Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #19

Ausgabe März 2002 vom 05.03.02
1. Wenn Möbelfirmen sterben: Clevere Möbelkäufer als Totengräber?
2. Wenn ein Möbelhändler auspackt: Totale Verunsicherung?
3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Möbel zum Naserümpfen
4. Neueröffnungen: Möbel Schröter
1. Wenn Möbelfirmen sterben: Clevere Möbelkäufer als Totengräber?
Es ist nicht zu übersehen: Der Möbelhandel ist alt und krank. Seit Jahresanfang liegen besonders viele Möbler auf dem Sterbebett. Nach Meinung vieler Analysten und Berater werden in den nächsten drei bis fünf Jahren 30 Prozent der Unternehmen tot sein.
Sind die Möbelkunden, die immer cleverer an den Möbelkauf herangehen, daran schuld?
Als einer, der dem Möbelkäufer Durchblick verschaffen und zeigen möchte, wie er seinen Geldbeutel schonen kann, muss ich dieser Frage nachgehen.
Die Analysten sprechen noch vornehm von Wettbewerbsdruck. Wettbewerbsdruck wird aber nicht unbedingt vom Verbraucher ausgelöst. Wenn zu viele und zudem noch finanziell schmalbrüstige Anbieter auf einen Markt drängen, wird es partout eng. Die Starken zerquetschen die Schwachen.
Seit Ende letzten Jahres aber ist noch weiterer Druck hinzugekommen - und dieser geht tatsächlich von den Möbelkunden aus: Sie kaufen nicht mehr einfach nur drauf los. Die Möbler verzeichnen einen, wie sie es nennen, katastrophalen Umsatzeinbruch.
Natürlich spielt hier die lahme Konjunktur mit hinein. Doch wie die Fachleute versichern, handelt es sich nur um eine relativ kleine Konjunkturdelle. Die Konjunkturzeiger deuten inzwischen schon wieder nach oben.
Nicht so in der Möbelbranche. Hier tobt der Überlebenskampf unvermindert weiter. Doch anstatt kundenfreundliche Unternehmensstrategien zu entwickeln, verlegen sich viele Möbler auf Arroganz und Vernebelungstaktik. Ein Beispiel, das der Kunde fast überall erlebt:
Wenn er fragt "Wer ist der Hersteller?", erhält er ausweichende Antworten, auf keinen Fall den Namen. Fragt er weiter "Warum nicht?", hat manchmal ein Verkäufer schon herausgelassen: "Sie würden ja doch nur zur Konkurrenz gehen, um das Stück billiger zu bekommen."
Da haben wir es. Das Stück gibt es also billiger. Irgendwo. Warum sollte man dann hier kaufen?
Übrigens: Der Verkäufer, der solch ein Verkaufsgespräch geführt hat, kriegt mächtig eins aufs Dach, wenn der Chef davon erfahren sollte. Nicht deshalb, weil er den Hersteller verschwieg, sondern weil er den Kunden darauf gebracht hat, dass die Preise seines Brötchengebers zu hoch sind.
Und der arme Verkäufer fragt sich, welche Ausflüchte er denn erfinden soll, um weiter zu vernebeln. Und der Möbelkäufer fragt sich, was denn hier gespielt wird.
Damit komme ich auf die Antwort zur Titelfrage: Wenn ein Möbler stirbt, hat er oft selbst sein Grab geschaufelt.
Wenn ich in letzter Zeit Möbelläden betrete, fällt mir immer öfter der alte Lateinerspruch ein, den ich hier leicht abwandle: Ave, cleverer Möbelkäufer, morituri te salutant (Sei gegrüßt, cleverer Möbelkäufer, die Todgeweihten grüßen Dich).
2. Wenn ein Möbelhändler auspackt: Totale Verunsicherung?
Nee, nee ... ich bin es diesmal nicht, der auspackt.
Es ist Ernst Schmitting, der Geschäftsführer des Einrichtungshauses Grünthal in 96050 Bamberg mit weiteren Möbelhäusern in 95482 Gefrees und in 97424 Schweinfurt. Er herrscht insgesamt über etwa 18.500 Quadratmeter Möbelverkaufsfläche.
Er packte aus Anfang Februar mit einem Leserbrief an die "Wochenpost" (Haßfurt). Er wollte zeigen, wie der Möbelkäufer von einem Mitbewerber in 96215 Lichtenfels an der Nase herumgeführt wird.
