Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #14

von Heinz G. Günther

Sonderposten, Möbel AS, Rabattkupons, Küchen

Ausgabe Oktober 2001 vom 02.10.01

1. Sonderposten: Ist das was?

2. Schnipselhandel: Schnäppchen mit Rabattkupons?

3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Küchen-Chaos

4. Neueröffnungen: Möbel AS Buchen, Möbel Akut Bielefeld

1. Sonderposten: Ist das was?

"Ich habe ein tolles Schnäppchen gemacht", sagt Ingo stolz und zeigt auf seine Schrankwand. "Die ist von Hülsta. 70% unter dem Listenpreis! Es war ein Sonderposten."

Sonderposten steht also für billigst?

Ja! So in etwa möchten es Ihnen die Sonderpostenvermarkter, ich nenne sie Ramsch-Spezialisten, einreden.

Sie erklären es Ihnen so:

  • Möbelproduzenten präsentieren auf einer Messe ihre neusten Modelle. Nach Ende der Messe wissen sie nicht, wohin damit.
  • Möbelhersteller haben einige Modelle auf Vorrat produziert, um schnell liefern zu können. Der Handel nimmt sie in dieser Menge aber nicht ab. Die Produktions-Überstände belegen wertvolle Lagerfläche.
  • Ein bisher gut laufendes Modell wird plötzlich von der Kundschaft verschmäht, weil ein Nachfolgemodell besser gefällt. Deshalb konzentrieren sich Hersteller und Händler hierauf. Vom Auslaufmodell sind aber noch viele Stücke auf Lager.
  • Hersteller oder Händler stürzen in die Pleite und müssen schließen. Wertvolle Möbelbestände finden nicht mehr ihren Weg zum Möbelkäufer.
  • Möbelhändler schließen ihre Häuser z.B. aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Nachfolger gibt es nicht. Ein Räumungsverkauf räumt nicht ganz. Wertvolle Möbel bleiben übrig.
  • Manchmal sind Hersteller - und das sind nicht die schlechtesten - verpflichtet, Möbel mit Macken vom Händler wieder zurückzunehmen. Oft liefern Sie die fehlerhafte Ware (2. Wahl) gar nicht erst aus. Das ist übel für die Produzenten, denn die Lager werden unnütz vollgestopft.
  • Namhafte Möbelhersteller liefern spezielle Möbel für Veranstaltungen, wie Großkonferenzen, Ausstellungen (z.B. Expo), Filmaufnahmen, Fernsehsendungen oder andere sogenannte Events. Nach Gebrauch verstauben diese Möbel irgendwo.

So also entstehen die meisten Sonderposten, auch Postenware genannt. Es können durchaus wertvolle Möbel namhafter Hersteller oder gar Markenmöbel darunter sein. Die Sonderpostenvermarkter kaufen sie für einen Spottpreis auf, kalkulieren mit einem ansehnlichen Gewinnaufschlag und drehen sie dem Möbelpublikum mehr oder weniger erfolgreich an.

Unter die echten Sonderposten werden aber auch gerne spezielle Sonderproduktionen geschummelt. Das ist originäre, billige Massenware, vorwiegend hergestellt in den Niedriglohnländern des Ostens. Falls die Originalverpackung nicht entfernt wurde, finden sich oft Aufkleber mit den Adressaten, für die sie ursprünglich bestimmt waren: Die großen Versandhändler. Den cleveren Möbelkäufer überrascht das nicht.

Clevere Möbelkäufer können in den Sonderpostenmärkten, wenn sie ihr Lieblingsmöbel hier finden sollten, das ganze Repertoire ihrer Qualitätstests ausspielen. Denn Schund wollen sie auch dann nicht, wenn es eine Marke trägt.

Der Niedrigpreis kann sie auch nicht blenden. Und schon gar nicht die Prozente. Wer weiß, auf welche Preise diese bezogen sind. Die Original-Verkaufspreislisten der Hersteller wird man ihnen nicht zeigen. Deshalb gilt nur eins: Auch mit dem Ramschspezialisten wird über den endgültigen Preis geredet.

Sie werden fragen: Wo gibt es solche Sonderpostenmärkte?

Einen nenne ich unter Punkt 4. Manche Händler tingeln sogar mit ihrer Postenware durch die Republik, hauptsächlich mit Polstermöbeln. Die Gewerbeämter nennen sie Wanderlager. Achten Sie mal auf entsprechende Zeitungsanzeigen. Denn ohne Werbung läuft auch hier nichts.

