der Himmel eingestürzt. Die direkte Vermarktung in den eigenen Verkaufsstellen wird mit einem Abverkauf beendet.

Nachtrag: Die Firma firmiert neu seit 01.08.2004 unter dem Namen POGRI Polster und Möbel GmbH und betreibt den Polstermöbel-Werksverkauf in Dresden, Leipzig und Großenhain.


Einrichtungshaus Theissen
Am Gorzberg
17489 Greifswald

Aßmann Möbel
Bürstoß 2
34212 Melsungen

Möbel Meyer Einrichtungszentrum
Königstr. 443
32427 Minden

Möbelhaus Ralph Lehmann
Allmendstr. 16
74629 Pfedelbach

Als Kommentar zum Abgang dieser 4 kleineren Möbler fällt mir nicht mehr ein, denn: Es ist halt so.


Möbel Hagner
Neckargartacher Str. 101
74080 Heilbronn

"Europa-Möbel" prangt am Möbelhaus, das immerhin 15.000 qm Verkaufsfläche umfasst. Ebenso ist Musterring im Sortiment. Doch auch für solche Häuser geht es manchmal nicht mehr weiter. Der Inhaber wird wissen warum. Ein Räumungsverkauf setzte jetzt den Schlusspunkt.



5.3. Bleiben(?)


Möbel Mutschler (Möbel Walther AG)
89231 Neu-Ulm

Kurt Krieger (Möbel Höffner), der bei Möbel Walther und damit auch bei Möbel Mutschler das Sagen hat, wollte den Verlustbringer ausknipsen. Alte Verträge verpflichten jedoch zum Fortbestand. Es wurde zwar noch mächtig getrickst, aber die Fortführungsverpflichtung ließ sich dadurch nicht beiseite schieben. Jetzt soll es also im Haupthaus konzentriert weitergehen, wie das bei einem Vollsortimenter dieser Größe so üblich ist. Nebenschauplätze wie Discount und News wird es allerdings nicht mehr geben.




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