Die Falle mit der 0%-Finanzierung: Möbel und Geld futsch

In den letzten Monaten flatterte mir kein einziger Werbeprospekt eines Möbelhändlers auf den Schreibtisch, in dem nicht großspurig mit einer 0%-Finanzierung geworben wurde.

Neu ist diese Verkaufsmasche nicht. Schon seit einigen Jahren ködert der Möbelhandel mit dem Möbelkauf auf Pump. Und in Zeiten niedriger Zinsen umso mehr, siehe auch Möbel-Tipps Ausgabe 81 vom 07.08.2007.

Auf den ersten Blick erscheint so eine 0%-Finanzierung für den Möbelkäufer durchaus verlockend: Die Küche, die Polstermöbel oder das Schlafzimmer heute kaufen und dann zinslos in beispielsweise 36 oder 48 bequemen Monatsraten bezahlen. Warum also nicht zugreifen?

Doch welche gravierenden Nachteile diese Art der Finanzierung hat und welche versteckten Gefahren drohen, ist den meisten Möbelkäufern nicht bewusst. Die zeigen sich leider erst beim genaueren Hinsehen.

Ich möchte Ihnen daher die E-Mail-Nachricht, die ich von Frau Sandra Berger (Name geändert) erhielt, nicht vorenthalten:

Betreff: Finanzierungsfalle - Möbel und Geld futsch

Ich habe vor dem Möbelkauf Ihr Buch gelesen und konnte dadurch einige Fehler vermeiden, die mir ohne die Lektüre mit Sicherheit unterlaufen wären - nochmals vielen Dank dafür!

In eine echt fiese Falle bin ich aber getappt. Wäre sie zugeschnappt, hätte ich keine Möbel bekommen und wäre trotzdem das ganze Geld dafür losgeworden!

Sie betrifft im eigentlichen Sinn auch nicht die Möbel, sondern die Finanzierung derselben. In meinem Fall gab es in dem Möbelhaus gerade eine Finanzierungsaktion mit 0% Zinsen. Nun war ich zwar darauf vorbereitet, den vollen Betrag bei Lieferung der Möbel zu bezahlen, wollte mir den Zinsvorteil aber nicht entgehen lassen (…). Also unterschrieb ich den Kreditvertrag.

Der Termin für die Lieferung der Möbel sollte in 2 Monaten sein, die Ratenzahlungen sollten einen Monat später loslaufen. Was ich nicht wusste und erst viel später herausbekam: Die Kreditsumme wurde dem Möbelhaus bereits einen Monat früher ausgezahlt. Dann kam es zu weiteren Verzögerungen und die Möbel wurden erst weitere 2 Monate später geliefert und montiert.

Was wäre also passiert, wenn das Möbelhaus in dieser Zeit Pleite gegangen wäre? Die Möbel wären nicht mehr geliefert worden und die Zahlung der finanzierenden Bank wäre in die Insolvenzmasse gegangen (und damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg), den Kredit an die Konsumbank hätte ich aber abbezahlen müssen! Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Waren, die so finanziert und nicht gleich mitgenommen werden, siehe auch den Beitrag im Juraforum: Kreditauszahlung vor Auslieferung.

Geben Sie diese Warnung bitte weiter. Viele Grüße, Ihre Sandra Berger.

Ich schrieb zurück:

"Hallo Frau Berger,

Sie beschreiben das Risiko beim Finanzierungskauf sehr trefflich. Dem brauche ich nichts hinzuzufügen. Allerdings möchte ich noch etwas zum "Zinsvorteil" bemerken, der für Sie kaufentscheidend war.

Ich kenne keine einzige Bank, die kostenlos Geld verleiht. Die Kreditkosten (Zinsen und Gebühren) übernimmt daher der Möbelhändler für Sie. Doch der hat ebenfalls nichts zu verschenken. Das heißt, er kalkuliert die Kreditkosten natürlich in den Möbelverkaufspreis mit ein.

Das Werbeversprechen "0% Zinsen" ist also lediglich Augenwischerei - in Wahrheit zahlen Sie als Möbelkäufer über einen Umweg trotzdem die Finanzierung und damit einen höheren Preis.

Und noch etwas: Da ein Kauf auf Raten eine Entscheidung ist, die gut überlegt sein sollte, hat der Gesetzgeber hier ein zweiwöchiges Widerrufsrecht vorgesehen. Bei einem Gratis-Kredit gilt das jedoch nicht."