2. Schnipselhandel: Schnäppchen mit Rabattkupons?

Es war in den Jahren nach der Währungsreform 1948. Die Deutsche Mark gewann an Wert.

Meine Mutter sammelte Rabattmarken vom Bäcker und vom Konsum. Nach jedem Einkauf setzte sie sich an den Küchentisch und klebte die briefmarkenähnlichen Dinger in kleine Hefte. Wenn diese vollgeklebt waren, durften wir Kinder uns freuen. Denn Mutter kaufte mit den Rabattmarkenheftchen immer einige Schleckereien für uns: Bonbons beim Konsum, Plätzchen beim Bäcker.

Waren das noch Zeiten. Ach ja, und es gab das Rabattgesetz. Es sollte ruinösen Wettbewerb verhindern. Die Rabattmarken durften einen Wert von 3% des Kaufpreises nicht überschreiten. Feilschen war damals ein nahezu unbekanntes Wort. Den Preis der Konsumgüter setzten die Händler fest und die Verbraucher akzeptierten.

Fast ein halbes Jahrhundert später entdeckten immer mehr Verbraucher, dass die Preisschilder kein Evangelium waren. Das Feilschen kam auf. Auch in der Möbelbranche. Hier trat noch eine Besonderheit hinzu: Die Möbelhäuser überboten sich in Preisreduzierungen, ohne dass die Möbelkunden dies massiv gefordert hätten. Das war - und ist noch - Verdrängungswettbewerb per Preisverhau. Und genau in dieser Situation strich der Gesetzgeber in diesem Sommer das Rabattgesetz. Aber wird deshalb mehr gefeilscht als vorher?

Ich sage nein. Mögen die Medien noch so viele Anleitungen fürs erfolgreiche Feilschen veröffentlichen, der Mehrheit der Möbelkäufer fehlt einfach der Nerv dazu.

Dennoch, der Möbelhandel wärmt die Erfahrungen aus der guten alten Zeit wieder auf. Wenn damals die Kunden ihre Rabattmarken so gerne sammelten und dadurch ihrem Kaufmann treu verbunden blieben, müsste so etwas neuerdings erst recht gelingen. Man kann ja nunmehr so viel Rabatt gewähren, wie man will. Also gilt es, schnell Rabattkupons (so heißen die guten alten Rabattmarken jetzt) unters Volk zu bringen.

Aber wie streut man sie am wirkungsvollsten?

Plötzlich ist die Geschäftsidee da: Der Handel mit Rabattkupons. Findige Firmen sammeln sie bei den Händlern ein und verbreiten sie mit beträchtlichem Werbeaufwand. Der Möbelkunde kann sie aus speziellen Zeitungsbeilagen herausschnipseln. Oder er kann sie aus dem Internet auf seinen PC laden und ausdrucken.

Und das kostenlos! ... Ha! Ha!

Natürlich sind die Schnipsel und die Downloads umsonst. Aber was ist mit den Preisen, auf welche die Rabattkupons angerechnet werden? Sie sind mächtig nach oben geschoben worden.

Hier ein Beispiel, das mir ein Leser mitteilte: Er habe vor zwei Wochen bei einem großen Polsterspezialisten sein neues Sofa gefunden. Preis: 1.598,00 DM. Er konnte sich aber nicht sofort zum Kauf entschließen. Heute wollte er zuschlagen. Er traute seinen Augen nicht: 1.998,00 DM stand jetzt auf dem Preisschild.

Es ist also doch nicht so wie zu Mutters Zeiten. Die Deutsche Mark verliert durch Preiserhöhungen an Binnenwert - trotz Rabattspielchen. Und wenn jetzt der Euro kommt, lassen sich weitere Preiserhöhungen prima verschleiern. Die Schnipsel werden teuer bezahlt.

Ich weiß, Sie wollen trotzdem, dass ich Ihnen die Schnipselhändler nenne. Einer davon ist die Firma raba.tt in 82319 Starnberg.

