Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #29

Ligne Roset, Matratzen, Bett, Uni-Polster, Dänisches Bettenlager

Ausgabe Februar 2003 vom 04.02.03






1. Möbelsuche: Die neue Offenheit?

2. Matratzen: Oben drauf und unten drunter

3. Idee für den Rausschmiss: Mit dem Bett unter dem Arm

4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: McDonald-mäßig - Dänisches Bettenlager

5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Ligne Roset - Bei Markenmöbeln feilscht man nicht?

6. Neueröffnungen: Uni-Polster Oberhausen





1. Möbelsuche: Die neue Offenheit?


Wer nicht einfach so in ein Möbelhaus läuft, sich umschaut, sein Möbelstück tatsächlich findet, es auch gleich kauft und damit zu teuer bezahlt, sondern clever an seine Möbelbeschaffung herangeht, stößt schnell auf den Knackpunkt: Wer baut eigentlich dieses Möbel?

Den Hersteller muss man wissen, wenn man die Preise möglichst vieler Anbieter recherchieren will, um auf dieser Grundlage seine eigenen, niedrigeren Preisvorstellungen durchzudrücken.

Bisher versuchen die Möbelhändler, solches Vorgehen bereits im Keim zu ersticken und halten die Hersteller möglichst geheim. Anlass für mich, die Möbelkäufer mit Tipps und Tricks zu versorgen, wie sie die Hersteller dennoch herausfinden können.

Mir ist klar, dass dies die Möbelhändler mächtig ärgert.

Hinzu kommt, dass viele Hersteller gar nicht mehr im Dunkeln bleiben wollen - ganz zum Leidwesen mancher Händler. Weil sie neben den Massenmöbeln auch "Möbelmarken positionieren" wollen, wie es im Fachjargon heißt, müssen sie aus dem Schatten heraustreten. Schieder und Steinhoff, um die größten Produzenten zu nennen, die kaum einer kennt, strengen sich in dieser Hinsicht mächtig an.

Und siehe da, es rührt sich was im geheimnisvollen Möbeldschungel. Allerdings bemerken das zunächst nur Möbelkäufer, die im Internet surfen.

Da gibt es einen Verein, der nennt sich Möbelonline e.V.:
http://www.moebel-online.com

Wer sich die Liste der Vereinsmitglieder ansieht, der merkt, dass der Wind von der Herstellerseite her weht. Zwar sind auch Einkaufsverbände dabei, aber nur einen Möbelhändler fand ich darunter, wenn auch einen ganz Großen: Porta.

Und dieser Verein will nun eine neue Offenheit für den Verbraucher schaffen. Er stellt dazu ein Portal ins Netz:
http://www.deutschermoebelkatalog.de

Hier sollen möglichst alle Möbel aus Deutschland aufgelistet, definiert und geordnet werden. Die Hersteller sollen sich outen und Produktinformationen liefern. Und jetzt kommt's: Internetlinks sollen direkt zu den Möbelhäusern führen, die diese Produkte dem Endkunden anbieten.

Bis jetzt ist die Internetseite noch eine Baustelle. Wenn sie je fertig werden sollte, kann der Besucher nach den Vorstellungen der Macher wie folgt virtuell umherwandern:

Er gibt beispielsweise "Ruhesessel" ein. Es leuchten dann die entsprechenden Hersteller auf. Er klickt sich durch und findet, was er sucht. Der Hersteller beschreibt nicht nur sein Produkt, sondern nennt auch Preise oder zumindest Preiskategorien. Ein weiterer Klick öffnet dem User eine Händlerübersicht. Wenn er jetzt einen Händler anklickt, erfährt er dessen Adresse, Wegbeschreibung, Telefonnummer, Öffnungszeiten usw. Schön visionär, gell?

Ich selbst halte mich auch für einen Visionär. Und da sehe ich, dass die Händler wohl nicht mitmachen werden. Denn sie fürchten wohl nicht zu Unrecht, dass ihnen dann noch mehr clevere Möbelkäufer an den Hals springen werden.