Hartmann Möbel: Vertragsstorno wegen falscher Rabattrechnung?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht eine Nachricht von Möbelkäufern erhalte, die ihren erst kürzlich geschlossen Kaufvertrag stornieren wollen. Heute Morgen fand ich folgende E-Mail von Andrea Neubauer in meinem Postfach (Namen und Firmen sind anonymisiert):

Betreff: Rücktritt vom Kaufvertrag

Am 29.10. habe ich im Möbelhaus S. einen Kaufvertrag für Hartmann Möbel abgeschlossen (Anwesende: Ich, mein Freund und meine Eltern), weil es an dem Tag angeblich 35% Rabatt auf Neuverträge gab und zusätzlich nur an diesem Tag weitere 10%. Also bekomme ich einen Nachlass von 45%. Dies nickte auch der Verkäufer ab. Der Ursprungsbetrag für die Hartmann Möbel war 7.354,00 €. Minus 45% (3.309,30 €) macht das 4.044,70 €.

Der Verkäufer stellte allerdings einen Betrag von 4.200,44 € in Rechnung. Wir wollten das Kaufhaus eigentlich verlassen, als mir der Fehler auffiel. Wir gingen zurück, um den Verkäufer zur Rede zu stellen. Dieser meinte, alles habe seine Richtigkeit. Also gingen wir dann doch. Aber zu Hause setzte ich mich hin, weil ich aus der Bankenbranche komme und es nicht auf mir sitzen lassen wollte. Am 31.10. standen wir dann wieder beim Verkäufer auf der Matte und stellten unsere Rechnung vor. Dann erkläre er: Ursprungsbetrag 7.354,00 € - (35%) 2.427,00 € => 4.927,00 € - (10%) 596,65 € => 4.330,35 € - (3% Skonto wegen Barzahlung 1.800,00 €) 129,91 € => 4.200,44 €.

OK dachte ich mir, dann habe ich mich verrechnet. Zu Hause noch einmal hingesetzt und nachgerechnet. Aber auch wenn ich es so rechnete wie der Verkäufer kam ich auf 125,25 € weniger als er. Am nächsten Tag also wieder hin. Dann legte ich meine Rechnung vor: Ursprung 7.354,00 € - (35%) 2573,90 € => 4.780,10 € - (10%) 578,87 € => 4.201,23 € - (3%) 126,04 € => 4.075,19 €.

Jetzt kam der Hammer, denn der Verkäufer meinte, dass es falsch sei, wie ich es rechne. In den 35% seien bereits 3% Skonto enthalten, also bekäme ich nur effektiv 32% auf den Ursprungsbetrag der Hartmann Möbel. Die 3% werden erst nach allen Nachlässen abgezogen. Dies stand aber nicht auf den Schildern. Als wir dem Verkäufer sagten, dass dies Augenwischerei sei, meinte er nur, dass es irgendwo in den AGB stehen würde. Uns gab er aber 3% Skonto, da ich eine Anzahlung leistete.

Nach diesem Schock besprachen wir alles zuhause und stornierten den Vertrag per E-Mail, per Brief und per Fax. Als ich 2 Tage lang nichts hörte, rief ich bei S. in F. an. Eine Sachbearbeiterin meinte, die Schreiben seien eingegangen und ich würde noch Post erhalten. Ich fragte, was das heißen soll. Sie meinte, sie hätte den Vertrag jetzt auf Eis gelegt und würde 2 Wochen auf meine Reaktion warten. Als ich meinte wieso, sagte sie mir, ich als Käufer hätte kein Recht einen Vertrag zu stornieren oder zu widerrufen und 25% der Kaufsumme würden sie sich einbehalten. Diesen Betrag müsste ich bis Oktober 2012 verbraucht haben, sonst würde er verfallen. Dieses Vorgehen stünde in den AGB.

Darauf meinte ich: Also müsse ich vor einem Abschluss erst einmal alles durchlesen bevor ich unterschreibe. Darauf meine Sie Ja. Des Weiteren sagte ich ihr, dass ich ein günstigeres Angebot erhalten hätte und deswegen den Vertrag storniere und weil nicht das verrechnet wurde, was beworben wurde.

Was kann ich hier tun? Ich will die komplette Anzahlung sowie die Stornierung ohne Kosten haben. Bitte nehmen Sie mit mir dringend Kontakt auf! Vielen lieben Dank, Andrea Neubauer.

Ich schrieb zurück:

"Hallo Frau Neubauer, vielen Dank für Ihre Nachricht.