Der Möblerkollege hatte mit einer Anzeige in nämlicher Zeitung damit geworben, die Preise einiger Schlafzimmer um 44 Prozent zu reduzieren. Nun rechnete Schmitting öffentlich vor, nannte seine Rechengrößen Einkaufswert, Handelsspanne, Verkaufspreis, Mehrwertsteuer, Gemeinkosten und kam zu dem Ergebnis, dass der Kollege 26 Prozent des Einkaufswertes drauflegt. Das sei unglaubwürdig.
Wenn Sie wollen, können Sie Herrn Schmitting ja mal anrufen. Er rechnet es Ihnen vielleicht nochmals vor.
Die Berechnungen des Herrn Schmitting stimmen so nicht, konterte ein Handelskollege. Mit solchen Rechenspielen werde der Endkunde nur noch mehr verunsichert.
Sind Sie verunsichert? Wohl kaum.
Längst schon wissen Sie aus meinem Ratgeber Clever Möbel kaufen, dass vom Einkaufswert noch eine Menge Einkaufskonditionen abgehen. Und die sind Betriebsgeheimnis. Ebenso geheim wird mit dem Handelsaufschlag umgegangen. Also bleibt eigentlich nur die Frage: 44 Prozent wovon? Sollte Herr Schmitting das nicht wissen?
Ich bin sicher, dass auch bei 44 Prozent noch was übrig geblieben ist. Wohlweislich hat der angeprangerte Kollege keine Gegenrechnung aufgemacht.
Also keinerlei Verunsicherung beim cleveren Möbelkäufer. Der kauft sowieso keine Prozente.
3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Möbel zum Naserümpfen
Herr Robert Keus schrieb mir:
Ich habe seit fast genau 2 Jahren eine Eckvitrine in Buche geölt und gewachst im Wohnzimmer stehen. Die Vitrine hat von Anfang an unangenehm gerochen. Ich dachte, das sei der normale Neugeruch von Möbelstücken. Leider riecht die Vitrine im Innern immer noch derart unangenehm, dass sogar die darin aufgestellten Gläser nicht ohne vorheriges Durchspülen benutzbar sind.
Ich habe das Problem meinem Möbelhaus geschildert. Dieses verweist mich jetzt auf ein Schreiben des Herstellers, wonach dieser sagt, er kenne kein solches Problem mit seinen Möbeln. Der Hersteller ist xy.
Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob ich einen Anwalt einschalten soll, bzw. ob ich da überhaupt noch eine Chance habe, nachdem der Kauf ja schon vor 2 Jahren stattfand. Können Sie mir einen Tipp geben?
Meine Antwort:
Hallo Herr Keus, hätten Sie in diesem Jahr gekauft, wären 2 Jahre kein Problem. Ihr damaliger Kauf aber unterliegt noch der alten sechsmonatigen Gewährleistung für eine zugesicherte Schadstofffreiheit.
Schildern Sie dieses Problem doch mal der DGM (Deutsche Gütegemeinschaft Möbel - "Goldenes M"). Zwar ist mir nicht bekannt, dass xy hier Mitglied wäre, aber es könnte ja sein, dass er sich um eine Mitgliedschaft bewirbt. Dann wird er nicht mehr so tun können, als ginge ihn das nichts an.
Die Internetadresse ist http://www.dgm-moebel.de
4. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben
4.1. Neueröffnungen
Habitat Einrichtungshaus
Neuer Wall 54
20354 Hamburg
Auf der 1.200 Quadratmeter kleinen Verkaufsfläche wurden feine Möbel aufgestellt. Dass Habitat mit Ikea verbandelt ist, merkt man gleich.
Möbel Schröter
Gewerbegebiet
06667 Weißenfels
Nicht gerade neu, aber mächtig neu dazu. Jetzt sind 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche voll mit Möbeln, auch zum Mitnehmen und Selbstmontieren. Apropos Selbstmontage: Denken Sie an die Ikea-Klausel. Was das ist? Die Montageanleitung muss wirklich eine solche sein. Ist sie es nicht, bringen Sie die Möbel zurück und holen Ihr Geld wieder ab.
