Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #44

Ausgabe Juni 2004 vom 01.06.04
1. Möbel-Preis-Leistungs-Verhältnis: Ist das Mathematik oder was?
2. Verkäuferschulung: Wie man Rabattgespräche abwürgt
3. Frauen im Frühling mit Holz vor der Tür: Zurück damit zu Aldi
4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Noch mal Mathematik - diesmal für Küchen-Elekrogeräte
5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Polstergarnituren mit Alcantara-Bezug
6. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
1. Möbel-Preis-Leistungs-Verhältnis: Ist das Mathematik oder was?
Verkäufer aller Sparten wollen mich damit beschwören, wenn ich als Käufer vor ihnen stehe. Meine Leser fragen mich danach, um eine Entscheidungshilfe für ihren Möbelkauf zu erhalten. Überall schwirrt er herum, der so beliebte wie nebulöse Begriff "Preis-Leistungs-Verhältnis".
Es klingt so rational, ja gar mathematisch und damit objektiv und unbestechlich, wenn jemand sagt: "Das ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis". Dennoch hat mir bisher niemand schlüssig erklären können, was er damit eigentlich meint. Ist das Verhältnis gut, wenn der Preis gut ist, obwohl die Leistung vielleicht etwas zu wünschen übrig lässt? Oder ist es auch gut, wenn der Preis vielleicht gar nicht gut ist, aber die Leistung hochwertig ist? Was ist wann gut? Was ist wann schlecht?
Manche Texter geben dem Preis-Leistungs-Verhältnis das Attribut "fair". Das ist ja noch schlimmer! Wann wäre solch ein Verhältnis unfair? Oder es heißt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis "stimmt". Was heißt stimmt? Oder: Es ist "attraktiv". Attraktiv für wen?
Vorweg gesagt: Ich halte ganz und gar nichts von diesem Verhältnis. Praxisbeispiele verdeutlichen meine Haltung.
- Ein Möbeldiscounter kauft Polstergarnituren 3-2-1 (3-Sitzer, 2-Sitzer, Sessel) im neuen EU-Land Polen für 289,00 € netto ein und verscherbelt sie für 798,00 €. Das junge Pärchen mit 2 Kindern, das diese Garnitur kauft, nutzt und strapaziert sie 5 Jahre lang und ist damit zufrieden. Anschließend zieht es in eine Eigentumswohnung und richtet sich neu ein.
- Ein Polsterspezialhaus verkauft eine Markengarnitur 3-2-1 mit einem Alcantara-Bezug, die es für 2.300 € eingekauft hatte, für 4.800,00 € an ein älteres Ehepaar. Nach drei Jahren ist der Bezug an verschiedenen Stellen durchgescheuert.
Und nun meine Frage: Mit welchem Wert wäre in diesen Fällen das Preis-Leistungs-Verhältnis anzusetzen? Vielleicht schreibt ein angehender Betriebswissenschaftler seine Diplomarbeit darüber und findet eine gängige mathematische Formel.
Nee, lassen wir das lieber. Wir bleiben bei unseren bewährten Methoden. Wir prüfen die Qualität (als den einen Teil der Leistung) mit unseren bewährten Tests und gehen anschließend auf unseren Preis und die weiteren Konditionen (als den anderen Teil der Leistung) los. Was dabei heraus kommt heißt: Cleverer Möbelkauf, siehe Clever Möbel kaufen. Das ist mehr als ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
2. Verkäuferschulung: Wie man Rabattgespräche abwürgt
Rabattgespräch. Wieder ein Begriff, den ich gar nicht mag. Die Möbler mögen ihn auch nicht - aber aus anderen Gründen.
Möbelhäuser schicken ihr Verkaufspersonal zu Verkaufstrainern, die sie fit machen sollen, den Rabattjägern erfolgreich zu begegnen. Erfolgreich in dem Sinne, dass trotz allem möglichst oft ein Kaufabschluss mit möglichst wenig Preisnachlass zustande kommt. Vereinfacht gesagt, vermitteln solche Trainer ihrer Klientel die Fähigkeit zur Sturheit und zum Blabla gegenüber dem Verbraucher.
Inzwischen werden die Möbelverkäufer aber auf eine neue Masche getrimmt: Den Kreditköder auszulegen. Ausgangslage ist die Erkenntnis der Möbler und mancher Banker, dass insbesondere das pfiffige junge Publikum, das auch gerne bei den Möbeldiscountern kauft, besonders kreditaffin ist. Manche Discounter machen bereits 20% ihrer Umsätze kreditfinanziert. Auf Altdeutsch: Sie verkaufen Möbel auf Ratenzahlung.
Wenn demnächst ein Youngster beim Möbelkauf Rabatt rausschlagen will, sagt man ihm vielleicht: "Wir haben was Besseres! Hier ist unsere Möbelkreditkarte. Die funktioniert wie die Mastercard oder VISA. Ihr Geld, das vielleicht sowieso für Ihr Wunschmöbel nicht reicht, brauchen Sie gar nicht anzuzapfen. Den ersten Kauf mit der Möbelkreditkarte zahlen Sie in bequemen Raten zurück. Bei weiteren Möbelkäufen können Sie frei disponieren."
Und schon ist Rabatt raus aus der Debatte. Außerdem: Wer darauf eingeht, wird Dauerkunde.
So jedenfalls hoffen es die Möbelhäuser, die dem Verband Europa-Möbel angehören, und ferner der Möbelriese Zurbrüggen mit seinen Filialen. Zusammen mit der Cetelem Bank (dahinter stehen Frankreichs BNP und Deutschlands Dresdner Bank) haben sie diese Rabatt-Vermeidungsstrategie ausgeheckt.