Was Sie mir schildern, ist letzten Endes eine Rechtsfrage. Zu einer Rechtsberatung bin ich nicht befugt. Ich kann Sie daher nur an einen Rechtsanwalt verweisen. Meine persönliche Meinung zu Ihrem Fall darf ich allerdings äußern:

Sie sind leider in eine typische Rabattfalle getreten. 45% Nachlass auf Hartmann Möbel können nur auf einen so genannten Mondpreis bzw. auf einen überhöhten Listenpreis gegeben werden, sonst würde sich der Händler selbst ruinieren. Trotzdem sind Ihre Chancen, aus dieser Sache schadlos herauszukommen, nach meinen Erfahrungen gleich Null.

Ein Widerrufs- bzw. Rücktrittsrecht bei einem Möbelkauf existiert nur in wenigen Ausnahmefällen, siehe Rücktritt vom Kaufvertrag. Der Grund, ein günstigeres Angebot erhalten zu haben, zählt selbstverständlich nicht dazu. Wo käme man denn da auch hin?

Und zu beweisen, dass Sie durch die Werbung irregeführt worden sind bzw. nicht das erhalten haben, was beworben wurde - also ein Verstoß des Händlers gegen das UWG vorliegt - wird Ihnen ebenfalls kaum gelingen.

Blindes Vertrauen, eine voreilige Unterschrift und anschließende Kaufreue (Vertragsstornierung) kosten immer Lehrgeld. 25% der Kaufsumme sind in der Möbelbranche üblich und völlig rechtens.

Sie können sogar noch froh darüber sein, dass Ihnen der Möbelhändler die Gelegenheit gibt, die ihm zustehenden 25% Schadenersatz auf Ihren nächsten Möbelkauf anzurechnen. Er könnte nämlich ebenso Ihre 1.800,00 € aus dem Safe holen, seinen 25%-igen Schadenersatz abziehen und Sie dann einfach mit dem Restgeld nach Hause schicken.

Ich bin gewiss nicht schadenfroh. Ganz im Gegenteil. Es stimmt mich jedes Mal sehr traurig, wenn ich sehe, wie sorglos die Meisten an Ihren Möbelkauf herangehen.

Hätten Sie meine Internetseite vor Ihrem Kauf gefunden und meinen Ratgeber Clever Möbel kaufen gelesen, wäre Ihnen das ganz sicher nicht passiert. Und Ihre Hartmann Möbel hätten Sie ebenfalls deutlich günstiger bekommen. Vielleicht holen Sie das ja vor Ihrem nächsten Kauf noch nach.

Bleibt mir also nur, Ihnen viel Erfolg bei der Auseinandersetzung mit dem Händler zu wünschen. Mehr kann ich leider nicht für Sie tun."




Himolla gegen Ekornes: Ist Zerostress ein Plagiat von Stressless?

Wer sich in den Möbelhäusern nach einem Ruhesessel - oder neudeutsch Relaxsessel - umsieht, stößt sehr rasch auf die Namen Stressless und Zerostress. Stressless ist das Relaxsesselprogramm des norwegischen Herstellers Ekornes ASA, Zerostress dagegen die entspechende Modellreihe des deutschen Polstermöbelherstellers Himolla, 84416 Taufkirchen.

Ekornes Stressless Relaxsessel

Es ist beileibe nichts Ungewöhnliches, wenn sich Konkurrenten beim Kampf um Marktanteile in die Haare bekommen und der Streit letztlich vor Gericht ausgetragen wird. Im Falle von Himolla und Ekornes war allerdings eine Fehde besonderer Art ausgebrochen. Und das kam so:

Ekornes startete bereits im Jahr 1971 sein Stressless-Programm. Es trug im Wesentlichen dazu bei, dass sich Ekornes im Lauf der folgenden Jahre zum größten Möbelhersteller Skandinaviens mauserte. Himolla dagegen war hier zu Lande schon immer eine der ersten Adressen, wenn es um Sofas und Sessel ging.

Als die Stressless-Welle schließlich bis nach Deutschland schwappte, bekam man wohl auch in Taufkirchen nasse Füße: Himolla ging in 2003 zum Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) und ließ dort die Wort- und Bildmarke Zerostress eintragen. In Norwegen fürchtete man sich offensichtlich vor dem, was kommen könnte. Ekornes begann daher, gegen die Markteinführung von Relaxsesseln unter dem Namen Zerostress zu schießen. Allerdings ohne Erfolg, denn die Klage auf Markenrechtsverletzung wegen Verwechslungsgefahr vor dem OLG Düsseldorf wurde abgewiesen.

