Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #35

Ausgabe September 2003 vom 02.09.03
1. Küchenmarken: Steht der Name für Qualität?
2. Echtholzmöbel: Wer informiert Sie?
3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Möbel Mutschler - erst zu, dann offen, dann tot?
4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke:
4.1. Polstermöbelhersteller "Fedenix"?
4.2. Anzahlung zurück vom Insolvenzverwalter?
5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben
1. Küchenmarken: Steht der Name für Qualität?
Artikel über den Vergleich von Küchenmarken verschoben - zum Nachlesen bitte hier klicken: Markenküchen
2. Echtholzmöbel: Wer informiert Sie?
Massiv ist echt. Furnier ist echt mit einer Spanplatte darunter (die nicht echt ist). Spanplatte ist deshalb nicht echt, weil sie aus Holzwerkstoff und Leim besteht. Tischlerplatte wiederum ist echt, aber auch mit viel Leim.
Sagen wir lieber Vollholz. Also Holz durch und durch. Den Begriff Massivholz kann man auch noch gelten lassen.
Um Möbel aus diesem edlen Material geht es bei der "Initiative Pro Massivholz". Namhafte Hersteller haben sich zusammengetan, um demnächst eine Marketingoffensive zu starten. Ich nenne ihre Namen alphabetisch:
Bergmann - Decker - Die Holzschmiede - Incasa - Oster - Spilker - Wasa
Ich hoffe sehr, dass die Marketingoffensive auch eine Informationsoffensive wird und tatsächlich den erreicht, der Massivholzmöbel liebt und sie letztendlich auch bezahlt: Den Endkunden.
Sein Informationsbedürfnis ist groß. Der Möbelhändler beantwortet seine Fragen oft nur mangelhaft. Fragen Sie doch einmal in einem Möbelhaus spaßeshalber danach, ob das vor Ihnen stehende Massivholzmöbel auch Tischlerplatte enthält. Sie werden sich über die Antworten wundern.
Wenn also Hersteller sich nicht verstecken, den Kontakt mit dem Verbraucher nicht scheuen und direkt und kompetent informieren - umso besser. Bei einem, der Möbelmarke sein will, sollte so etwas selbstverständlich sein.
Wer nicht auf die "Initiative Pro Massivholz" warten möchte, kann einen anderen Infoweg beschreiten. In meinem eBook Die 700 wichtigsten Möbelhersteller sind fast alle Produzenten von Massivholzmöbeln zusammengefasst, mit Adresse und Internetlink. Sie können jeden dieser Hersteller per E-Mail über seine Produkte ausfragen.
3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Möbel Mutschler - erst zu, dann offen, dann tot?
Möbel Mutschler
Vorwerkstr. 6
89231 Neu-Ulm
Viel wurde über Möbel Mutschler berichtet - sowohl in der Branchenpresse als auch in den allgemeinen Medien. Zuletzt: Der Möbelpalast in Neu-Ulm mit 50.000 qm Verkaufsfläche war 5 Wochen lang zugesperrt mit der Begründung, dass Gebäudemängel die Sicherheit der Kunden gefährden. Jetzt ist der Laden aufgrund Gerichtsbeschluss wieder offen.
Ich wollte mich nicht in die Berichterstatterriege einreihen. Aber mir ist etwas aufgefallen, was bisher anscheinend noch keiner so gesehen hat. Das hat meinen Berichterstatterehrgeiz angestachelt. Worum geht es also in Wirklichkeit?
1997 kaufte der Möbelriese Möbel Walther AG von der Familie Mutschler deren Möbelunternehmen mit den Häusern in Neu-Ulm und in Fellbach. Die Immobilie in Neu-Ulm gehörte nicht dazu. Sie ist nämlich Eigentum eines Berliner Immobilienfonds. Walther stieg in den Mietvertrag ein und verpflichtete sich dem Eigentümer gegenüber, das Möbelhaus bis mindestens 2016 zu betreiben und jährlich ca. 5 Mio. € Miete zu bezahlen. In der Gesamtsumme sollen also ca. 100 Mio. € Miete in den Immobilienfond fließen.
Nicht zuletzt wegen dieser Verpflichtungen wurde Möbel Mutschler für Walther zum Millionengrab. Und: Walther selbst geriet ins Schlingern.
2001 kam ein Berliner Immobilienkaufmann und Möbelunternehmer als Retter daher: Kurt Krieger, Chef des Möbelriesen Höffner. Er übernahm die Walthersche Aktienmehrheit und hatte damit das Sagen im Konzern. Aus der Möbelbranche hörte man daraufhin, Krieger sei wohl der Richtige, um das Leck geschlagene Walther-Schiff wieder flott zu machen.