3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke: Küchen-Chaos

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4. Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben

4.1. Neueröffnungen

Möbel Akut
Eckendorfer Str. 100
33609 Bielefeld

nennt sich selbst den "größten Sonderpostenvermarkter Ostwestfalens". Die 10.000 qm Verkaufsfläche des ehemaligen Wohnkaufhauses Korsmeier sind wieder in Betrieb genommen worden. Sonderposten (sieh oben) der bekannten Hersteller Omnia, Dunlopillo, Leonardo, Femira, Hukla, Frommholz und andere, ja sogar von Hülsta werden hier jetzt verramscht. Die Konkurrenz aber beschimpft das Haus als Rumpelkammer.


Möma - der Tiefpreisstapler
A-6353 Going am Wilden Kaiser
Tirol, Österreich

6.000 qm Verkaufsfläche hat hier Österreichs großer Möbeldiscounter aufgemacht. Es ist jetzt die 10. Filiale in Österreich. Möma gehört zur Lutz-Unternehmensgruppe, A-4600 Wels. XXXL-Lutz als Firmenschild riesiger Möbelhäuser ist den meisten Österreichern sicher bekannt. Auch in Deutschland ist die Gruppe stark vertreten, unter anderen mit den Großeinrichtungszentren Möbel-Neubert.


Möbel AS
Daimlerstr. 1
74722 Buchen/Odenwald

Daimlerstr. 26
74523 Schwäbisch Hall

Noch ein Discounter, diesmal in Südwestdeutschland. Mit 4.000 qm (Buchen) und 5.000 qm (Schwäbisch Hall) Verkaufsfläche bedienen nun 10 Häuser die Möbelkunden. Haben die Wohnungen denn noch so viel Platz für Billigmöbel? Anschriften und Zufahrten erfahren Sie unter www.moebel-as.de


E & M Einrichtungshaus
Im Dachsstück 13
65555 Limburg/Lahn

Der neu gegründete E & M - Möbler besetzt das alte 5.000 qm-Haus Möbel Beko (Räumungsverkauf-Liebhaber können hier vielleicht noch auf die Schnelle ein Schnäppchen machen). Der Nachfolger hofft, dass ihm die angestammte Limburger Möbelkundschaft treu bleibt.


EASY SLEEP Thorsten Klier
Kleinaltendorfer Weg 1
35359 Rheinbach
www.easysleep.de

Gartenmöbel-Klassiker + Matratzen, Rahmen, Bettgestelle + Boutique. Welch eine Idee! Das Patentamt wurde auch schon damit befasst. Die Möbelmarktrealität wird es zeigen: Entweder findet der Kunde was - oder er geht.

4.2. Geschäftsaufgaben

Einrichtungshaus Christiansen
Alte Dorfstr. 9a
25980 Sylt-Tinnum

Räumungsverkauf auf Sylt! Da findet Käpt'n Blaubär vielleicht sein Schnäppchen.


Behr Einrichtung
Friedrichstr. 13
70174 Stuttgart (Mitte)

Der noble Einrichter gibt auf. Wollen Sie ihm räumen helfen?


Einrichtungshaus Frimberger
Erhardstr. 7
92637 Weiden/Oberpfalz

Immerhin 12.000 qm Verkaufsfläche müssen geräumt werden. Wenn nach dem Räumungsverkauf Möbel übrig bleiben, sollen sie eingelagert werden. Man glaubt, sie auch später noch loswerden zu können, wenn die "Weidener Möbel-Aktionswelt" an selbiger Stelle ihr shop-in-shop-Center eröffnet hat.


Möbelhaus Max Maier
Postauer Str. 26
84109 Wörth/Isar

10.000 qm Verkaufsfläche mit Möbel-Vollsortiment, das müsste doch eigentlich laufen? Vielleicht nicht in der Landshuter Gegend. Hier ziehen die Möbelriesen Biller, Emslander, Hiendl und Segmüller das Möbelgeld magisch an. Sollte bei Maiers Räumungsverkauf doch noch etwas davon in seine Kasse kleckern, kriegen es die Gläubiger.


Polsterhaus Schlosser
Josephsplatz 6
90403 Nürnberg

Der Vermieter hat gekündigt, 1.700 qm Verkaufsfläche müssen abgeräumt werden. Man muss sich die Räumungspreise aber genau ansehen, denn der Inhaber Hannes braucht nichts zu verschleudern. Er kann die Polster in seinen Nobelladen casa nova Einrichtungen, Laufamholzstr. 116, schaffen. Dort liegen die Preise ganz oben.

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