Himolla Zerostress Relaxsessel
Endgültig rot sahen die Norweger, als sie mitbekamen, was die Taufkirchener an die Möbelhändler lieferten. Ekornes bezichtigte Himolla im Jahr 2008 vor dem LG Köln als Plagiator. Doch auch diese Klage hatte im Endergebnis keinen Erfolg. Als letzte Instanz hat der Bundesgerichtshof am 01.06.2011 verkündet: Zerostress-Sessel sind keine Nachbauten der Stressless-Sessel.

Ich möchte hier weder für den einen, noch für den anderen Hersteller Partei ergreifen. Und ich möchte erst recht nicht Mutmaßungen darüber anstellen, wer wann von wem abgekupfert haben könnte. Das bleibt Ihnen als Verbraucher, den Streithähnen und den Gerichten überlassen. Meine Mission ist es, denjenigen Möbelkäufern behilflich zu sein, die vor der Kaufentscheidung stehen: Stressless oder Zerostress? Diese Hilfe biete ich Ihnen in meinem Ratgeber-Bestseller Clever Möbel kaufen.




Möbel-Boom im Internet: 78 Prozent Umsatzplus

Laut den kürzlich veröffentlichten Zahlen des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (BDV) haben die Versender im Jahr 2010 Möbel und Dekoartikel für rund 1,67 Mrd. € verkauft. Das entspricht im Vergleich zu 2009 (940 Mio. €) einem satten Umsatzplus von 78%.

850 Mio. €, also etwa die Hälfte des letztjährigen Umsatzes, erzielten die Versandunternehmen durch den Verkauf im Internet.

Was sind das eigentlich für Online-Shops, die den Surfer immer öfter zum Klick auf den "Bestellung absenden" - Button verleiten?

Da sind zunächst einmal die Big Player. Neckermann, Otto und Co. hatten den Möbelversand bereits perfektioniert, bevor überhaupt jemand an Computer, Internet und Warenkörbe dachte - ein gewaltiger Vorteil. Diese Unternehmen wissen inzwischen auch genauestens, wie es online funktioniert und vermelden daher durchweg Rekordumsätze in der Sparte Einrichtungsgegenstände.

Dann sind es mehr und mehr die stationären Händler, die das Internet als Verkaufsplattform für sich entdecken. Hier findet momentan ein großes Umdenken statt. Standen die Möbelriesen jahrelang dem Online-Möbelhandel äußerst skeptisch gegenüber, greifen sie nun vehement mit ins Geschehen ein. Angesichts der beachtenswerten Zahlen im Online-Geschäft sicher kein Wunder. Da möchte sich auf Dauer sicher niemand von den Mitbewerbern die Butter vom Brot nehmen lassen.

Jüngste Beispiele für ein Engagement im E-Commerce sind Möbel Inhofer, Porta und Möbel Boss. Ob es bei denen allerdings so läuft, wie man sich das vorstellt, wird sich noch zeigen. Denn der Erfolg eines Shops und die Akzeptanz beim Kunden ist keinesfalls garantiert, wie man auch sehr gut am Beispiel Poco sehen konnte: Der Discounter hatte seinen Shop mit großem Getöse eröffnet und wenige Monate später ganz leise wieder geschlossen.

Zu guter Letzt sind da natürlich die reinen virtuellen Möbelhändler, die sich vom großen Möbelkuchen ein Stück abschneiden wollen. Sie schießen nach wie vor wie Pilze aus dem Boden und locken mit Angeboten und Prozenten.

Bemerkenswert ist: Die "Möbelverkaufsfläche" steigt nicht nur im Internet immer weiter an, sondern auch in der realen Welt. Zahlreiche neue Möbelpaläste sind oder werden dieses Jahr neu eröffnet, sind gerade im Bau oder in Planung. In Zukunft zeichnet sich also ein noch mächtigerer Wettbewerb um die Gunst des Möbelkunden ab.

Dem cleveren Möbelkäufer kann dieses Geschehen letztlich nur nutzen. Und wenn Sie sich entschließen sollten, Ihre neuen Möbel online zu kaufen, beachten Sie unbedingt meine Hinweise und Tipps im Ratgeber Clever Möbel kaufen, Kapitel 8.




XXXL Mann Mobilia Stuttgart / Fellbach öffnet seine Pforten

Nach mehreren Monaten Um- und Neubau hat der Österreichische Möbelriese Lutz jetzt sein 27. Möbelhaus in Deutschland neu eröffnet. An der Fassade des Möbelpalastes in der Robert-Bosch-Str. 11 in 70734 Fellbach, wenige Kilometer östlich von Stuttgart, prangt in großen Lettern XXXL Mann Mobilia. Damit wurde nun der Name Möbel Siegle, der mehr als 80 Jahre lang über die Grenzen Fellbachs hinaus den Möbelkäufern ein Begriff war, endgültig begraben.

