Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #33

Nolte Germersheim, Möbel-Finanzkauf, -Sofortkredit, Möbel Class

Ausgabe Juli 2003 vom 01.07.03






1. Möbel auf Pump: Finanzkauf oder Sofortkredit?

2. Rabatt oder Bonus: Mehr gibt es nicht?

3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nolte Germersheim - Schlafen wie in der Südpfalz

4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Klotzen statt kleckern

5. Neueröffnungen: Möbel Class Fellbach





1. Möbel auf Pump: Finanzkauf oder Sofortkredit?


"Dies ist ein historischer Augenblick!", hörte ich so manchen Politiker bei mancher Gelegenheit sagen. Manchmal bin ich dann vor Ehrfurcht erschauert.

Auch zur Zeit kann man Historisches erneut erleben: Die Zinsen sind auf ein historisches Tief gesunken. Schon hört man die Suggestivfrage: "Wann waren Bankkredite jemals so billig?"

Ich weiß es nicht. Es ist mir nicht so wichtig und Ehrfurcht entlockt es mir auch nicht. Natürlich kann man diesen historischen Augenblick nutzen, wenn man Möbel braucht, den Kauf aber mangels Moneten vor sich hergeschoben hat. Man borgt sich jetzt billiges Geld von der Bank.

Gewitzte Möbler nutzen bereits die Gunst der Stunde. Sie schieben von sich aus den Möbelkäufern billiges Geld zu. Richtiger ausgedrückt: Sie schieben es sich selbst zu. In Connection mit irgendeinem Geldinstitut offerieren sie einen so genannten Finanzkauf. Dabei erhält der Möbelhändler sein Geld sofort, der Möbelkäufer stottert es bei der Bank ab.

Ich hoffe nur, dass der Möbelfinanzkäufer die Konditionen genau unter die Lupe nimmt und vorher addiert, was er am Ende bezahlt haben wird. Abgesehen davon kann ich keinen Gefallen am Finanzkauf finden, denn als Möbelkäufer gerate ich dadurch in eine schwache Verhandlungsposition. Lesen Sie, wie beispielsweise die Cronbank AG, 63303 Dreieich, ihre Dienste den Möbelhändlern schmackhaft macht:

"Durch den Cronbank-Finanzkauf steigern Sie Ihre Rendite erheblich: Sie brauchen kaum Preiszugeständnisse zu machen und die Provision, die wir Ihnen zahlen, wirkt wie ein Einkaufsvorteil."

Das ist es: Beim Finanzkauf muss ich also fast jeden Preis schlucken. Und der Möbelhändler kassiert noch zusätzlich. Und ich kann nicht dahin gehen, wo die gleichen Möbel weniger kosten. Ubrigens: Die Cronbank hängt zusammen mit dem Einkaufsverband MHK, einer Verbundgruppe, der unter anderen Musterhaus-Küchen und WK Wohnen angehören.

Just in dem Augenblick, in dem ich dieses schreibe, ruft mich ein Fernsehproduzent an. Er wolle für einige Banken einen Film über Sofortkredite drehen. Dabei wolle er den Zuschauern zeigen, was sie mit dem billigen Geld anfangen können: Zum Beispiel Möbel kaufen. Wenn ich nun den Zuschauern einige Tipps geben und Tricks zeigen würde, wie sie den Preis drücken können, wäre das doch eine perfekte Kombination zugunsten des Möbelkäufers, meint er.

Ich frage ihn: "Werden die Zuschauer an ein bestimmtes Möbelhaus verwiesen?"

Seine Antwort: "Nein. Der Kunde geht mit dem Geld dahin, wohin er will. Er tritt als Barzahler auf. Das ist ja gerade der Vorteil des Sofortkredits."

Ich antworte: "Dann bin ich dabei!"

So kam es, dass ich jetzt beim RTL-Shop zu sehen bin: MI, 02.07., 07:00 Uhr - DO, 03.07., 0:00 Uhr - MO, 07.07., 23:00 Uhr usw. Weitere Sendezeiten unter http://www.rtlshop.de.


Meine Botschaft ist: Wenn Möbel auf Pump, dann nicht als Finanzkauf, sondern per Sofortkredit. Dabei aber bitte nicht vergessen: Bank ist nicht gleich Bank. Auch deren Konditionen muss man vergleichen.