2. Matratzen: Oben drauf und unten drunter


Oben auf liegt die Matratze. Klar - und darunter?

Noch einmal eine Matratze.

Für mich ist das nichts Neues. Es ist französisch. Das klassische französische Bett ist so konstruiert, wie ich es schon vor Jahrzehnten bei einem Trip nach Paris bei den Hotelbetten feststellen konnte. So eines wollten wir auch haben, als wir unseren Hausstand gründeten. Damals mussten wir hier in Deutschland lange danach suchen. Schließlich fanden wir etwas: Ein Polsterbett des Herstellers Ruf. Die untere Matratze war allerdings nicht so ausgeprägt wie bei den Parisern. Immerhin, wenigstens kein Lattenrost.

Das Ruf-Bett war nicht unser letztes. Aber am Lattenrost kamen wir nicht mehr vorbei.

Das ist jetzt anders. Ein findiger Hersteller hat das alte Zwei-Matratzen-System neu entdeckt und weiterentwickelt: Eine Taschenfederkernmatratze wirke optimal, wenn sie auf einem weiteren Federkern aufliege, sagt dieser Pfiffikus. Dann werde der punktuelle Druck aus der Obermatratze von der gesamten Fläche der Untermatratze aufgenommen. Die Folge: Höherer Liegekomfort.

Außerdem schwärmt er von seinen patentierten Fertigungsmethoden und handwerklichen Verarbeitungstechniken. Die Polsterschichten würden nicht verklebt, sondern durch Blindheftung verbunden. Die Folge: Optimales Bettklima. Die Luft könne ungehindert überall hin zirkulieren.

"Und nicht zu vergessen", sagt er noch, "wir fertigen Ihr Bett individuell für Sie. Und das alles in tollstem Design, abgestimmt mit Bettwäsche und Beimöbeln."

Schön, schön, Herr Schramm. Wie gut ich auf Ihrer Konstruktion schlafe, weiß ich dennoch erst nach einigen Nächten.

Schramm Werkstätten
Industriepark Langmeil
67722 Winnweiler
http://www.schramm-werkstaetten.de




3. Idee für den Rausschmiss: Mit dem Bett unter dem Arm


Als ich von dieser Konstruktion hörte, dachte ich spontan: Das ist genau das Richtige für Frau oder Mann, die sich der Gefahr gegenüber sehen, aus der Wohnung geworfen zu werden. Sie gehen nicht ohne Bett, denn sie klemmen es sich unter den Arm.

Ja, ja, Sie haben Recht. Das ist eine Horrorszene und damit soll man nicht spaßen. Aber das Bett ist ideal.

Es ist ein Steckbett. Je nach Größe der Liegefläche zerlegt man es ohne Werkzeuge in höchstens 18 Latten und 9 Füße, rollt alles in den Futon und trägt es mühelos zum Pkw, in den es ebenso mühelos verstaut wird.

Wenn man es in der nächsten WG wieder zusammengesteckt hat, kann man sich überlegen, ob man jetzt statt Futon eine Latexmatratze auflegt. Das Steckbett Tojo ist außerdem richtig bio: Naturbelassene Buche ohne Metall, Lack oder Lasur.

Mehr Infos bei:
http://www.holzconnection.de




4. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: McDonald-mäßig - Dänisches Bettenlager


Obwohl wir uns von Angesicht zu Angesicht noch nie gesehen haben, verbindet mich mit Evelyn Schüller, der Redakteurin des Kundenmagazins WOHNEN der Bausparkasse Mainz, eine schöne Freundschaft. Sie mailte mir kürzlich:

"Hallo, danke für Ihren Newsletter, den ich immer mit großem Interesse lese. Hier ein Tipp, vielleicht für ein kommendes Newsletter-Thema: Hilfe, die Dänen kommen! Das Dänische Bettenlager expandiert so stark, dass es schon fast unheimlich ist. Möbel sollen wie bei McDonalds verkauft werden. 12 Neueröffnungen allein im Dezember 2002! Schöne Grüße, Evelyn Schüller, Redakteurin WOHNEN"