Die Lutz-Gruppe hatte bereits im Jahr 2003 Möbel Siegle übernommen und das Möbelhaus selbstredend in XXXL Siegle umbenannt. Das ca. 20.000 qm große Gebäude in Fellbach war inzwischen etwas in die Jahre gekommen und die Lutz-Eigner entschlossen sich, das Möbelhaus nicht nur zu modernisieren, sondern die Verkaufsfläche durch einen Anbau auf satte 40.000 qm zu erweitern.

Die Vergrößerung zielt wohl auch hauptsächlich darauf ab, dem Platzhirschen im Großraum Stuttgart, Möbel Hofmeister, nun noch mehr das Wasser abzugraben. Denn mit dem XXXL Mann Mobilia in Ludwigsburg und XXXL Gamerdinger in Böblingen verfügen die Österreicher nun über mehr Möbelverkaufsfläche als Hofmeister mit seinen beiden Möbelhäusern in Bietigheim-Bissingen und Leonberg.

Bei Lutz weiß man längst, was den Möbelkunden bei einer Neueröffnung geboten werden muss, damit die Kassen klingeln: Möbelgutscheine noch und nöcher, eine Auto-Verlosung und als Clou das Late Night Shopping am Wochenende.

Wie er mit Eröffnungsangeboten und -werbung umgehen muss, weiß aber auch der clevere Möbelkäufer. Von Letzteren gibt es in Stuttgart jede Menge. Lesen Sie einfach mal den süffisanten Beitrag "Du schon wieder XXXL-Lutz" im Stuttgart-Blog.




Möbel Angebote: Kommt das Aus für durchgestrichene Preise?

Der Bundesgerichtshof hat jüngst ein sehr bemerkenswertes Urteil zur Werbung mit Rotstift-Preisen gefällt. Demnach ist eine Werbung mit einem Einführungspreis, dem ein durchgestrichener höherer Preis vergleichend gegenübergestellt wird, nur dann zulässig, wenn sich aus der Reklame eindeutig ersehen lässt, wie lange der Einführungspreis gültig ist und ab wann der durchgestrichene Preis verlangt wird (BGH, AZ: I ZR 81/09).

Was war passiert?

Ein Freiburger Teppichhändler streute Werbeprospekte, in denen er seine neue Teppichkollektion als Weltneuheit vorstellte. Zur Markteinführung warb er zudem mit hohen Nachlässen nach der beliebten "Jetzt-nur-so-wenig-später-aber-so-viel-also-greifen-Sie-zu" - Strategie.

Ein (unsym)badischer Kollege im Breisgau sah dadurch seine Umsätze schwinden, zog vor den Kadi und bekam in allen Instanzen Recht. Nach § 4 Nr. 4 und § 5 Abs. 1 UWG verstößt der beklagte Händler mit einer solchen Reklame gegen das Transparenzgebot. Im Klartext: Wer mit einem höheren durchgestrichenen Preis wirbt, muss erkennbar machen, worauf dieser Preis Bezug nimmt. Sollte dies der reguläre Preis sein, der nach der Einführungs-Werbeaktion verlangt wird, dann muss diese Aktion quasi zeitlich begrenzt werden.

Zeitlich begrenzen?

Na ist doch prima! Dadurch baue ich für die potentiellen Kunden zusätzlich noch Zeitdruck auf. Und wenn die Aktion beendet ist, präsentiere ich meine Weltneuheit halt unter einem neuen Namen und beginne das Spiel von vorne …

Aufgrund des Urteils der Karlsruher Richter jedenfalls wird sich wohl weder im Teppich- noch im Möbelhandel etwas ändern. Die Rabattschlachten mit Mondpreisen werden weiter erbittert geführt. Da macht es absolut nichts, wenn eine Verkaufsmasche durch rechtliche Einschränkungen nicht mehr funktioniert. Die Marketingstrategen denken sich sowieso immer neue Preisvernebelungstricks aus.

Deshalb werden auch in Zukunft die gestressten Möbelverkäufer nach Ladenschluss mit bunten Stiften bewaffnet durch die Ausstellungen flitzen, Preise durchstreichen und Prozentzahlen auf die Preisetiketten malen.