Den cleveren Möbelkäufer lässt das kalt. Mit Rabatt hat er sowieso nichts am Hut. Er geht ganz anders vor: Clever Möbel kaufen.
Dabei lässt er nicht außer Acht, dass im Einzelfall der Kauf per Möbelkreditkarte durchaus Sinn machen kann. Nämlich dann, wenn er nicht ganz sicher ist, ob er richtig gekauft hat. Vom Kauf auf Raten kann er binnen 14 Tagen zurücktreten.
3. Frauen im Frühling mit Holz vor der Tür: Zurück damit zu Aldi
Im Frühjahr, das leider für dieses Jahr bald entschwunden sein wird, geben die Frauen den Ton an, wenn es um die Garten-und Terrassengestaltung geht. Bei 83% der deutschen Paare ist das so. Gartenmöbel aus Holz spielen dabei eine große Rolle, so www.infoholz.de
Und schon reitet ROBIN WOOD heran und ruft: "Meidet tropische Raubbau-Möbel. Besonders diejenigen von den Lebensmittel-Discountern. Wal Mart und Plus zum Beispiel. Deren Gartenmöbel sind aus den Hölzern Bangkirai oder Meranti. Sie stammen aus den Naturwäldern Südostasiens, die in atemberaubenden Tempo vernichtet werden!" (Zitat www.robinwood.de)
Auch Aldi Nord verkaufte Gartenmöbel aus dem Tropenholz Meranti. ROBIN WOOD konnte trotz publikumswirksamer Protest-Aktionen vor Berliner Aldi Filialen nicht heraustrotzen, wie und wo das Holz geschlagen wurde. Aldi schwieg.
Deshalb der Appell der Helden von ROBIN WOOD: "Frauen im Frühling mit Aldi-Holz vor der Tür - bringt die Gartenmöbel bitte zu Aldi zurück!" (Zitat www.ngo-online.de, Internet-Zeitung vom 21.05.04).
4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Noch mal Mathematik - diesmal für Küchen-Elekrogeräte
Der Artikel über die Küchen Elektrogeräte ist verschoben worden - zum Nachlesen bitte hier klicken: Küchen Elekrogeräte
5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Polstergarnituren mit Alcantara-Bezug
Passend zu meinen obigen Ausführungen zum Preis-Leistungs-Verhältnis erhielt ich folgende E-Mail:
Wir haben eine Alcantara-Polstergarnitur der Firma xy (Markenhersteller, soll auf Wunsch des Schreibers anonym bleiben). Die Garnitur ist knapp 3 Jahre alt und zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen, das heißt aufgeriebene Flächen. Ich bin der Meinung, dass bei normalem Gebrauch derartige Abnutzungserscheinungen nach so relativ kurzer Zeit bei solchen Polstergarnituren eigentlich nicht vorkommen dürften, zumal man uns beim Kauf versicherte, dass gerade Alcantara besonders strapazierfähig sei. Wir hatten zuvor eine Polsterganitur von yz (ebenfalls anonym auf Wunsch des Schreibers), die nach 20 Jahren kaum Abnutzungserscheinungen zeigte. Was können wir unternehmen? Für Ihre Antwort herzlichen Dank. M. Stichau
Ich mailte zurück:
Hallo Herr Stichau, ich würde zunächst an den Möbelhändler persönlich herantreten und ihn bitten, hier für Abhilfe zu sorgen - was wohl letztendlich bedeutet, dass die Garnitur im Werk neu bezogen werden muss. Wenn der Möbler sich weigert und darauf verweist, dass die Gewährleistungsfrist abgelaufen ist, würde ich zu Kulanz auffordern, da xy doch gerne eine Polstermarke sein möchte.
Anschließend würde ich das Problem direkt an xy herantragen, weil man davon ausgehen darf, dass Hersteller, wenn sie zur Polstermarke werden wollen, Kundenzufriedenheit besonders auf ihre Fahnen geschrieben haben.
Die Angelegenheit wird aber wohl nicht ohne Schriftwechsel zu erledigen sein. Musterbriefe finden Sie in meinem Ratgeber Clever Möbel kaufen.
Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.
6. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben: Kommen, Gehen oder Bleiben(?) im Möbelhandel
6.1. Kommen (Neueröffnungen)
C+P Möbelsysteme
Wertstr. 32
73240 Wendlingen
Da schrieb mir ein freundlicher Informant: "Ab 15.06.2004 startet hier ein 'echter' Fabrikverkauf. Angeboten werden Büro-, Lager- und Betriebseinrichtungen des großen deutschen Herstellers C+P Möbelsysteme, und zwar Schreibtische, Rollcontainer, Schränke, Garderobenschränke, Umkleideschränke, Golfcaddyschränke, Regale, Sichtlagerkästen. Ausstellungsfläche ca. 1000 qm. Ersparnis zwischen 30% und 70% gegenüber der Händlerpreisliste." In der Tat: C+P ist deutscher Marktführer für Garderobenanlagen und -schränke aus Stahl mit Sitz in Boxbachstr. 1, 35236 Breidenbach.
6.2. Gehen (Geschäftsaufgaben)
Einrichtungshaus Gertrud Flabb
Virchowstr. 23
65428 Rüsselsheim
Möbel Theis
Umlauf 14
58840 Plettenberg
Wenn das Geschäft nicht mehr richtig läuft, soll man rechtzeitig aufhören. Diese beiden Möbler folgen dem weisen Rat und schließen.
Link zum Thema:
- Ihre neuen Möbel günstig? Infos und Adressen hier.
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