Newsletterarchiv: Möbel-Tipps #100

Ausgabe Oktober 2009 vom 06.10.09
1. Wenn die Preise für Möbel purzeln
2. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Die neue WASA Möbel
3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke
1. Küchenkauf - Lieferverzögerung
2. Die Preisjagd nach dem Esszimmer
4. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft
1. Wenn die Preise für Möbel purzeln
Dass die Preise für Möbel in Kürze sinken werden, glaube ich durchaus. Die Verbände der Möbelindustrie (Hersteller und Zulieferer) und des Möbelhandels zetern bereits im Sinne ihrer Klientel und schicken entsprechende Botschaften an die Medien, die wiederum so etwas gerne und fleißig verbreiten.
Das erinnert mich aktuell an die Autobranche. Da vermelden die Medien derzeit, dass die Autoleute großen Bammel davor haben, sich gegenseitig mächtig Rabatte um die Ohren hauen zu müssen, weil die Abwrackprämie ausgelaufen ist.
Die Möbler hatten das bereits. Ich meine damit, sie kennen das Rabattspiel und sie haben es ganz schön perfektioniert. Denn bei ihnen gibt es lange schon etablierte Höchstpreise und damit prächtige Handelsaufschläge quer durch alle Stufen der Möbelqualität - dank Rabatt und dank Gericht. "Wie das?", fragt der arglose Möbelinteressent.
Ganz einfach: Rabatt war vorher auf den Preis draufgeschlagen worden (Mondpreis). Und ein Gericht hat geurteilt, dass ein Mondpreis mindestens sechs Tage lang gelten muss, bevor Rabattwerbung damit gemacht werden kann.
Zugegeben, diese meine Formulierung ist plakativ verkürzt und wirft vielleicht zusätzliche Fragen auf. Wenn Sie dazu weitere Einzelheiten wissen wollen, schauen Sie bitte nach unter Ausgabe 88: Mondpreise vor Gericht.
Die seinerzeit errechneten Mondpreise sind bis in diese Tage hinein bei den meisten Möblern unverändert hoch hängen geblieben. Jetzt sagen sie, das seien faire Preise. Mit Rabatt ist (fast) Schluss. "Auf diese Preise wollen Sie noch Prozente haben, fragen sie uns?" - "Nein", sagen sie, "das gibts nicht." Außerdem sei man wegen der Krise sowieso schon um 3% oder mehr runter gegangen. Und das generell bei allen Möbeln. Mehr geht nicht.
Der Mond bleibt für die Möbelkundschaft also immer noch nah?
Nein, nicht bei uns. Wir wollen etwas mehr als bisher abhaben von der hohen Marge der Mondpreise und steuern unseren Zielpreis an, siehe Clever Möbel kaufen.
Der clevere Möbelkäufer scheut sich nicht, dem Händler frechweg zu sagen: "Wenn Sie bei Ihrem Preis bleiben, dann bleiben Sie halt sitzen auf Ihrer gemütlichen Couch in Ihrem Laden." Und dann geht er zum nächsten Möbler.
2. MÖBEL-TIPPS-Spotlight: Die neue WASA Möbel
Mit Wasa meine ich nicht das Knäckebrot, sondern einen Pfälzer Massivholzmöbel-Hersteller in 67714 Waldfischbach-Burgalben.
In ihren besten Zeiten zählte die Wasa Massivholz GmbH zu den "Zehn". Das sind führende Massivholzmöbel-Hersteller, die kurz nach der Jahrtausendwende eine Interessengemeinschaft "Initiative pro Massivholz" gründeten. Damals produzierten sie oder ließen produzieren oder importierten sie zwei Drittel aller in Deutschland verkauften Massivholzmöbel, siehe auch Massive Möbel - Wasa.
Leider stolperte Wasa in die Insolvenz. Man kam aber mit neuen Geldgebern aus diesem Tränental wieder raus und seit September 2008 firmiert das Unternehmen unter
WASA Wohnen GmbH & Co. KG
In der Schorbach 1
67714 Waldfischbach-Burgalben
Neue Geldgeber? Wenn es solche im Falle des Falles gibt, ist das meistens Glück im Unglück. Natürlich muss auch ein Firmenkonzept da sein, das Gewinne verspricht. Was die Liquidität und damit neues Geld für die neue Wasa angeht, wurde sie jetzt ganz pfiffig beglückt: Durch Beteiligung der 23 Mitarbeiter.
Kräftig mitgeholfen hat dabei das Land Rheinland-Pfalz mit seinem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm "FondsRLPplus". Das Land gibt 6.000,00 € dazu, wenn ein Mitarbeiter sich mit 4.000,00 € an seinem Arbeitgeber beteiligt. Das ist hier geschehen und Wasa ist um 230.000,00 € flüssiger.