Für den cleveren Möbelkäufer ändert sich ebenfalls nichts. Denn der weiß immer, wie er zum besten Preis für sein Wunschmöbelstück kommt.




Rauch Möbel: Die mit dem Endverbraucher flirten

Rauch Möbel Bei Rauch Möbel sucht man den Dialog mit dem Endverbraucher. Das tut kaum ein Möbelhersteller. Fast alle Möbelhersteller präsentieren sich zwar im Internet, aber gegen den surfenden Möbelkäufer schotten sie sich oft ab. Seine Kontaktaufnahme über das Netz ist nicht erwünscht. Möge er sich an das halten, was auf der Website steht. Ansonsten ist der Möbelhandel für ihn da. Das genügt.

Anders bei Rauch Möbel. Auf der neuen Website www.rauchmoebel.de bieten sie gerade den Endkunden jede Menge Informationen und Service-Tools. Klar: An erster Stelle steht die umfassende Modellübersicht. Dann gibt es aber auch eine praktische Planungs-Software zum Download. Highlight jedoch ist der Wohntypentest. Originalton Rauch: Der Nutzer muss lediglich acht Fragen beantworten und schon weiß er mehr über die Wohnwelt, die zu ihm passt.

Schauen wir mal kurz nach der Wohnwelt, die Rauch zu bieten hat. Rauch produziert Schlafraummöbel, Jugendzimmer und Schränke in so genannten Sortimentslinien. Sie sind bezeichnet mit Dialog, Steffen, Pack’s und Select.

  • Dialog - Dieses umfangreiche Sortiment reicht vom kompletten Schlafzimmer über Schrank-Programme bis hin zu studioartigen Zusammenstellungen für Kinder, Jugendliche und Singles. Das Design ist zeitlos und damit langlebig und soll die Masse der Käufer ansprechen. Auch individuelle Planung eines Schlafzimmers bzw. Jugendzimmers ist möglich. Produziert wird das Sortiment am Hauptsitz der Rauch Möbelwerke GmbH in Freudenberg.
  • Steffen - Das komfortable Betten- und Schlafzimmer-Sortiment. Die Qualität wird recht hoch gehalten. Der Preis allerdings auch. Übrigens: Bis 2007 war Steffen ein bekannter selbständiger Hersteller, der nach Turbulenzen in die ausgebreiteten Arme von Rauch fiel. Produktionsstätte ist die Möbelwerke Mastershausen GmbH in Mastershausen.
  • Pack’s - Hiermit bedient Rauch Möbel den wachsenden Markt der Möbeldiscounter. Die Packstücke dieser Mitnahmemöbel sind klein, die Montage relativ einfach. Der sonst übliche Selbstbauärger kommt also nicht so oft auf. Produziert wird bei Rauch in Freudenberg
  • Select - Auch dies sind zerlegte Möbel. Das moderne Design soll die jungen Zielgruppen treffen. Der Kollektion umfasst Einzelbetten, Schrank- und Kommoden-Programme sowie Apartment-Möbel. Produziert wird Select durch die Möbelwerke Bürgstadt GmbH in Bürgstadt.

Das firmeneigene Spanplattenwerk Rauch Spanplatten GmbH in Markt Bibart versorgt übrigens die genannten Produktionsstätten mit Holzwerkstoffen.

Zum Schluss noch ein Wort zum Wohntypentest auf der Rauch Homepage mit seinen speziellen Abfragen. Die Antworten der Surfer bieten eine wertvolle Infoquelle. Rauch und seine Handelspartner können damit prima gezielt und individuell Marketing machen. Das ist die halbe Treppe zum Kaufabschluss.




Online Möbel kaufen: Auspacken und zurückschicken?

Zu der ständig wachsenden Zahl von Surfern im Internet gehören auch immer mehr Möbelkäufer. Aber diese surfen meistens nur, um sich zu informieren, weniger, um auch online Möbel zu kaufen. Es herrscht wohl noch das Gefühl vor, der Onlinekauf von Möbeln habe so etwas an sich wie "die Katze im Sack kaufen".

Wenn man es so sehen will, ist der Möbelkauf im realen Möbelhaus oft auch nicht viel anders: Das Möbelstück, das man im Laden unter die Lupe genommen hat, bleibt dort stehen. Geliefert wird dann ein neu produziertes, das man vorher nicht gesehen hat.

Doch zurück zum Online Möbel kaufen. Nehmen wir als Beispiel ein Sofa, das bei einem Internetshop geordert wurde und das die Leute von der Spedition just in diesem Augenblick ins Wohnzimmer tragen.

