Preisagenturen: Möbel kaufen mit den guten Onkels?
"Mami, wo ist mein Ball?" ruft der kleine Bub und rennt auf dem Spielplatz suchend umher. Noch bevor Mama von ihrer Bank hochschnellen kann, steht ein Onkel bei dem Kleinen und sagt: "Komm, ich zeig ihn dir. Guck mal: Das ist aber ein schöner Ball!". Artig bedankt sich der Bub und auch Mama, die inzwischen hinzugetreten ist, sagt Dankeschön. Ein wenig misstrauisch verlässt sie mit ihrem Schatz den Spielplatz.
Diese Spielplatzszene kommt mir in den Sinn, wenn ich beobachte, was viele Möbelkäufer bei der Suche nach ihrem Wunschmöbel erleben. Plötzlich stehen gute Onkels da. Sie halten Bälle hin, auf denen steht: Wir recherchieren für Sie den unschlagbar niedrigsten Preis. Sie wissen, wen ich meine. Es sind die Preisagenturen. Schon ihre Namen sind wie bunte Bälle. Beispiel: Preisagenturen Pfennigfuchser.
Es reizte mich, die Bälle der Preisagenturen einmal springen zu lassen - ganz konkret. Dabei kam passend, dass meine Tochter gerade ein neues Schlafzimmer brauchte. Sie war in Möbelhäusern herumgezogen und hatte schließlich bei Möbel Walther eines gesehen, das sie unbedingt haben wollte: Modell Meran, Buche lindgrün, bestehend aus
- Kleiderschrank 5türig, 2 Spiegeltüren, Beleuchtung: 918,00 €
- Frisierplatz mit Spiegel: 269,00 €
- Kombikommode: 372,00 €
- Bettanlage 200 x 200 cm, Aufsatz mit Spiegel und Klappen, Fußteil mit Sprossen: 645,00 €
Summe: 2.204,00 €
Minus 3% Skonto: 66,12 €
Endpreis: 2.137,88 €
Lieferung und Montage inbegriffen
Anzahlung 20%
Meine Tochter war gespannt darauf, was ich nun machen würde. Vielleicht dachte sie: Der Papa hat versprochen, es zu bezahlen, da wird er schon wissen, wie er am besten dabei wegkommt. Natürlich wusste ich es. Aber ich wollte zunächst die Preisagenturen auf die Probe stellen.
Ich klickte sie im Internet an und holte mir die Auftragsformulare auf den PC. Was die nicht alles wissen wollten! Anschrift, Telefon, Fax und E-Mail-Adresse war ja ok. Aber Hersteller der gewünschten Möbel? Im Normalfall kennt der Möbelinteressent den doch gar nicht. Also tippte auch ich nur den Modellnamen Meran ein.
Siehe da, es kam wie ich vorausgesehen hatte. Bitte geben Sie den Hersteller an, forderten sie per E-Mail. Ohne diese Angabe sei eine Bearbeitung leider nicht möglich. Ferner wollten sie wissen, welchen Verkaufspreis mir welcher Möbelhändler bisher geboten habe.
Eine Preisagentur kann mit den Fantasienamen der Möbelmodelle genauso wenig anfangen wie die Möbelkunden. Ist doch ganz einfach: "Ich frage einfach den Möbelhändler", denkt sich jetzt der Leser. Er wird es erleben: Der Möbler verrät den Hersteller meistens nicht. Meiner Tochter war es auch so ergangen. Fast barsch hatte der Verkäufer sie abfahren lassen: "Den brauchen Sie nicht. Das Schlafzimmer ist ein Verbandsmodell aus deutscher Produktion."
War mein Spiel mit den Preisagenturen also schon zu Ende bevor es begonnen hatte?
Ich wollte aber gerne noch weitermachen. Für mich war es kein Problem, den Hersteller zu ermitteln. Ich nahm mir die Zeit, fuhr zu Möbel Walther und wendete meine Tricks aus Clever Möbel kaufen an. Der Produzent des Schlafzimmers war
Wiemann Möbel
49124 Georgsmarienhütte
http://www.oeseder-moebel-industrie.de
Diese Angabe mailte ich an die Preisagenturen. Den Händler und den Angebotspreis verschwieg ich. Soweit geht meine Liebe nicht, dass ich die Preisagenturen kostenlos mit Informationen füttere, mit denen sie dann ihre Geschäfte machen. Nach zwei Tagen kam das Ergebnis. Das günstigste Angebot lautete:
Kaufgegenstand: Schlafzimmer Meran (Produktdaten wie oben)
Listenpreis: 2.102 €
Angebot: 1.859 € (Möbel Höffner)
Provision: 61 €
Meine Ersparnis: 182 €
Die Preisagentur hatte also einen um 243 € (etwa 12%) niedrigeren Preis bei Möbel Höffner recherchiert. Dazu musste ich selbstverständlich den Fabrikanten selbst ermitteln und sollte noch 33% Provision zahlen. Und es würde mich nicht wundern, wenn die Agentur von Möbel Höffner eine zweite Provision erhalten hätte, falls es zum Kauf gekommen wäre. Nein, das macht ein cleverer Möbelkäufer besser.
Ich habe woanders letztlich für die gleichen Schlafzimmermöbel einen Preis von 1.670 € herausgeholt, ohne Anzahlung, einschließlich Lieferung und Montage. Das sind 467,88 € weniger, als bei Möbel Walther bezahlt werden sollte. Nachrichtlich für diejenigen, die immer noch gerne Prozente kaufen: 21,89%. In welchem Möbelhaus? Ich verrate es Ihnen, wenn Sie direkt bei mir anfragen.
Und die Moral aus der Geschicht':
Vertrau' dem guten Onkel nicht.
Weitere Artikel:
- Möbel Fabrikverkauf
- "Möbel Online-Shopping" - kostenloses PDF-eBook
- Möbel Preisvergleich: Wie mache ich es richtig?
- Räumungsverkauf: Die Gelegenheit für Schnäppchenjäger?
- Möbel bestellen im Versandhandel = zuviel bezahlen?
- Preisagenturen: Möbel kaufen mit den guten Onkels?
- Möbel Angebote: "Gefangen werden" oder "Einen Fang machen"?
- Schleichwege auf dem Möbelmarkt
- Sonderangebote: Feilschen trotzdem möglich?
- Schnäppchen: Verramscht da jemand Möbel?
- Möbelverkauf: Stellen Sie dem Verkäufer diese Fragen?
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Ist das Mathematik oder was?
- Möbelsuche: Die neue Offenheit?
- Verstecken Möbelhändler im Euro höhere Möbel-Preise?