War das Gedankenübertragung? Gerade hatte ich nämlich meinen Artikel erstellt mit der Überschrift:

Dänisches Bettenlager - das größte Möbelfilialnetz in Deutschland

Dänisches Bettenlager
Stadtweg 2
24941 Jarplund-Weding
Dänisches Bettenlager


Der Name sagt nicht alles. Es geht längst nicht mehr nur um Bettwäsche und Matratzen, sondern um Möbel allgemein, um skandinavische Möbel.

1979 eröffnete Lars Larsen in Aarhus, Dänemark, ein Bettenfachgeschäft. Er schaffte es, in ganz Skandinavien zum Marktführer zu werden und expandierte nicht nur dort, sondern eröffnete Filialen in Island, auf den Färöer-Inseln, auf Grönland, in den USA und in Osteuropa.

Deutschland war 1984 an der Reihe. Für Larsen ist es nicht erstaunlich, dass seitdem hier jährlich circa 60 Filialen eröffnet werden. Denn skandinavischer Lebensstil sei bei den Deutschen besonders beliebt. Vielleicht spürte er auch den Sog, den IKEA ausübte.

Sei es wie es sei, bis Ende des Jahres 2002 war die Bundesrepublik flächendeckend mit 400 Filialen überzogen. Von hier aus soll es so weitergehen in Österreich, der Schweiz usw.

"Qualität sehr preiswert" sei möglich, sagt der Däne, weil er so groß sei und deshalb günstig einkaufen könne. Habt ihr das gehört, ihr Möbelriesen? Und ihr kleinen Möbler, was macht ihr nun?

Über 400 Mio. € Umsatz in 2001 sind schon ein Wort. Clevere Möbelkäufer werden zu diesem Geschäft nur beitragen, nachdem sie etwas mehr an den Preisen geknabbert haben.




5. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Ligne Roset - Bei Markenmöbeln feilscht man nicht?


Nr. 3, eine der Fragen, die mir Herr Berthold Korlow stellte, packte mich am Portepee. Hier seine E-Mail:

Auch ich habe Ihr Buch aufmerksam gelesen und interessante Informationen erhalten. Ich stehe jetzt vor folgendem Problem: Ich suche seit geraumer Zeit ein solides, zeitloses Schlafsofa. Nach langer Suche habe ich ein wirklich schönes Objekt identifiziert. Es handelt sich um ein Modell aus dem Hause Ligne Roset. Ein ca. 170 cm breiter Dreisitzer ohne Armlehnen (können später nachinstalliert werden) mit Sitz - Relax - Liegeposition. Sitzprobe, Vorführung der Mechanik und abschließende Betrachtung der Verarbeitung des Objektes verliefen befriedigend. Der Preis von 1490 € in der mir vorgeführten Variante erschien mir durchaus akzeptabel. Die freundliche Verkäuferin wollte mir den sogenannte Klassiker noch schmackhafter machen und offerierte mir einen Stoffbezug aus Alcantara. Sie rühmte ihn als besonders pflegeleicht und strapazierfähig. Diese Ausführung ließ den Angebotspreis aber auf 2448 € hochschnellen. Jetzt meine Fragen:

1. Ist dieser Stoff tatsächlich so gut und haltbar?
2. Ist dieser Stoff das Aufgeld wert?
3. Sollte man mit der Verkäuferin handeln, obwohl es sich anscheinend um einen Qualitätsanbieter handelt?
4. Kennen Sie andere Anbieter dieses Herstellers im norddeutschen Raum?

Diese Anschaffung ist für einen Zeitraum von 5-7 Jahren vorgesehen, und in dieser Zeit sollte die Farbe des Stoffbezuges wenig ausbleichen, und die Mechanik des Sofas möglichst reibungslos funktionieren. Mit freundlichem Gruß Berthold Korlow.