4.2. Geschäftsaufgaben
Möbel Krügel
90547 Stein bei Nürnberg
93059 Regensburg
95463 Bindlach
09399 Niederwürschnitz
89555 Steinheim am Albuch
dazu Mitnahmemärkte mit Namen "Hin + Mit" oder "K1" unter anderem in
95032 Hof
87437 Kempten
86343 Königsbrunn bei Augsburg
93059 Regensburg
70376 Stuttgart
Er zählte zu den Möbelriesen und im Jahr 2000 verkaufte er noch Möbel für 260 Mio. Mark. Aber schon im letzten Jahr machte er das große Haus in der Münchener Bayerstraße dicht und den schönen Möbelpalast in Rosenheim übergab er an Hiendl, auch ein Möbelriese. Jetzt hat der vom Amtsgericht Fürth eingesetzte Insolvenzverwalter das Sagen. Ob die Ausstellungsmöbel verramscht werden? Sie können ja mal nachschauen und Ihren Preis fordern.
Rheinmöve Einrichtungszentrum
Monsheimer Str. 3
67549 Worms
Merkurstr. 21
67663 Kaiserslautern
56218 Mülheim-Kärlich
Noch ein Großer, bei dem der Pleitegeier der Möwe die Augen ausgepickt hat. Der Insolvenzverwalter sucht nach Möglichkeiten, die Läden weiterlaufen zu lassen. Clevere Möbelkäufer könnten ihm ja dabei helfen - aber nicht zu diesen Preisen.
Design Schwarz Markt (nannte sich auch Polster Trend)
Wormser Landstr. 196
67346 Speyer
Nicht weit von Rheinmöve entfernt macht noch einer die Augen zu, weil "der Absatzmarkt weggebrochen ist". Die Markenmöbel, mit denen er bisher geworben hat, wird er wohl echt billiger hergeben müssen. Die anderen aber? Der Laden ist ja zum Schluss der Aktion immer noch voll, wundert sich der Möbellaie. "Die Käufer waren so nett, die gekauften Möbel noch stehen zu lassen, damit die Verkaufsoptik nicht beeinträchtigt wird", erklärt der Verkäufer. Erstaunlich, wie hilfsbereit Möbelkäufer sein können. Oder was?
UNI-POLSTER Wohnwelt
Goorstorfer Str. 50
18146 Rostock
Pelkovenstr. 156
80992 München
UNI-Polster ist ein großer Filialist mit Stammsitz in 40878 Ratingen, der inzwischen das halbe Ruhrgebiet mit Möbelhäusern überzogen hat. An der Ostsee und an der Isar läuft es aber nicht.
Wohnwelt Möbel
Lindenallee 24
15890 Eisenhüttenstadt
Wenn Wohnwelt hier aufhört, ist das zwar ein wenig Abbau Ost. Doch die von 15299 Müllrose aus gelenkten Wohnwelten sind immer noch zahlreich, z.B. in Fürstenwalde/Spree, Freiberg/Sachsen, Malschwitz, Zittau, Nobitz, Gotha, Schwabhausen, Löbau, Lössnitz, Schleiz, Gallinchen, Aschersleben.
Ecklebe Wohnwelt
Radickestr. 28
21079 Hamburg
Daimlerstr. 4
21357 Bardowick
Industriestr. 12
27432 Bremervörde
Schmidtkuhlsweg 1
27607 Langen bei Bremerhaven
Auf dem Diek 1
29525 Uelzen
Auch dieser Möbelfilialist hat kein Geld mehr. Angestrengt versucht die Insolvenzverwalterin, die Läden weiterzuführen. Aber Geld kommt nur herein, wenn es Möbelkäufer ausgeben. Schnäppchenjäger aufgepasst!
Mayer's Söhne Einrichtungshaus
Augsburger-Tor-Platz 1
89231 Neu-Ulm
Das designorientierte Haus mit wertvollen Möbeln auf 3.000 Quadratmeter Verkaufsfläche macht dicht. Bei solchen Möbeln lässt sich relativ leicht feststellen, ob die durchgestrichenen Preise auch echte Räumungsverkaufspreise sind.
Jetzt noch was für meine Leser in Österreich:
Europa Möbel Hans Reiter
Innsbruck - Neurum
Leider kann ich Ihnen die genaue Anschrift auf die Schnelle nicht nennen. Aber es dürfte für Einheimische nicht schwer sein, den Standort zu finden. Es wird abverkauft, um das Haus für einen Möma- und Möbelix-Markt von Lutz freizumachen.
Link zum Thema:
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