Wäre ich der Käufer, würde ich die Leute bitten, etwas zu warten. In dieser Zeit würde ich das Sofa auspacken, wobei ich darauf achte, dass ich das Verpackungsmaterial vielleicht sofort wieder verwenden muss. Dann würde ich das Stück, so gut es in der Kürze möglich ist, auf Mängel hin untersuchen. Dazu gehört auch eine Sitzprobe. Stimmt etwas nicht, geht die Sendung mit gleicher Tour wieder zurück.

Es kann passieren, dass die Spediteure natürlich nicht warten wollen oder können oder sich weigern, die Möbel wieder mitzunehmen. Macht nichts, dann lasse ich es eben später separat zurück transportieren. Und ich habe dadurch noch mehr Zeit, das Sofa zu prüfen. Nämlich längstens 14 Tage. So lange habe ich das Recht, den Onlinekauf zu widerrufen.

Der Internetmöbler kann mir diese Prüfung und Probe nicht verwehren oder dafür gar eine Entschädigung von mir verlangen. So sieht es ein Gesetzentwurf vor, den Anfang Dezember 2010 das Bundeskabinett verabschiedet hat.

"Die Katze im Sack kaufen" wird also bald nicht mehr sein. Das macht den Onlinekauf von Möbeln ein Stückchen attraktiver. Dennoch ist das nur ein Teilaspekt eines komplexen Geschehens. Wie man Onlinemöbel richtig clever kauft, erfahren Sie umfassend im Ratgeber Clever Möbel kaufen, Kapitel 8.




Möbelpreise auf Verbrauchermessen

Ich brauche eigentlich keinen Messekalender, denn ich bemerke es auf meinem PC, wann eine Verbrauchermesse stattfindet: In schöner Regelmäßigkeit schwillt dann die Zahl der E-Mails an. Wenn nämlich bei den Messebesuchern nach der Lust der Frust aufkommt, recherchieren sie im Internet, finden mich und schreiben mir. So auch Hans Jung (Namen und Firmen sind anonymisiert):

Betreff: Messepreise

Guten Tag Herr Günther, ich habe kurzerhand Ihr Buch erworben und interessiert gelesen. Denn ich war am vergangenen Wochenende auf einer Messe, wo unter anderem auch Polstermöbel zu kaufen waren. Gefallen hatten mir Stücke von LL, ich hoffe das sagt Ihnen etwas, ich habe von dieser Firma vorher noch nichts gehört.

Es handelte sich um ein Ledersofa (3-Sitzer), wo man 2 getrennte Sitzflächen automatisch per Knopfdruck in “fast” Liegeposition fahren kann. Erst solle es 4.500,00 € kosten, dann kam aber der Chef der LL Messetruppe und rechnete mit seinem Taschenrechner einen Preis von 3.500,00 € aus. Ferner wollte er eine Anzahlung haben. Ist solch ein hoher Rabatt seriös? Ich kann den Preis ja leider nicht vergleichen, da es ja keine “Marke” ist.

Als zweites gefiel mir ein Ledersofa einer kleineren Handelsfirma. Angeblich alles per Hand gefertigt. Gezeigt wurden Bilder aus einer kleinen Werkstatt in Italien. Es war auch ein 3-Sitzer in sehr dickem Leder dabei, angeblich Stierleder. Ziemlich viele Sachen an diesem Sofa können auf Wunsch geändert werden. Unter anderem zusätzliche Kopfpolster, auch die Höhe und die Breite. Und das Beste: Alles ist im genannten Preis drin, selbst wenn man sich die kommenden Tage noch meldet und das Sofa doch 50 cm breiter haben möchte. Das wurde auch alles live am Telefon auf italienisch abgeklärt. Seriös?

Erst sollte es 6.500,00 € kosten, später dann noch 5.700,00 €. Bezahlen muss ich erst nach Lieferung. Aber dann auch sofort einen Auftrag unterschreiben, genau wie bei LL.

Ich habe weder hier noch dort unterschrieben. Gott sei Dank, wie ich nach der Lektüre Ihres Ratgebers festgestellt habe. Mich hatte schon von Anfang an gestört, dass ich keinen Preisvergleich machen kann! Aber was kann ich tun?