2. Rabatt oder Bonus: Mehr gibt es nicht?


Die Möbelhändler wissen es längst: Immer mehr Möbelkäufer wollen Rabatte. "Also", sagen sie, "dann geben wir ihnen Rabatte! Zum Beispiel 10% auf alle Möbel in der Ausstellung. Will aber einer mehr: Gibt es nicht."

Die Möbelhändler wollen auch ihre Kunden daraufhin aushorchen, wann bestimmte Lebenssituationen (z.B. Heirat, Umzug) eintreten, um sie dann mit Möbelangeboten zu überschütten.

"Also", sagen sie, "dann geben wir ihnen mittels Kundenkarte einen Bonus! Will einer mehr: Gibt es nicht."

Clevere Möbelkäufer wissen, dass mehr drin ist. Es geht aber nicht um Rabatt oder Bonus. Die Kosten dafür hat der Möbler in seinen Preis längst eingerechnet. Nein, der Käufer fordert seinen eigenen Wunschpreis oder Cleverpreis oder geht los auf den magischen Wert - wie immer man das auch nennen will. Und er weiß genau, was für den Möbler machbar ist. Deshalb verliert er nicht den Mut, wenn der Möbler ablehnt. Letztlich kommt der clevere Käufer doch zu seinem Teil.

"Und wie soll das gelingen?", fragt vielleicht ein Leser, der gerade frustriert aus einem Möbelhaus kommt und am hohen Preis nichts drehen konnte. Eine kurze Antwort auf diese Frage reicht nicht. Um es richtig zu erklären, habe ich zwei Bücher schreiben müssen. Ein Leser, der sich da hineingekniet hat, schrieb mir:

"Wir haben gestern den Kauf einer Ledergarnitur von ES besiegelt. Dank Ihrer Tipps hatten wir den Mut zu verhandeln und uns nicht einfach abspeisen zu lassen. Das teuerste Angebot lag bei 3.454,00 € und 50% Anzahlung, das günstigste bei 2.900,00 € und 0% Anzahlung! Interessant war auch, wie unterschiedlich sich die Möbelverkäufer verhielten. Einer hatte weder eine Preisliste aufliegen (kein Preisvergleich möglich), noch das entsprechende Ledermuster parat. Und dazu das Gejammer wegen eines Preisnachlasses! MfG W. Markert"




3. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Nolte Germersheim - Schlafen wie in der Südpfalz


Nolte Möbel
Konrad-Nolte-Straße 20
76726 Germersheim


Wenn es um Schlafzimmer geht, kommen aus der Südpfalz die tollsten Sachen. Nolte in Germersheim am Rhein spricht gar von innovativen Schlafraumkonzepten und flexiblen Systemschränken.

Es begann 1956: Ein Spanplattenwerk sollte Spanplatten für die Schlafzimmerfabrik von Konrad Nolte in Rheda/Westfalen liefern. Doch bald baute man die Schlafzimmer lieber hier, denn Georg Nolte, der Sohn des Firmengründers, führte als erster Möbelproduzent die Fließbandfertigung ein und revolutionierte dadurch die Möbelindustrie. Germersheim wurde Hauptsitz des Unternehmens.

Inzwischen produziert man Wohnkonzepte für Schlafzimmer, Flur oder Arbeitszimmer. Also nicht nur Schränke, sondern Systeme. Folgerichtig entwickelte sich aus dem einzelnen Unternehmen ein respektabler Konzern, der im Wesentlichen aus folgenden Gesellschaften besteht:

Nolte Möbel - Schlafraumsysteme
Nolte Küchen - Einbauküchen
Nolte Spanplatten - Zulieferer
CS Schmal - zerlegbare Möbel
Drum Systeme - Trenn- und Schrankwände
Reber - Möbellogistik

Und was ist mit dem Pfälzer Wein? Der wächst nebenan.




4. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Klotzen statt kleckern


Um Reklamationen erfolgreich durchzusetzen, muss man manchmal richtig klotzen. Hier solch ein Fall:

Betreff: Reklamation - Eilt sehr

Wir haben ein Esszimmer und eine Schrankwand gekauft. Beide sollten auf gleiche Farbe gebeizt werden (Ahorn light). Im Prospekt war das ein heller Naturton. Nun hat jedes Stück eine andere Farbe. Die Schrankwand hat einen rosa Schimmer. Diese Farbe gefällt uns nicht. Wir haben den Scheck vorerst gesperrt und reklamiert. Es kommt schon morgen ein Gutachter der Firma vorbei. Haben wir ein Recht auf Umtausch oder müssen wir die Farbe so akzeptieren? Vielen Dank im Voraus für eine baldige Antwort, Familie M. Griesser



