Die Falle mit der 0%-Finanzierung: Möbel und Geld futsch
In den letzten Monaten flatterte mir kein einziger Werbeprospekt eines Möbelhändlers auf den Schreibtisch, in dem nicht großspurig mit einer 0%-Finanzierung geworben wurde.
Neu ist diese Verkaufsmasche nicht. Schon seit einigen Jahren ködert der Möbelhandel mit dem Möbelkauf auf Pump. Und in Zeiten niedriger Zinsen umso mehr, siehe auch Möbel-Tipps Ausgabe 81 vom 07.08.2007.
Auf den ersten Blick erscheint so eine 0%-Finanzierung für den Möbelkäufer durchaus verlockend: Die Küche, die Polstermöbel oder das Schlafzimmer heute kaufen und dann zinslos in beispielsweise 36 oder 48 bequemen Monatsraten bezahlen. Warum also nicht zugreifen?
Doch welche gravierenden Nachteile diese Art der Finanzierung hat und welche versteckten Gefahren drohen, ist den meisten Möbelkäufern nicht bewusst. Die zeigen sich leider erst beim genaueren Hinsehen.
Ich möchte Ihnen daher die E-Mail-Nachricht, die ich von Frau Sandra Berger (Name geändert) erhielt, nicht vorenthalten:
Betreff: Finanzierungsfalle - Möbel und Geld futsch
Ich habe vor dem Möbelkauf Ihr Buch gelesen und konnte dadurch einige Fehler vermeiden, die mir ohne die Lektüre mit Sicherheit unterlaufen wären - nochmals vielen Dank dafür!
In eine echt fiese Falle bin ich aber getappt. Wäre sie zugeschnappt, hätte ich keine Möbel bekommen und wäre trotzdem das ganze Geld dafür losgeworden!
Sie betrifft im eigentlichen Sinn auch nicht die Möbel, sondern die Finanzierung derselben. In meinem Fall gab es in dem Möbelhaus gerade eine Finanzierungsaktion mit 0% Zinsen. Nun war ich zwar darauf vorbereitet, den vollen Betrag bei Lieferung der Möbel zu bezahlen, wollte mir den Zinsvorteil aber nicht entgehen lassen (…). Also unterschrieb ich den Kreditvertrag.
Der Termin für die Lieferung der Möbel sollte in 2 Monaten sein, die Ratenzahlungen sollten einen Monat später loslaufen. Was ich nicht wusste und erst viel später herausbekam: Die Kreditsumme wurde dem Möbelhaus bereits einen Monat früher ausgezahlt. Dann kam es zu weiteren Verzögerungen und die Möbel wurden erst weitere 2 Monate später geliefert und montiert.
Was wäre also passiert, wenn das Möbelhaus in dieser Zeit Pleite gegangen wäre? Die Möbel wären nicht mehr geliefert worden und die Zahlung der finanzierenden Bank wäre in die Insolvenzmasse gegangen (und damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg), den Kredit an die Konsumbank hätte ich aber abbezahlen müssen! Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Waren, die so finanziert und nicht gleich mitgenommen werden, siehe auch den Beitrag im Juraforum: Kreditauszahlung vor Auslieferung.
Geben Sie diese Warnung bitte weiter. Viele Grüße, Ihre Sandra Berger.
Ich schrieb zurück:
"Hallo Frau Berger,
Sie beschreiben das Risiko beim Finanzierungskauf sehr trefflich. Dem brauche ich nichts hinzuzufügen. Allerdings möchte ich noch etwas zum "Zinsvorteil" bemerken, der für Sie kaufentscheidend war.
Ich kenne keine einzige Bank, die kostenlos Geld verleiht. Die Kreditkosten (Zinsen und Gebühren) übernimmt daher der Möbelhändler für Sie. Doch der hat ebenfalls nichts zu verschenken. Das heißt, er kalkuliert die Kreditkosten natürlich in den Möbelverkaufspreis mit ein.
Das Werbeversprechen "0% Zinsen" ist also lediglich Augenwischerei - in Wahrheit zahlen Sie als Möbelkäufer über einen Umweg trotzdem die Finanzierung und damit einen höheren Preis.
Und noch etwas: Da ein Kauf auf Raten eine Entscheidung ist, die gut überlegt sein sollte, hat der Gesetzgeber hier ein zweiwöchiges Widerrufsrecht vorgesehen. Bei einem Gratis-Kredit gilt das jedoch nicht."





Bei Rauch Möbel sucht man den Dialog mit dem Endverbraucher. Das tut kaum ein Möbelhersteller. Fast alle Möbelhersteller präsentieren sich zwar im Internet, aber gegen den surfenden Möbelkäufer schotten sie sich oft ab. Seine Kontaktaufnahme über das Netz ist nicht erwünscht. Möge er sich an das halten, was auf der Website steht. Ansonsten ist der Möbelhandel für ihn da. Das genügt.