Ich schrieb zurück:

“Hallo Herr Jung, Sie haben es richtig gemacht. Wenn man keine Preise vergleichen kann, ist man auf der Verliererseite. Nach meinen Erfahrungen schrauben die Messeanbieter ihre Anfangspreise durchweg so hoch, dass sie mächtig runter rechnen können, ohne ihren Reibach allzu sehr zu schmälern. Zudem holt er den Rabatt wieder rein, wenn jemand zum Anfangspreis kauft - und das dürften nicht wenige sein. Ihre Frage nach der Seriosität brauche ich jetzt wohl nicht mehr zu beantworten.

Ledersofas mit technischen Funktionen werden von zahlreichen Herstellern produziert. Ich würde zunächst im stationären Handel und im Internet danach suchen. Wenn mir ein Modell gefällt, würde ich nicht nur auf den Preis sehen, sondern die Stücke auf ihre Qualität hin testen, so wie ich es im Ratgeber beschrieben habe. Auf diese Weise verschaffe ich mir eine prima Marktübersicht.

Anschließend kann ich ja nochmals die Messeanbieter aufsuchen und mit meinem neuen Preisgefühl das Spiel mit ihnen spielen. LL und der Italiener sind auf fast jeder Verbrauchermesse zu finden.”




Der Stressless Polsterflüsterer

Wie viele wissen, ist Stressless eine Polstermöbelmarke. Man denkt dabei wohl hauptsächlich an den bequemen Relaxsessel auf rundem Drehgestell. Ferner ist vielen Möbelkäufern bekannt, dass die Polstermöbel unter den Dächern eines großen Möbelkonzerns mit Sitz in Norwegen produziert werden: Der Ekornes ASA Group, N-6222 Ikornes. Die Norweger bauen Stressless Polster massenhaft und verkaufen sie prächtig in aller Welt.

Weil das so ist, wurde ich stutzig, als mir jemand schrieb, ich solle mir doch einfach mal seinen kleinen Veredelungsbetrieb für Polstermöbel anschauen und darüber berichten. Er baue tolle Stressless Sessel für jeden Zweck als weltweit einzigartiges Unikat.

Also schaute ich mal rein bei www.polsterei-romes.de, um einen virtuellen Eindruck zu gewinnen von der realen Firma

Wohnraumgestaltung Jürgen Romes
Pelmig 3
53359 Rheinbach.

Anschließend mailte ich Herrn Romes, dass ich durchaus bereit sei, über seine Stressless Sesselkünste zu berichten. Dazu müsse er mir aber verraten, ob er wirklich Originalgestelle von Ekornes verarbeite, oder ob er diese gar nachbaue und wie er das alles schaffe, ohne mit Urheberrechten in Konflikt zu geraten.

Seine Antwort möchte ich ungekürzt wiedergeben:

"Hallo Herr Günther, vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Hier nun einige Stichpunkte zu den Sondersesseln.

Für die Firma Ekornes-Stressless bearbeite ich als Servicetechniker die Reklamationen auf selbstständiger Basis. Durch diese Tätigkeit sammelten sich dann mit der Zeit Berge von Einzelteilen an und stapelten sich in meiner Werkstatt.

Nun kam dann mal die Idee, einen Stressless-Sessel in 2 Farben zu beziehen, um handwerkliche Fähigkeiten zu demonstrieren. Allerdings reifte da bereits der Gedanke heran, dieses zu toppen und einen Dreifarbigen zu bauen, wobei auch die Füße farblich den Bezügen angepasst sind. Was lag da Anfang des Jahres näher, als an die Fußball WM zu denken und einen Deutschland-Sessel zu entwerfen.

Bereits zu dem Zeitpunkt, wo die ersten Ideen umgesetzt wurden, war Stressless über dieses Projekt informiert und es sprach nichts dagegen. Bilder vom fertigen Sessel mit Hocker fanden in der Zentrale in Hamburg große Zustimmung, besonders als es dann zum Termin mit Lena bei Pro7 TV Total kam. Auch an diesem Tag wurde Stressless über die Aktion in Kenntnis gesetzt und war begeistert. Nach dem Auftritt schlug es natürlich Wellen der Begeisterung und Glückwünsche von allen Seiten. Am 03.09.2010 war ein solcher Sessel im Luxemburg Design beim Perfekten Promi Dinner auf VOX zu sehen, um 20.15 Uhr mit Jean Pütz.

Alle Sessel werden aus Original Stressless Teilen gebaut, jedoch werden immer verschiedene Modelle aufeinander angepasst."

So weit Jürgen Romes. Keine Konflikte, nichts Störrisches etwa wegen Urheberrechten. Damit ist Romes für mich in Anlehnung an ein bekanntes Vorbild bei der Pferdedressur so etwas wie ein Stressless Polsterflüsterer.