Ich antwortete:

Hallo Herr Korlow, fragen Sie per Kontaktmail bei Ligne Roset an, welche anderen Händler in Ihrer Region Partner von Ligne Roset sind. Bei denen holen Sie dann weitere Angebote ein.

Erstarren Sie nicht in Ehrfurcht vor den Möblersnobs. Gehen Sie nach den Tipps und Tricks aus meinem Ratgeber vor und drücken den Preis. Gerade bei Möbeln von Hochwertherstellern ist eine Menge drin.

Sprechen Sie über den Preis nicht nur mit dem Verkaufspersonal, sondern mit dem Chef (Entscheidungsträger). Niemals allgemein fragen: "Ist beim Preis noch Spielraum?" oder ähnlich. Nennen Sie den konkreten Betrag, zu dem Sie kaufen würden. Sie wissen ja aus meinem Ratgeber und aufgrund der Preisrecherchen (siehe oben), wie Sie diesen Betrag errechnen können. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn das erste Gespräch nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Verabschieden Sie sich zunächst und gehen später nochmals hin.

Der bei Ligne Roset verarbeitete Alcantara ist hochwertig und dürfte Ihren Erwartungen zum Gebrauchsnutzen entsprechen. Der Aufpreis von fast 1.000 € erscheint mir allerdings zu hoch. Aber egal, welchen Bezug Sie wählen: Preisverhandlungen sollten Sie in jedem Fall führen.

Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.




6. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben


6.1. Neueröffnungen


Uni-Polster
Duisburger Str. 308-310
46049 Oberhausen
Uni Polster

Der Filialist in Sachen Polstermöbel (9 Standorte) nennt sein auf 8.000 qm Verkaufsfläche ausgebautes Uni-Polster-Haus in Oberhausen das größte Polstermöbel-Verkaufshaus Europas. Schiere Größe reizt den cleveren Möbelkäufer besonders, in geduldige und hartleibige Preisverhandlungen einzusteigen.


Super Plus Möbel Sadegh-Banki KG
Pommernstr. 2
93073 Neutraubling

Die Neutraublinger sehen das ganz gerne. Der bisher dahingammelnde Gebäudeklotz von ehemals Möbel Unger ist wiederbelebt. Auf 14.500 qm Verkaufsfläche geht's jetzt rund mit munterem Möbeldiscount.



6.2. Geschäftsaufgaben


Möbel Rath Tessin
Am Tannenkopp 3 (Klein Tessin)
18195 Tessin

Tessin ist fast so schön wie Tessin, nur nördlicher gelegen. Jetzt fragen sich die Mecklenburger, ob und wann die schönen Möbel bei Rath ausverkauft werden - natürlich zu schöneren Preisen als bisher.


Trösser Möbel
Oberstr. 104
41460 Neuss

Eigentlich wird das Möbelhaus nur renoviert. Es halten sich aber die Gerüchte, dass dies nicht geschieht, um künftig weiter Möbel zu verkaufen.


Möbel Arenz
Seeweg 9 (Kommern)
53894 Mechernich

Ohne großes Federlesen macht Arenz dicht.


Haus des Wohnens
Mühlweg 5
73525 Schwäbisch Gmünd

Stilwerk war die Intention. Auf 15.000 qm Verkaufsfläche tummelten sich anfangs 6 Möbler, von billig bis teuer und exklusiv, außerdem der Markenküchenproduzent Leicht. Einer nach dem anderen zog wieder aus. Als Letzter schließt jetzt das Studio Wohntrends. Clevere Möbelkäufer schauen nun nach, ob die Markenmöbel von Rolf Benz oder Musterring billig zu schnappen sind.


Mader Möbel
Memminger Str. 39
87439 Kempten
http://www.moebel-mader.de

Ein wenig mehr Schau macht da schon Mader. Na dann schaun mer mal.




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