Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #34

von Heinz G. Günther

gebrauchte Möbel, Troc, Frommholz Polstermöbel, Umfrage, LWW-Maut

Ausgabe August 2003 vom 05.08.03

1. Gebrauchte Möbel: Wohin damit?

2. LKW-Maut und Möbel: Wer zahlt?

3. Umfrage: Möbel und Straßenbau ...

4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Frommholz Polstermöbel - durch und durch deutsch

5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben

1. Gebrauchte Möbel: Wohin damit?

Die Frage ist uralt. Beispielsweise beim Kauf neuer Möbel kommt sie auf: "Was mache ich mit den gut erhaltenen alten?" Oder: Omas schöne Erbstücke vergammeln irgendwo auf dem Dachboden. Muss das sein?

Ich möchte die Sache einmal ganz hoch aufhängen: Gute alte, gebrauchte Möbel sind Kulturgüter und man muss sie ehren. Manchmal kaum benutzt, sind sie oft von einer Qualität, die heutzutage ihresgleichen sucht. So etwas wirft man nicht einfach auf den Sperrmüll - abgesehen davon, dass dies vielerorts sogar Geld kostet. Im Gegenteil: Man sollte gebrauchte Möbel zu Geld machen. Aber wie?

Möglichkeiten gibt es durchaus. Man kann zum Beispiel

  • Käufer über Kleinanzeigen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern suchen (die bisher wohl am häufigsten genutzte Möglichkeit), z.B. bei "Der heiße Draht"
  • beim Neukauf die alten Möbel in Zahlung geben (eine eher seltene Möglichkeit)
  • die Möbel an spezielle Aufkäufer abgeben (wohl nur eine Möglichkeit für echt antike Stücke)
  • die Möbel auf Flohmärkten anbieten (wohl nur eine Möglichkeit für Kleinmöbel)
  • die Möbel im Internet versteigern (eine zur Zeit stark genutzte Möglichkeit), z.B. bei eBay

Aber die Erfolge bleiben mäßig. Ein allgemein florierender Geschäftszweig für gebrauchte Möbel hat sich aus alldem bisher nicht entwickelt. Bisher. Denn jetzt kommt jemand mit einer Vision daher, die ich einmal so formulieren möchte:

"Qualitativ hochwertige Gebrauchtmöbel und andere Gebrauchtwaren können einer breiten Bevölkerung einen besseren und schnelleren Weg zu mehr Lebensqualität bieten. Man muss nur eine flexible An- und Verkaufskette aufziehen."

Der so spricht, heißt Jan Pierre Boudier, ist Franzose und hat aus seiner Vision sogleich ein Konzept entwickelt: Gebrauchtwarenhandel als Kommissionsgeschäft. Mit seinem Unternehmen Troc International setzt er es konsequent um und ist inzwischen außer in Frankreich in Luxemburg, Belgien, Spanien und der Schweiz mit 140 Geschäften vertreten: http://www.troc.com

Klar, dass auch Deutschland an die Reihe kommt. In Freiburg und Bonn gibt es bereits Troc-Läden. Es sollen viel, viel mehr werden. Fleißig werden Franchisenehmer zu Experten für gebrauchte Möbel geschult. Sie sollen unser Land mit einer Ladenkette für An- und Verkauf von Möbeln überziehen. In diese Läden sollen die Leute ihre alten Möbel bringen. In Kommission geben, nennt man das. Altmöbelbesitzer werden somit zu Kommittenten, die Troc-Läden sind die Kommissionäre.

Geld gibt es jetzt aber noch nicht. Das fließt erst dann, wenn andere Leute die gebrauchten Schätzchen gekauft haben. Kommissionäre und Kommittenten teilen die Moneten unter sich auf. In welchem Verhältnis?

Es ist die Rede von 70-30: 70% für den Kommittenten, 30% für den Kommissionär. Für den Altmöbelbesitzer hört sich das doch ganz gut an.