Ich aber glaube, dass Krieger etwas ganz anderes vorhat: Er will Geld machen nicht durch den Verkauf von noch mehr Möbeln mittels Walther, sondern durch die Verwertung von Möbelfirmen, die er zuvor als Sanierungsfälle günstig an Land gezogen hat. Solche Verwertung hat ein bewährtes Muster:
- Den Braten teilen: Das kostet meistens kein eigenes Geld
- Faule Bratenstücke entsorgen: Das kann etwas kosten, wird aber meistens abgewälzt
- Die Filetstücke gesund braten (sanieren): Das kostet wieder kein eigenes Geld
- Die Filetstücke verkaufen: Das bringt das große Geld
Inzwischen ist mir zu Ohren gekommen, dass ein amerikanischer Investor die Einzelheiten einer Übernahme der Möbel Walther AG recherchiert. Da haben wir es: Der Verkauf von Filetstücken ist bereits angeleiert.
Zuvor muss natürlich Möbel Mutschler als faules Bratenstück herausgeschnitten sein. Genau darauf zielt das derzeit in Neu-Ulm inszenierte Spiel. Wenn auch im Moment der Immobilienfond mit gerichtlicher Hilfe die Weiterführung des Möbelverkaufs erreicht hat, seine Miete bis zum vertraglichen Ende (nach meiner Rechnung noch insgesamt etwa 65 Mio. €) hat er damit keineswegs im Sack. Ich wage zu prophezeien, dass es nur eine Frage kurzer Zeit ist und das Spielergebnis lautet: Mutschler ist tot.
Gegenwärtig ist bei Möbel Mutschler allerdings Highlife wie bei einem Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Die Besucher strömen nur so hinein. Und das alles ohne Werbung! Wie kann das sein?
Ja, so sind die Verbraucher halt. Es hat sich herumgesprochen, dass ein großer Möbler in Not ist. Also lässt sich da vielleicht ein Schnäppchen machen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Kann man denn tatsächlich jetzt bei Mutschler ein Schnäppchen machen? Meine Antwort: Nur dann, wenn man nach dem cleveren 5-Schritte-Möbel-Deal vorgeht, siehe Clever Möbel kaufen.
4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke:
4.1. Polstermöbelhersteller "Fedenix"?
Ich musste lächeln, als ich die folgende E-Mail erhielt: Immer noch das alte Spiel. Der Möbelhandel spielt es variantenreich weiter ...
Ich habe heute Vormittag von Ihnen das Buch Clever Möbel kaufen bestellt. Anbei habe ich auch eine Liste mit Möbelherstellern erhalten. Ich habe mir eine Polstergarnitur ausgesucht und mir wurde als Hersteller "Fedenix" genannt. Ich kann diesen Hersteller weder im Internet finden, noch ist er auf Ihrer Liste aufgeführt. Kennen Sie diesen Hersteller "Fedenix" oder ist das nur eine Erfindung des Verkäufers?
Ich antwortete schnell:
Hallo Frau Neuner, einen Polsterhersteller 'Fedenix' kenne ich nicht. Ich bin auch der Meinung, dass der Verkäufer diesen Namen erfunden hat, um nix zu verraten. Aber Sie kennen ja nun die Tricks, wie Sie den Hersteller dennoch herausfinden.
4.2. Anzahlung zurück vom Insolvenzverwalter?
Auch das leidige Thema Anzahlungen oder gar Vorauszahlungen des gesamten Kaufpreises findet kein Ende. Das Möbelhaus, um das es hier geht, machte pleite (siehe unter "Geschäftsaufgaben", 5.2.). Ich erhielt folgende Mail:
Durch Zufall fand ich Sie und die Newsletter auf meinem Bildschirm. Was ich da las, veranlasst mich, Ihnen die Kopie eines Schreibens von uns in ähnlicher Angelegenheit zu senden und Sie zu bitten, sich dazu rückzuäußern. Vielen Dank. Auszug aus dem genannten Schreiben, gerichtet an den Insolvenzverwalter:
... Wir stellen hiermit Antrag auf Aussonderung unserer Forderung in Höhe von 3.298,-- € aus dem "Vermögen" des Schuldners Möbelhof und auf unverzügliche Auszahlung dieses durch den Möbelhof widerrechtlich zurückgehaltenen Betrages. Unsere Forderung ist wie folgt begründet: Am 30.05.2003 haben wir im Möbelhof Lichterfelde in 12207 Berlin, Ostpreußendamm 84a-85a, mit Kaufvertrag Nr. xxxxx die Herstellung und Lieferung einer Polstergarnitur mit Tisch in einem von uns ausgesuchten, vertraglich fixierten Stoffmuster vereinbart. Ein angenehmes, intensives, aufrichtig scheinendes, ausdauerndes Interesse des Verkäufers an unserem Bedarf und ein (angeblich) "besonderer Rabatt" veranlassten uns zum Abschluss eines schriftlichen Kaufvertrages und zur Vorauszahlung des gesamten Kaufpreises von 3.298,-- € ...