Der Clou dabei ist: Die Mitarbeiter haben ihre 4.000,00 €, also zusammen 92.000,00 € gar nicht bezahlt. Das hat für sie der Firmenchef übernommen. Da er wahrscheinlich sowieso Geld reinschießen muss, hat er sich bei dieser Gelegenheit noch 138.000,00 € Staatsknete geholt. Wenn es dem Aufschwung dient, warum nicht?
Immerhin sind die Mitarbeiter jetzt am Gedeih und Verderb (dieses hoffentlich nicht) von Wasa beteiligt. Das kann sehr motivieren.
Übrigens: In der Gemeinschaft der "Zehn" ist die neue Wasa nicht (oder noch nicht?) wieder drin, wie aus der im Internet veröffentlichten Mitgliederliste der Interessengemeinschaft "Initiative pro Massivholz" hervorgeht.
3. MÖBEL-TIPPS-Leserecke
3.1. Küchenkauf - Lieferverzögerung
Möbelkäufer erleben oft allerhand Erfreuliches und Unerfreuliches. Letzteres mehr als Ersteres. Das zeigen mir die Zuschriften, von denen ich heute wieder zwei bieten möchte. Die Schreiberinnen und Schreiber wollen meistens anonym bleiben, weshalb ich die Namen nicht erwähne.
Nachdem ich ihr Buch Clever Küchen kaufen gelesen habe, habe ich erfolgreich und günstig eine Küche gekauft.
Nun kommt es zu Lieferverzögerungen. Man hat uns mitgeteilt, dass die Küche vom geplanten Hersteller Nobilia nun nicht mehr geliefert wird, sondern von einem angeblich hochwertigeren Hersteller Häcker genommen wird, ohne den angeblichen Mehrpreis dafür zu berechnen.
Was halten Sie von diesem Tausch? Die Herstellerqualität als Laie zu beurteilen, ist ja sehr schwer. Ich bin nur heilfroh, dass ich auf die Anzahlungsbürgschaft gedrängt habe, sonst wäre ich sicher nicht mehr so ruhig (...). Für eine Antwort wegen der Herstellerqualität wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Ich antwortete:
So wie ich das sehe, liegen die meisten Produkte von Häcker und von Nobilia auf dem gleichen Level was Qualität und Preis angeht. Ich vermute, dass der Küchenhändler von Nobilia nicht mehr beliefert wird. Das kann viele Gründe haben. Manchmal sind es unbezahlte Rechnungen.
Ich würde mir die nun avisierte Häcker Küche vor der Lieferung beim Händler vor Ort zeigen lassen und dabei auf die Kriterien achten, die ich in der "Checkliste Küchenqualität" beschrieben habe. Ferner würde ich die Montage bei mir zu Hause streng überwachen. Siehe die entsprechenden Ausführungen in meinem Ratgeber.
3.2. Die Preisjagd nach dem Esszimmer
Ein anderer Leser schrieb:
Da meine Frau und ich im Dezember umziehen und daher die Neuanschaffung eines Esszimmers und einer Küche geplant ist, sind wir vor 3 Wochen auf Möbelsuche gegangen. Die Möbel von NW haben uns auf Anhieb gefallen.
(...) Wir sind in verschiedenen Möbelhäusern der Region umhergezogen. Auch in der Möbel-Schau einer Verbrauchermesse waren wir. (...) Die Preise für die gleichen Möbel lagen zwischen 6.166,00 € und 4.700,00 €. (...) Und immer hieß es: Sie müssen aber heute noch unterschreiben (...)
Inzwischen hatte ich Ihren Ratgeber erworben und durchgelesen. Ich meinte, jetzt gewappnet zu sein, den besten Preis heraus zu holen.
(...) Gestern wollte ich dann zur Sache gehen. (...) Beim Preis kam ich meinem Ziel so ziemlich nahe. Die Anzahlung sollte 1.600,00 € betragen (...) Wieder hörte ich: Sie müssen aber heute Abend noch unterschreiben. Ich tat es, obwohl ich mir vorgenommen hatte, das nur im Beisein meiner Frau zu tun, die heute aber verhindert war.
