Möbel-Schnäppchen mit Rabattkupons?
Es war in den Jahren nach der Währungsreform 1948. Die Deutsche Mark gewann an Wert. Meine Mutter sammelte Rabattmarken vom Bäcker und vom Konsum. Nach jedem Einkauf setzte sie sich an den Küchentisch und klebte die briefmarkenähnlichen Dinger in kleine Hefte. Wenn diese vollgeklebt waren, durften wir Kinder uns freuen. Denn Mutter kaufte mit den Rabattmarkenheftchen immer einige Schleckereien für uns: Bonbons beim Konsum, Plätzchen beim Bäcker.
Waren das noch Zeiten. Ach ja, und es gab das Rabattgesetz. Es sollte ruinösen Wettbewerb verhindern. Die Rabattmarken durften einen Wert von 3% des Kaufpreises nicht überschreiten. Feilschen war damals ein nahezu unbekanntes Wort. Den Preis der Konsumgüter setzten die Händler fest und die Verbraucher akzeptierten.
Fast ein halbes Jahrhundert später entdeckten immer mehr Verbraucher, dass die Preisschilder kein Evangelium waren. Das Feilschen kam auf. Auch in der Möbelbranche. Hier trat noch eine Besonderheit hinzu: Die Möbelhäuser überboten sich in Preisreduzierungen, ohne dass die Möbelkunden dies massiv gefordert hätten. Das war - und ist noch - Verdrängungswettbewerb per Preisverhau. Und genau in dieser Situation strich der Gesetzgeber im Jahr 2001 das Rabattgesetz. Aber wird deshalb mehr gefeilscht als vorher?
Ich sage nein. Mögen die Medien noch so viele Anleitungen fürs erfolgreiche Feilschen veröffentlichen, der Mehrheit der Möbelkäufer fehlt einfach der Nerv dazu.
Dennoch, der Möbelhandel wärmt die Erfahrungen aus der guten alten Zeit wieder auf. Wenn damals die Kunden ihre Rabattmarken so gerne sammelten und dadurch ihrem Kaufmann treu verbunden blieben, müsste so etwas neuerdings erst recht gelingen. Man kann ja nunmehr so viel Rabatt gewähren, wie man will. Also gilt es, schnell Rabattkupons (so heißen die guten alten Rabattmarken jetzt) unters Volk zu bringen. Aber wie streut man sie am wirkungsvollsten?
Plötzlich ist die Geschäftsidee da: Der Handel mit Rabattkupons. Findige Firmen sammeln sie bei den Händlern ein und verbreiten sie mit beträchtlichem Werbeaufwand. Der Möbelkunde kann sie aus speziellen Zeitungsbeilagen herausschnipseln. Oder er kann sie aus dem Internet auf seinen PC laden und ausdrucken.
Und das kostenlos! ... Ha! Ha!
Natürlich sind die Schnipsel und die Downloads umsonst. Aber was ist mit den Preisen, auf welche die Rabattkupons angerechnet werden? Sie sind mächtig nach oben geschoben worden.
Hier ein Beispiel, das mir ein Leser mitteilte: Er habe vor zwei Wochen bei einem großen Polsterspezialisten sein Lieblingssofa gefunden. Preis: 1.598,00 €. Er konnte sich aber nicht sofort zum Kauf entschließen. Heute wollte er zuschlagen. Er traute seinen Augen nicht: 1.998,00 € stand jetzt auf dem Preisschild.
Es ist also doch nicht so wie zu Mutters Zeiten. Der Euro verliert durch Preiserhöhungen an Binnenwert - trotz Rabattspielchen. Die Schnipsel werden also teuer bezahlt.
Ich weiß, Sie wollen trotzdem, dass ich Ihnen die Schnipselhändler nenne. Einer davon ist die Firma raba.tt GmbH, 82319 Starnberg.
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