Ich glaube, wenn die Begehrlichkeiten erst einmal richtig geweckt worden sind, können Gebrauchtmöbel Profit für drei Personenkreise bringen: Für die Vorbesitzer (Kommittenten), für die Verkäufer (Kommissionäre) und für die Käufer. Letztere profitieren, weil sie für wenig Geld wertvolles Kulturgut zur Steigerung ihrer Lebensqualität erworben haben. Allerdings müssen dann auch die Gebrauchtmöbelpreise stimmen.

2. LKW-Maut und Möbel: Wer zahlt?

Ständig werden fabrikneue Möbel transportiert, vorwiegend mit Lastwagen über die Autobahnen. Ab 01.09.2003 ist dafür eine Maut zu berappen. Der Staat verlangt sie von dem, der die Laster auf die Straße schickt.

Einmal sind das die Möbelfabrikanten, die noch einen eigenen Fuhrpark unterhalten. Aber die Maut bleibt auch an denjenigen hängen, die ihre Neumöbel an Spediteure übergeben. Denn diese berechnen die Maut weiter.

Klar, dass die Möbelhersteller die staatlich verordneten Kosten gerne weiterreichen möchten - zumindest teilweise. Also beginnt ein brancheninternes Hickhack:

Die Hersteller bitten die Einkaufsverbände, einen Deckungsbeitrag zu den Mautkosten zu leisten, der in den Rechnungen als Sonderposten ausgewiesen wird. Die Verbände lehnen ab und verweisen darauf, dass Anfang 2004 sowieso die Preise neu verhandelt würden. Dann könne auch der Kostenpunkt Maut eingerechnet werden. Bis dahin aber möge alles beim alten bleiben. Sprich: Vier Monate lang lastet die Maut allein auf Herstellerschultern (Anmerkung: Gerade meldet das Verkehrsministerium, dass die Einführung der Maut um 2 Monate verschoben wird).

"Preise neu verhandeln" heißt im Klartext meistens "Preise erhöhen". Inwieweit die Hersteller Preiserhöhungen durchsetzen können, wird sich erweisen. Leicht wird das nicht. Denn die Möbelverbände sind nach wie vor stark darin, ihren Möbelhändlern die Handelsspannen möglichst weit zu halten.

Soweit zu den Einkaufspreisen des Möbelhandels. Was ist aber mit der anderen Seite der Handelsspanne, den Verkaufspreisen, die der Möbelkäufer zahlen soll?

Man muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass der Möbelhandel spätestens zum Januar 2004 höhere Möbelpreise in den Markt schieben wird. Sie werden über das hinausgehen, was rein rechnerisch die Maut ausmacht. Und alles wird schön verpackt (und damit versteckt) in Prozentpreisen (vorher höher - jetzt niedriger), Treuerabatte oder Sonderaktionen (zum Beispiel Personalkauf).

Was am Anfang der Kette nur staatliche Maut ist, wird am Ende der Kette zu einer saftigen Preissteigerung für den Endverbraucher. Dem Staat kann es nur recht sein, denn das steigert zusätzlich das Umsatzsteueraufkommen.

Also wird es der Möbelkäufer sein, der letztlich die Maut und mehr bezahlt? Sie dachten es sich schon, als Sie die Überschrift gelesen haben ...

Doch da ist auch noch der clevere Möbelkäufer. Der wird nach wie vor auf seine Weise auch an den neuen Preisen rütteln.

3. Umfrage: Möbel und Straßenbau ...

Kaum zu glauben, aber wahr. Das Institut für Straßen- und Verkehrswesen (!) der Universität Stuttgart führt eine Fallstudie zu den Wirkungen des eCommerce im Segment Business to Consumer (B2C) durch. Thema: Möbelkauf.

Die für die Studie verantwortliche Wissenschaftlerin, Frau Dipl.-Ing. Cordula Stoklas, hat mich um Unterstützung gebeten - was ich hiermit gerne tue.

An der Studie teilnehmen können alle, die innerhalb der nächsten vier Monate beabsichtigen, sowohl auf konventionellem Weg als auch im Internet Informationen über Möbel zu sammeln und/oder Möbel zu kaufen.