(...) Vor der Vertragsunterzeichnung habe ich noch versucht Ihren Tipp mit der Bankbürgschaft und Sicherheitseinbehalt anzubringen, aber da biss ich auf Granit. Mit dem Sicherheitseinbehalt bin ich aus dem Baugewerbe vertraut (bei öffentlichen Auftraggebern während der Bauzeit als Vertragserfüllungsbürgschaft, danach umgewandelt in Gewährleistungsbürgschaft). Mir wurde entgegnet, dass dies viel zu aufwändig sei und nicht gemacht werde. Auch der zeitweise Einbehalt eines Restbetrages sei nicht gerechtfertigt, da das Möbelhaus eigene Schreiner beschäftige und sofort bei eventuellem Mangel nachbessere und sowieso Garantie bestehe. Daher sei bei Lieferung der Restbetrag fällig.
Gestern Abend noch telefonierte ich mit meinem Vater und dabei kam heraus, dass er ebenfalls dort vor ca. 3 Jahren ein Esszimmer gekauft hat. Auch er kannte Ihren Ratgeber. Mit viel Ach und Krach hatte er die Bankbürgschaft für die Anzahlung bekommen.
Da für mich 1.600,00 € Anzahlung ehrlich gesagt zu hoch bzw. zu unsicher sind und ich auch für 4-8 Wochen einen gewissen Betrag gern zurückhalten will, ist meine Frage, ob und wie ich Bankbürgschaft und Einbehalt nach Vertragsunterzeichnung noch durchkriege. In den nächsten Tagen wird mir vom Möbelhaus noch das Schreiben mit den Rechnungsdaten für die Anzahlung zugehen, bis zum 10.10. soll ich dann überwiesen haben.
(...) Ich bin mit dem Preis zufrieden, den ich wahrscheinlich nur dem selbstbewussten Auftreten dank Ihres Buches zuschreiben kann. Das Buch hätte ich schon vorher in der Hand haben sollen, denn dann wäre ich von Beginn an anders an die Sache herangegangen.
Nun ist dieses Schreiben schon viel länger geworden als geplant, aber ich denke, über weiteres Feedback Ihres Buches werden Sie sich freuen. Allerdings würde ich mich auch über eine eventuelle Hilfestellung bzgl. der Bürgschaft und des Einbehaltes freuen.
Die Antwort fiel mir schwer, da sie nicht ohne Vorwürfe ausfallen konnte:
Über Ihr Feedback freue ich mich tatsächlich, bin aber auch gleichzeitig betrübt. Zeigt es mir doch wieder mal, wie schwer es dem Möbelkäufer fällt, über seinen Schatten des Vertrauens zu springen.
Warum sind Sie nicht vor Ihrer Unterschrift aus dem Möbelhaus herausgegangen? Wenn Sie am nächsten Tag mit Ihrer Frau wieder hingegangen wären, hätten Sie wahrscheinlich nicht mehr auf Granit gebissen, sondern an weicher Butter gelutscht, was Bankbürgschaft und Resteinbehalt betrifft.
Tut mir leid, ich kann Ihnen keinen Rat geben, wie man unterschriebene Verträge aushebelt. Dabei würde ich mich vielleicht sogar strafbar machen. Sie können allerdings auf Kulanz verhandeln. Bedienen Sie sich am Besten der Argumente aus Ihrem Baugewerbe.
Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.
4. Einige Veränderungen in der Möbellandschaft
M|E|K Küchen GmbH
Am Gewerbegrund 1
18273 Güstrow
MEK Küchen ist insolvent. Das ist bereits das zweite Mal. 2006 war das erste Mal. Die Mecklenburger haben mit diesen Küchen halt kein Glück, auch wenn seinerzeit die Loddenkemper Immobilien GmbH ihre Finger mit drin hatte.
Kiefer-Kate
Zur Rast 9-11, 38271 Baddeckenstedt
Claustal 2, 31249 Soßmar / Hohenhameln
Lockhofstr. 9, 45881 Gelsenkirchen
Die schönen Kiefernmöbel in Mitnahmeformat wird man bald woanders suchen müssen. Henning Meissner gibt seine Kiefer-Katen zum Jahresende auf.
XXXLutz - Möbelix
Industrie- und Gewerbepark Maintal
Amsterdamstr., direkt an der A 70
97424 Schweinfurt
34.000 qm Verkaufsfläche sind da gerade in Gang gekommen. Die Schweinfurter lesen am neuen Möbelpalast immer noch Neubert. Dieser Möbler ist dort halt unvergessen, wenn er sich auch lange schon an Lutz übergeben hat.
Möbel Fahr Einrichtungshaus GmbH
Schreinerei, Innenausbau
Olchinger Straße 84-88
82194 Gröbenzell
Immerhin 10.000 qm Verkaufsfläche werden hier demnächst abgeräumt. Für den Münchener Raum ist das trotzdem nur ein Spautz. Denn Möbelverkaufsfläche gibt es da mehr als genug.
Link zum Thema:
- Ihre neuen Möbel günstig? Infos und Adressen hier.
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