Ich hätte den Leser ja am liebsten ausgeschimpft. Aber ich wollte seinem Unglück nicht noch ein weiteres hinzufügen und schrieb:
Hallo Herr Kuhn, so etwas ist schon eine Sauerei, kommt aber leider häufig vor. So wie ich das sehe, kann man nicht mehr tun als Sie bereits getan haben. Sie müssen sich leider weiterhin mit dem Insolvenzverwalter auseinandersetzen.
Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.
5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben
5.1. Neueröffnungen
2F Einrichtungen
Luitpoldplatz
95444 Bayreuth
Auf 2.200 qm Verkaufsfläche in der Schlossgalerie hochwertige Markenmöbel verkaufen? Ganz schön mutig sind die Brüder Rüdiger und Siegbert Feilner. Aber wer weiß. Die City-Lage kann der große Vorteil sein.
5.2. Geschäftsaufgaben
Möbelhof am Rathaus Steglitz
Ostpreußendamm 84a-85a
12207 Berlin
Die Berliner wissen es: Das Möbelhaus liegt nicht in Steglitz, sondern in Lichterfelde. Außerdem wissen sie inzwischen: Die Inhaber Andrek und Moldenhauer können nicht mehr zahlen. Möbel liefern sie wohl auch nicht mehr. Die hohen Anzahlungen und kompletten Vorauszahlungen gutgläubiger Möbelkäufer sind wahrscheinlich futsch. Der Insolvenzverwalter muss jetzt alles richten (siehe oben). Er wird wahrscheinlich auf die Idee kommen, mit einem Räumungsverkauf noch einiges Geld hereinzuholen. Nachtrag 28.04.05: Die Insolvenz wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Die Firma Möbelhof am Rathaus Steglitz besteht weiterhin unter obiger Adresse mit denselben Inhabern.
Möbel Meyn
Hauptstr. 104-108
21629 Neu Wulmsdorf
Der Abschied ist kein richtiger. Die Insolvenz macht lediglich klar Schiff. Profan ausgedrückt: Schulden werden abgedrückt und ein neues Vollsortiment an Möbeln anders hingerückt. Dann sollen die 15.000 qm Verkaufsfläche im Süden von Hamburg wieder kräftig Möbelkäufer anlocken.
Möbel SB Lagerkauf Haiger
Am Schimberg 11
35708 Haiger
Eberhard Franz ist der Geschäftsführer. Er musste Insolvenz anmelden. Für Insider ein Treppenwitz der Möbelgeschichte: Eberhard Franz machte so etwas vor Jahren schon einmal. Damals aber mit einer riesigen Kette von Filialen mit dem Namen Möbel Franz.
Einrichtungshaus Eusterbrock
Lindenallee 59
45127 Essen
Das Haus ist Tradition im Zentrum der Ruhrmetropole. Tradition ist naturgemäß alt. Und wenn nichts Junges kommt, vergeht sie. So auch bei diesem feinen Möbelhaus. Nun soll das letzte Sortiment unter die Leute gebracht werden.
Möbel Mammut Beck
Hauptstätter Str. 111
70178 Stuttgart
Auf 15.000 qm Verkaufsfläche stehen hier die Möbel. Aber Beck hat die Nase voll davon. Er verkauft sie ab und macht Schluss.
NOW! STORE Der Möbelladen
Rheinstr. 19
76275 Ettlingen
Möbel mit der Bezeichnung Now!? Irgendwie kennt man das doch? Richtig: now! by Hülsta. In der Tat war dies ursprünglich ein Hülsta-Laden. Nunmehr verabschiedet er sich mit einem Räumungsverkauf. Wer hier ein Markenschnäppchen sucht, kennt hoffentlich die Hülsta-Preise, um schnell festzustellen, ob die Reststücke auch echt reduziert sind.
Link zum Thema:
- Ihre neuen Möbel günstig? Infos und Adressen hier.
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- #38 - Möbelkauf, Parador, Tempur, Sudbrock, Rücktritt vom Vertrag