Wenn Sie sich also in den Dienst der Wissenschaft stellen möchten, melden Sie sich einfach bei Frau Stoklas. Sie erhalten dann alle notwendigen Erhebungsunterlagen zugeschickt. Den Teilnehmern winkt sogar ein Bonbon in Form eines Einkaufsgutscheins:
www.uni-stuttgart.de/isv/sus/deutsch/forschung/b2c_fallstudien.html

4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Frommholz Polstermöbel - durch und durch deutsch

Frommholz Polstermöbel
Industriezentrum 14-20
32139 Spenge
Frommholz Polstermöbel


Die Polster sind edel, hochwertig und teuer. Ihr Stil ist klassisch, aber zunehmend auch modern. Ihre Liebhaber sind durchweg etablierte Leute im besten Alter (ich verkneife mir, eine Zahl zu nennen). Sie lieben deutsche Wertarbeit und können sie auch bezahlen.

Wenn das Produkt durch und durch deutsch sein soll, muss Frommholz von Anfang bis Ende in Spenge fast alles selbst machen. Das nennt der Fachmann eine breite Fertigungstiefe. Auslagerung von Produktionsschritten, etwa in Billiglohnländer, geht da nicht. Die Frommhölzer, heute in der 5. Generation, stehen dafür gerade.

Der Mann der 1. Generation, der Firmengründer August Frommholz, begann 1859 in Danzig mit einer Korbflechterei. Die Polstermöbelproduktion ging erst richtig los, als die Familie Frommholz 1914 von Danzig nach Spenge übersiedelte. Wie so oft, war die Fertigungsstätte am Anfang recht klein. Aber sie wuchs und wuchs. Inzwischen ist daraus eine Fertigungsfläche von etwa 20.000 qm geworden.

Mich freut immer, wenn Möbler - Hersteller wie Händler - die Verbraucher als gleichwertige Partner erkennen, offen mit ihnen umgehen, sie umfassend informieren und ihre Fragen bereitwillig und ehrlich beantworten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Doch leider ist das eine Seltenheit.

Die Frommhölzer haben erkannt, dass der Möbelkäufer Partnerschaft und Offenheit honoriert und präsentieren sich ihm entsprechend: Sie überlassen ihre Außenwirkung nicht allein den Händlern. Mir scheint, das ist ein sicherer Weg, um als Polstermarke bekannt zu werden.

5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben

5.1. Neueröffnungen

Küchen Center Staude
Meelbaumstr. 15
30165 Hannover

Der Vollsortimenter Staude will es nun bei Küchen wissen. Hierfür hat er 4.000 qm Ausstellungsfläche reserviert. Leicht wird es nicht, denn:


Astroh Küchen
Bremer Str.
30823 Hannover-Garbsen

hat in seiner neuen, der 12. Filiale, ebenfalls 3.000 qm mit Küchen voll gestellt. Und er bezeichnet sich selbst als Preismeister.

5.2. Geschäftsaufgaben

Malchiner Möbelhaus
Inh. S. Vreydal und J. Schlundt
Stavenhagener Str. 56
17139 Malchin

Es sieht so aus, als könne man künftig an der Mecklenburgischen Seenplatte nur noch Urlaub machen. Möbel kaufen ist nicht mehr. Auf zum letzten Schnäppchen.


Möbel Dino Wohnparadies
Kurt-Schumacher-Ring 14
63329 Egelsbach (bei Darmstadt)

Dieses Möbelhaus mit ca. 14.000 qm Verkaufsfläche hat eine bewegte Geschichte. Seinerzeit war es Möbel Unger, der hier einen berühmt-berüchtigten Räumungsverkauf abzog. Dann erwarb Möbel Kraft das Areal und vermietete es an Konrad Sagemüller, der sein Wohnparadies von Kaiserslautern hierher verlegte. Der Mietvertrag läuft aus. Sagemüller wird Ende August 2003 ebenfalls einen tollen Räumungsverkauf hinlegen. Leute, lest in Clever Möbel kaufen ab Seite 166 nach, was im Abverkauf alles passiert, damit ihr nicht auf die Nase fallt.

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