Ich schrieb an Frau Griesser, wie ich handeln würde:

Hallo Frau Griesser, wenn ich ausdrücklich einen Sonderbeizton bestellt habe, muss er auch so geliefert werden. Eine Abweichung vom Vorbild (Muster) würde ich nicht akzeptieren. Der Gutachter, der ja nicht neutral ist und es auch gar nicht sein kann, wird mir viel erzählen wollen. Ich höre ihn ruhig an, handle aber anders: Ich kündige schriftlich den Kaufvertrag und fordere Abholung der Möbel innerhalb einer Frist. Ob es schließlich dazu kommt, kann ich innerlich für mich offen lassen. Auf jeden Fall habe ich eine Maximalposition eingenommen und kann abwarten, inwieweit mir der Händler nun entgegenkommt.


Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




5. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben


Ich wundere mich, aber es ist so. Die Meldungen von Eröffnungen und Schließungen halten sich die Waage. Bei der immer noch anhaltenden Möbelflaute gibt es aber sicher mehr Schließungen. Doch mein Informationsfluss rinnt momentan dünn - es ist eben schon Urlaubszeit.


5.1. Neueröffnungen


Reinhard Flötotto Interieur Design
Bussardweg 3
33335 Gütersloh
http://www.reinhard-floetotto.de

Es ist mir selbst bald unheimlich. Dauernd stoße ich auf Flötotto. Fast scheint es so, als hätte ich was mit ihm. Mitnichten, denn es gibt ja nicht nur einen. Hier handelt es sich um den Reinhard, der bis vor kurzem die im so genannten Direktvertrieb (Verkauf ohne Händler) groß gewordene Herstellermarke repräsentieren durfte. Jetzt darf er es nicht mehr, denn nun macht das die Familie Hubertus Flötotto. Reinhard ist jetzt Internethändler. Und er verkauft auch keine Eigenprodukte, sondern Möbel (und mehr) von anderen Herstellern.


Euro-Möbel-Prozenter
Seeweg 9 (Kommern)
53894 Mechernich

Hier werden auf 5.000 qm Verkaufsfläche Geschäfte mit Restposten gemacht. Es handelt sich vorwiegend um Möbel, die bei Räumungsverkäufen übrig geblieben sind. Der Inhaber Wilhelm Knips ist nämlich Abverkaufsspezialist. Je mehr Räumungsverkäufe er organisiert, desto mehr bleiben ihm Restanten, wie er diese Möbel nennt. Es ist bereits das dritte Haus, das er zwecks Restverwertung eröffnet. Näheres siehe Ausgabe #4 vom 28.11.2000.


Möbel Class
Stuttgarter Str. 96
70736 Fellbach

Möbel Class ist in und rund um Stuttgart wohl bekannt. Besonders auch deshalb, weil vor einem Jahr sein schöner Laden in Stuttgart-Mühlhausen total abgebrannt ist. Brandgeruch liegt auch über dem Fellbacher Komplex - im übertragenen Sinne. Denn hier hat es im neuen Millennium bereits zwei Geschäftsaufgaben mit Räumungsverkäufen gegeben. Einmal war es eine "Fellbacher Möbelhalle", dann ein "Fellbacher Möbelhaus". Branchenkenner bezeichnen den Markt im Umfeld eines solchen Hauses als ausgebrannt.



5.2. Geschäftsaufgaben


MEGA Möbel
Aprikosenweg 7A
14542 Werder

Das Möbelhaus in Werder bei Potsdam war eine von ehemals 7 Filialen, die Petra Ledendecker aus Melle/Westf. mit ihrer MEGA Betriebs GmbH unterhielt. Jetzt hat hier ein Insolvenzverwalter das Sagen. Der Abverkauf soll noch etwas Geld in die Kasse bringen.


Möbel Liebel
Dickensstr. 2
90475 Nürnberg

Ein immerhin 10.000 qm großes Möbelhaus mit Vollsortiment schließt seine Pforten.


Köster Möbel
Dieselstr. 4
92637 Weiden

Die 2.000 qm Verkaufsfläche im Obergeschoss eines Hage Baumarktes werden von Möbeln geräumt, um wiederum von einem anderen Möbler mit Möbeln gefüllt zu werden. Bei solchen Aktionen müssen die Preise runter, sollte man meinen. Trotzdem: Bitte aufpassen und vergleichen.




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